Internationale Beziehungen sind nicht nur ein Phänomen der Neuzeit, sondern waren schon im Altertum keine Seltenheit. So war auch das ägyptische Großreich, das im Neuen Reich unter Amenophis III. seine Blütephase erlebte in vielschichtige diplomatische Verbindungen mit seinen Nachbarreichen und Vasallen eingebunden. Naben den syrischen Fürstentümern, den Königreichen Mitanni und Babylon unterhielt man dabei auch Beziehungen zum ägäischen Raum, wo sich seinerzeit die Reiche der Minoer und Mykener befanden.
Dies stellt einen sehr interessanten Befund dar, denn bisweilen ist man in vielen Bereichen immer noch geneigt, die großen Kulturen des Altertums, sei es die des alten Ägyptens, die Mesopotamiens oder die der Ägäis, zumeist nur für sich zu betrachten. Dabei bekunden die anhand von zahlreichen Funden nachweisbaren Beziehungen einen regen Austausch, der sich neben dem reinen Güterverkehr auch in dem Transport von kulturellen Eigenarten manifestiert, wie etwa von stilistischen Einflüssen in der Kunst.
Der vorliegende Text soll nun einen Blick auf die einzig in der Zeit von Amenophis III. nachweisbare verstärkte Beziehung Ägyptens zum ägäischen Raum werfen. Dabei wird zum einen auf die Regierungszeit Amenophis III. eingegangen, die auch einen Höhepunkt des diplomatischen Austauschs darstellt. Weiter wird auf die Belege eingegangen, die mit der Ägäis in Verbindung stehen und so möglicherweise Auskunft zu einer Beziehung geben, die bis in die Amarnazeit einen florierenden Handelsverkehr ermöglichte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Zeit Amenophis III.
Die verstärkten Beziehungen zur Ägäis unter Amenophis III.
Die Ägäische Liste im Totentempel Amenophis III.
Wie gelangten die Objekte in die Ägäis?
Objekte in Mykene gefunden
Die Funde
Mykenische Objekte in Ägypten
Verzeichnis der Namen aus der ägäischen Liste
Verzeichnis der Abbildungen
Chronologie
Literatur
Bildnachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die intensivierten diplomatischen und handelspolitischen Verbindungen zwischen dem ägyptischen Großreich unter Amenophis III. und dem ägäischen Raum, wobei insbesondere die Funde im Totentempel des Pharaos als zentrales Analyseobjekt dienen.
- Regierungszeit und Politik Amenophis III.
- Die Ägäische Liste in Kom el-Hattan
- Archäologische Funde mykenischer Artefakte in Ägypten
- Ägyptische Fundstücke im ägäischen Raum
- Bewertung diplomatischer vs. rein kommerzieller Kontakte
Auszug aus dem Buch
Die Ägäische Liste im Totentempel Amenophis III.
Einer der wichtigsten Belege für die Beziehungen zwischen Ägypten und der Ägäis unter Amenophis III. stellt die in seinem Totentempel in Kom el-Hattan (Theben-West, nahe dem Tal der Könige) gefundene Ägäische Liste dar. Vom Totentempel des Königs selbst sind nur noch wenige Spuren erhalten, da er wie bereits erwähnt von einem Erdbeben zerstört und später als Steinbruch genutzt wurde. In der Nordwest Ecke des Tempels befinden sich allerdings noch fünf Statuenbasen, die ursprünglich zu einer Reihe von insgesamt zehn Statuen gehörten, die knapp überlebensgroß gewesen sein dürften. Die fünf südlichen Figuren, von denen heute nichts mehr erhalten ist, trugen auf ihren Sockeln wohl die Nennung der Länder des Südens.
Auch von den noch erhaltenen nördlichen Figuren sind einzig die aus dem Stein modellierten Füße und der Sockel erhalten. Jede der Basen trägt Inschriften, die Edel (1966) als An-En bezeichnet, die eine Reihe von Ortsnamen (Toponyme) in einer horizontal verlaufenden Kolumne nennen. Front und Seiten der Sockel werden von dieser Darstellung eingenommen. Jedes Toponym besteht aus Hieroglyphen, die von einem Oval mit ausgeformten Außenseiten umschlossen werden. Sie werden von einem gefesselten Gefangenen begleitet. Jedes Oval gibt dabei den Namen von Ländern oder Regionen wieder, die unter Amenophis III. mit Ägypten in Kontakt standen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Überblick über die diplomatischen Beziehungen Ägyptens im Neuen Reich unter Amenophis III. zu seinen Nachbarreichen und der Ägäis.
