Unsere heutige Zeit ist durch eine fast unüberschaubare Menge neuer technischer Errungenschaften sowie komplexe wirtschaftliche und soziale Vernetzungen geprägt. Auch unsere Sprache ist von derartigen Entwicklungen beeinflusst und entwickelt sich stetig weiter. Dabei ist jener Teil unseres Wortschatzes, der sich erweitert, proportional größer als der Teil, der natürlicherweise verschwindet.
Dabei nehmen Kurzwörter im System der deutschen Wortbildung eine Sonderrolle ein, sind sie doch überaus produktiv und in nahezu in allen Kommunikationsbereichen vorzufinden. Verstärkt begegnen sie uns in der Sprache der Wirtschaft (DAX für Deutscher Aktienindex), der Technik (DSL für Digital Subscriber Line, Digitaler Teilnehmeranschluss), des Sports (DFB für Deutscher Fußball-Bund), der Politik (SPD für Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und der Werbung (H-Milch für haltbare Milch), aber auch im alltäglichen Sprachgebrauch (Kita für Kindertagesstätte).
Diese Arbeit stellt dar, wie Kurzwörter entstanden sind, welche Eigenschaften sie besitzen und weshalb sie überhaupt genutzt werden. Zur genaueren definitorischen Abgrenzung werden auch andere Formen lexikalischer Kürzung behandelt, die allerdings nicht klassischerweise zu den Kurzwörtern zu zählen sind.
Aufgrund der Tatsache, dass für den täglichen Umgang mit Kurzwörtern die kommunikative Seite aber weitaus interessanter ist als rein formale und theoretische Aspekte, wird anhand einer überregionalen Tageszeitung eine kurze Untersuchung von Kurzwörtern vorgenommen, in der die Verwendungsweise im allgemeinen Sprachgebrauch charakterisiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Das Kurzwort im Deutschen
2.1 Kurzwörter in historischer Sicht
2.2 Eigenschaften von Kurzwörtern
2.3 Funktionen von Kurzwortformen
2.4 Typologie von Kurzwörtern
3. Andere Formen lexikalischer Kürzung
3.1 Abkürzungen
3.2 Wortkreuzungen
3.3 i-und o-Suffigierungen
4. Verwendung von Kurzwörtern am Beispiel einer Tageszeitung
4.1 Wortkürzungen im Sport
4.2 Wortkürzungen in der Wirtschaft
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bildung, Verwendung und Funktion von Kurzwörtern im Deutschen, um deren Rolle als etabliertes Wortbildungsmittel im allgemeinen Sprachgebrauch sowie in Fachsprachen wie Sport und Wirtschaft zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und historische Entwicklung von Kurzwörtern
- Klassifizierung und Typologie verschiedener Kurzwortformen
- Abgrenzung von Kurzwörtern zu Abkürzungen, Wortkreuzungen und Suffigierungen
- Empirische Untersuchung der Verwendung von Kurzwörtern in einer überregionalen Tageszeitung
Auszug aus dem Buch
2.2 Eigenschaften von Kurzwörtern
Kurzwörter können inzwischen als ein etablierter Typ der Wortbildung bezeichnet werden, und zwar als ein reduktiver Wortbildungstyp bei dem Wortmaterial eingespart wird. Bei den beiden häufigsten Arten der Wortbildung, Komposition und Derivation, wird ja umgekehrt bei der Bildung neuer Wörter in der Regel etwas hinzugefügt.
Kurzwörter hingegen benötigen eine synchron bestehende Langform, von der sie sich semantisch weitestgehend nicht unterscheiden. Dabei sind sie die einzigen Wortbildungsprodukte, die ausschließlich durch den Prozess der Kürzung aus anderen bedeutungsäquivalenten Wortschatzelementen entstehen. In Bezug auf ihre lexikalische Bedeutung sind Kurzwörter also primär keine Neuschöpfungen, sondern sie geben bekannte und schon sprachlich geprägte Inhalte in "geraffter phonemischer Form" wieder, d.h. Kürzung basiert lediglich auf der Formseite, nicht auf der inhaltlichen Seite.
