Die Hausarbeit untersucht die Übersetzungsstrategien für literarische Namen in Elif Shafaks Roman „Der Bastard von Istanbul“. Im Fokus steht dabei die Analyse von 40 Anthroponymen hinsichtlich ihrer Übertragung vom Türkischen ins Deutsche. Anhand der Typologie von Poetonymen und den acht Wiedergabeverfahren nach Dietlind Krüger wird gezeigt, wie Übersetzerinnen zwischen Treue zum Autor und Verständlichkeit für den Leser abwägen. Die Studie leistet einen Beitrag zur deutsch-türkischen literarischen Onomastik und macht auf eine Forschungslücke im interkulturellen Namensgebrauch aufmerksam.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Formen und Funktionen von literarischen Namen
2.1 Die Typologie der Poetonyme
2.2 Die Funktion der Poetonyme
3. Die Wiedergabeverfahren der literarischen Namen in Elif Shafaks Der Bastard von Istanbul
3.1 Korpus, Methodik und Erwartungen
3.2 Die acht Wiedergabeverfahren von Namen
3.2.1 Beibehaltung/Treue zum Autor
3.2.2 Veränderung/Treue zum Leser
3.3 Die quantitative Auswertung der Analyse
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wiedergabeverfahren literarischer Eigennamen bei der Übersetzung von Elif Shafaks Roman "Der Bastard von Istanbul" aus dem Türkischen ins Deutsche. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Strategien bei der Übertragung türkischer und armenischer Namen angewendet wurden und inwiefern diese die Identifizierbarkeit und Interpretation der Figuren für die deutsche Leserschaft beeinflussen.
- Analyse der Typologie und Funktionen literarischer Namen (Poetonyme).
- Methodische Erfassung von Übersetzungsstrategien für Eigennamen nach Dietlind Krüger.
- Untersuchung der Unterschiede in der Behandlung türkischer vs. armenischer Namen.
- Quantifizierung der angewandten Übersetzungsverfahren (z. B. Unveränderte Übernahme, Umschrift, Metonomasie).
- Bewertung des Einflusses der Namenswahl auf die Rezeption des Romans im deutschsprachigen Raum.
Auszug aus dem Buch
Die Typologie der Poetonyme
Es werden vier Arten von literarischen Namen unterschieden: redende/sprechende, klassifizierende, klangsymbolische sowie verkörperte Namen.
Redende / Sprechende Namen. Die erste Untergruppe von literarischen Namen sind die redenden Namen. Birus (Vgl. [1978], 34) behauptet, dass durch diese Namen Rückschlüsse auf das Wesen der Figur geschlossen werden können. Hierbei machen Autoren von „Wortspiele[n] oder ähnliche[n] spezielle[n] Kontextbildungen“ (Ebd.) Gebrauch und diese Namen sind somit durch einen gewissen Grad an Transparenz und Personenbeschreibung/-darstellung gekennzeichnet (Vgl. Debus [2012], 207). Redende Namen sind in Elif Shafaks Roman eine Seltenheit. Das einzige mögliche Beispiel ist Rıza Selim Kazancı. Eine Interpretation für den zweiten Vornamen Selim ist der adjektivische Gebrauch, welcher ‚gesund‘ bedeutet (Vgl. Schimmel [1992], 18). Die Männer aus der Familie Kazancı sind bis auf eine Figur verstorben und in der erzählten Welt wird dies auch als Schicksal der männlichen Familienmitglieder beschrieben. Infolgedessen kann dieser Name als redender Name eingeordnet werden, welcher ironisch gemeint ist.
Klassifizierende Namen. Klassifizierende Namen ordnen die Figuren „aufgrund von religiös, national, sozial oder aber literarisch bedingten Namengebungs konventionen einer bestimmten Gruppe“ (Birus [1978], 37) zu. Birus ([1988], 45) ergänzt den letzten Aspekt seiner Aufzählung und erklärt, dass es um „männliche vs. weibliche, christliche vs. muslimische, Adels- vs. Domestikennamen“ geht, wobei diese Dichotomien lediglich Beispiele sind. Debus ([2012], 208) umfasst auch „geographisch-regionale oder zeitabhängige, modische Aspekte“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsfeld der literarischen Onomastik ein und stellt die Relevanz der Untersuchung von Namensübersetzungen am Beispiel von Elif Shafaks Roman dar.
2. Die Formen und Funktionen von literarischen Namen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, indem es die Typologie und die verschiedenen Funktionen von Namen in der Literatur definiert.
3. Die Wiedergabeverfahren der literarischen Namen in Elif Shafaks Der Bastard von Istanbul: Hier werden das Korpus und die methodischen Ansätze vorgestellt, die acht spezifischen Wiedergabeverfahren detailliert analysiert und die Ergebnisse quantitativ ausgewertet.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Treue zum Autor durch unveränderte Übernahme dominiert, wobei Unterschiede zwischen türkischen und armenischen Namen die Lesbarkeit beeinflussen.
Schlüsselwörter
Literarische Onomastik, Poetonyme, Namensübersetzung, Elif Shafak, Der Bastard von Istanbul, Wiedergabeverfahren, Beibehaltung, Metonomasie, Anthroponyme, Transkription, Literaturübersetzung, Onomastik, Sprachvergleich, Türkisch, Armenisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse, wie Eigennamen aus dem Türkischen in die deutsche Übersetzung des Romans "Der Bastard von Istanbul" von Elif Shafak übertragen wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die theoretische Klassifizierung literarischer Namen (Poetonyme), die Strategien der Übersetzung von Eigennamen und die Untersuchung der kulturellen Identität der Figuren durch ihre Namen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Übersetzer mit den Herausforderungen umgehen, kulturell markierte Namen so zu übertragen, dass sie für ein deutschsprachiges Publikum verständlich bleiben, ohne ihre ursprüngliche Funktion oder Bedeutung zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine korpusbasierte Analyse durchgeführt, bei der 40 identifizierte Anthroponyme anhand der von Dietlind Krüger entwickelten acht Wiedergabeverfahren kategorisiert und quantitativ ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Onomastik, die Vorstellung des Korpus und die detaillierte Darstellung der Übersetzungsstrategien (z. B. Beibehaltung vs. Veränderung) anhand von Fallbeispielen aus dem Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Literarische Onomastik, Poetonyme, Namensübersetzung, Übersetzungsstrategien, Anthroponyme und die spezifische Analyse des Romans von Elif Shafak.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen türkischen und armenischen Namen eine Rolle?
Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da im Roman unterschiedliche politische und soziale Einstellungen mit der Herkunft der Figuren verknüpft sind, was der Übersetzerin bei der Namenswahl besondere Aufmerksamkeit abverlangte.
Welche Rolle spielt die "Metonomasie" bei der Namensübersetzung in diesem Roman?
Die Metonomasie dient als Strategie, um Bedeutungsinhalte des Namens über Wortverbindungen oder Erklärungen in der Zielsprache zugänglich zu machen, wenn eine einfache Übernahme nicht ausreicht, um das Verständnis der Figur zu gewährleisten.
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- Anonym (Autor:in), 2016, Die Übersetzung literarischer Namen aus dem Türkischen ins Deutsche, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1594559