Die Zeit Amenophis III.: Darstellung der Regierungszeit, der Titulatur, der Familie und des monumentalen Bauprogramms des Pharaos.
Die verstärkten Beziehungen zur Ägäis unter Amenophis III.: Analyse des regen Warenaustauschs und der politischen Kontakte zwischen Ägypten und den Reichen der Minoer und Mykener.
Die Ägäische Liste im Totentempel Amenophis III.: Detaillierte Untersuchung der in Kom el-Hattan gefundenen Liste ägäischer Ortsnamen als historisches Zeugnis.
Wie gelangten die Objekte in die Ägäis?: Diskussion über die Natur der Handels- oder Diplomatenrouten, die ägyptische Fundstücke in den ägäischen Raum brachten.
Objekte in Mykene gefunden: Dokumentation und Interpretation der in Mykene entdeckten ägyptischen Fayenceplaketten und Skarabäen.
Die Funde: Spezifizierung der Kontexte und Fundumstände der ägyptischen Artefakte in mykenischen Siedlungen.
Mykenische Objekte in Ägypten: Betrachtung mykenischer Keramikfunde im Palast von Malkatta und in Amarna.
Verzeichnis der Namen aus der ägäischen Liste: Auflistung und Identifizierung der in der Ägäischen Liste genannten Orte.
Verzeichnis der Abbildungen: Zusammenstellung des Bildmaterials der Arbeit.
Chronologie: Tabellarische Aufarbeitung der helladischen, minoischen und ägyptischen Epochen zur zeitlichen Einordnung.
Literatur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Sekundärquellen.
Bildnachweis: Auflistung der Quellen für das verwendete Bildmaterial.
Schlüsselwörter
Amenophis III., Ägäische Liste, Kom el-Hattan, Ägypten, Ägäis, Mykener, Minoer, Diplomatie, Handel, Totentempel, Pharao, Fayenceplaketten, Skarabäen, Neue Reich, Toponyme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die archäologisch belegten diplomatischen und wirtschaftlichen Kontakte zwischen dem ägyptischen Großreich unter Amenophis III. und der ägäischen Welt der späten Bronzezeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Interpretation der sogenannten Ägäischen Liste, der Austausch von Luxusgütern, die Regierungszeit Amenophis III. sowie die Analyse ägyptischer Importe in Mykene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, anhand der vorliegenden Funde zu bewerten, inwiefern die Kontakte zwischen Ägypten und der Ägäis über reinen Handelsverkehr hinausgingen und politischer Natur waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine archäologische Fundauswertung, die ikonographische Analyse von Reliefs und den Abgleich mit chronologischen Daten sowie der historischen Korrespondenz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Biografie des Königs, die detaillierte archäologische Dokumentation der Ägäischen Liste und die Analyse spezifischer Fundgruppen (Objekte in Mykene und mykenische Keramik in Ägypten).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ägäische Liste, Amenophis III., Mykenische Welt, Internationaler Handel der Spätbronzezeit, sowie die ägyptische Außenpolitik im Neuen Reich.
Was besagt die These zur Ägäischen Liste?
Die Liste gilt als singulär für Ägypten und dokumentiert Orte, mit denen das Reich des Pharaos während der Regierungszeit Amenophis III. in Kontakt stand; sie wird heute nicht mehr als rein posthum angebrachte Propaganda betrachtet.
Welchen Stellenwert hatte Königin Teje?
Teje wird als einflussreiche Hauptfrau dargestellt, die eine außergewöhnliche Rolle im diplomatischen Leben und im königlichen Kult einnahm, was durch zahlreiche Darstellungen und Korrespondenzen belegt ist.
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- Patrick Farsen (Author), 2010, Die verstärkten Beziehungen zwischen Ägypten und der Ägäis unter Amenophis III., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159554