Obwohl Kurzwörter also Dubletten ihrer Langformen sind, können sie insofern als eigenständige Wörter bezeichnet werden, da "neue" Wörter entstehen, wenn sich Ausdrucksseiten wandeln und mitunter auch funktionale und stilistische Veränderungen eintreten. In diesem Zusammenhang sei auf Steinhauer verwiesen, die anmerkt, dass es vom Kurzwort SMS inzwischen eine verbale Ableitung gibt: simsen, d.h. eine SMS verschicken. Der Genuswechsel zwischen der maskulinen Langform Short Message Service und der Kurzform die SMS unterstreicht dabei die Eigenständigkeit einiger Kurzwörter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einführung in die Relevanz von Kurzwörtern als sprachökonomisches Mittel in der modernen deutschen Sprache und Skizzierung des Untersuchungsrahmens.
2. Das Kurzwort im Deutschen: Detaillierte Betrachtung der historischen Entwicklung, der linguistischen Eigenschaften und der systematischen Typologie von Kurzwörtern.
3. Andere Formen lexikalischer Kürzung: Abgrenzung von Kurzwörtern zu anderen Phänomenen wie Abkürzungen, Wortkreuzungen und Suffigierungen zur formalen Präzisierung.
4. Verwendung von Kurzwörtern am Beispiel einer Tageszeitung: Praktische Analyse der Verwendungsweisen von Kurzwörtern im Sport- und Wirtschaftsteil einer Tageszeitung.
5. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Kurzwörtern als sprachliche Bereicherung und Mittlerrolle zwischen Fach- und Alltagskommunikation.
Schlüsselwörter
Kurzwort, Wortbildung, Sprachökonomie, Initialkurzwort, Langform, Lexikalisierung, Sprachwandel, Tageszeitung, Fachsprache, Wortkreuzung, Abkürzung, Semantik, Typologie, Sprachgebrauch, Wortschatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung von Kurzwörtern im modernen Deutschen, deren Bildungsprozessen sowie ihrer praktischen Verwendung in verschiedenen Kommunikationsbereichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Definition und Klassifizierung von Kurzwörtern, ihre Abgrenzung zu anderen Kürzungsmethoden sowie eine empirische Betrachtung ihrer Nutzung in Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionen von Kurzwörtern zu klären, ihre Bedeutung als sprachökonomisches Werkzeug zu belegen und ihre Verwendungsgewohnheiten anhand konkreter Beispiele aus der Presse zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden theoretische Konzepte zur Wortbildung erarbeitet und mit einer exemplarischen, inhaltsanalytischen Untersuchung von Zeitungsartikeln kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Typologisierung von Kurzwörtern, eine Abgrenzung zu ähnlichen Kürzungstypen sowie eine qualitative Analyse der Verwendung von Kurzwörtern in Sport- und Wirtschaftstexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachökonomie, Kurzwortbildung, Lexikalisierung und mediale Verwendung charakterisieren.
Was unterscheidet ein Kurzwort von einer reinen Abkürzung?
Im Gegensatz zu Abkürzungen, die nur in der Schriftsprache existieren, werden Kurzwörter wie eigenständige Wörter ausgesprochen und flektiert.
Warum spielt die Sprachökonomie bei der Entstehung von Kurzwörtern eine Rolle?
Kurzwörter dienen der Informationsökonomie, indem sie komplexe und mehrsilbige Ausdrücke verkürzen, um Kommunikation schneller, einfacher und einprägsamer zu gestalten.
Welche Besonderheiten gibt es bei der Verwendung in der Wirtschaftssprache?
In der Wirtschaftssprache tragen Kurzwörter zur Etablierung von präzisen Fachbezeichnungen bei und dienen oft dazu, komplexe Institutionen oder Produkte effizient zu benennen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Das Kurzwort im Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159613