Natürliche Sprachen wie das Deutsche sind keine homogenen, sondern heterogene Systeme, d.h. sie sind nicht einheitlich, sondern vielfältig gegliedert. So gibt es im Deutschen zwar eine als allgemein anerkannte Standardsprache, aber eben nicht die eine Sprache.
Der Fokus dieser Arbeit richtet sich dabei auf die Sprache in der Politik und ihre Vermittlung. Zu diesem Zweck wird die Plenarrede des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel anlässlich der Generaldebatte zum Entwurf des Bundeshaushaltes 2011 am 15. September 2010 im Deutschen Bundestag sprachlich und sprachwissenschaftlich untersucht. Insbesondere sprachliche Mechanismen der Appellation und Persuasion werden dazu an ausgewählten Beispielen aus Gabriels Rede analysiert und erläutert.
Den Schluss dieser Arbeit bildet ein analysierendes Fazit, in dem auch auf die langläufige Kritik an der Sprache von Politikern eingegangen wird. Dabei wird deutlich, dass die Sprache in der Politik als eine inszenierte Form der Kommunikation zu verstehen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Thematische Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
3 Zur Varietät der deutschen Sprache
3.1 Standardsprache und funktionale Varietäten
3.2 Inszenierung von Varietäten in der politischen Sprache
4 Die Sprache in der Politik und ihre Vermittlung am Beispiel der Plenarrede Sigmar Gabriels anlässlich der Generaldebatte zum Bundeshaushalt 2011
4.1 Kontext und Bedeutung der Plenarrede
4.2 Strategischer Sprachgebrauch in der Politik
4.2.1 Sprachliche Mechanismen der Appellation und Integration
4.2.2 Sprachliche Mechanismen der Persuasion
5 Zusammenfassung: Sprache in der Politik als inszenierte Form der Kommunikation
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die spezifischen Funktionen und Wirkungsweisen politischer Sprache anhand einer exemplarischen Analyse einer Plenarrede von Sigmar Gabriel im Deutschen Bundestag zu untersuchen. Dabei wird analysiert, wie politische Akteure durch den strategischen Einsatz sprachlicher Mittel rhetorische Ziele verfolgen und wie sich der parlamentarische Diskurs als inszenierte Form der Kommunikation gestaltet.
- Die Analyse der Sprache in der Politik als funktionale Varietät.
- Die Untersuchung rhetorischer Strategien wie Appellation und Persuasion.
- Die Einordnung der politischen Kommunikation in ihren situativen und institutionellen Kontext.
- Die Analyse der Mehrfachadressierung und Polarisierung als Mittel der politischen Auseinandersetzung.
- Die Reflexion über Macht, Inszenierung und Authentizität in der politischen Rhetorik.
Auszug aus dem Buch
Sprachliche Mechanismen der Persuasion
Politische Sprache wirkt aber nicht nur integrativ, sondern auch rhetorisch, d.h. sie ist auf Überzeugung angelegt. Dabei können unter den Begriff der Persuasion verschiedene sprachliche Handlungen wie argumentieren, informieren und erklären untergeordnet werden. Da Plenarreden über Zusammenfassungen an eine breite Öffentlichkeit gelangen, sind persuasive Effekte inhaltlich bedingt, rhetorische Ästhetik ist eher nachrangig.
Insofern versucht Gabriel den Zuhörer im Verlauf seiner Rede an die Leine der eigenen Argumentationsführung zu binden: Der kommunikative Verlauf seiner Rede besteht zum einen aus analytisch-erklärenden und zum anderen aus argumentativ-empfehlenden Elementen, die darauf zielen, den Adressatenkreis sowie die öffentliche Meinung zu überzeugen. Gabriels persuasiver Sprachmodus ist hierbei von einer spezifischen Auffälligkeit geprägt: er ist kritisierend und nachdrücklich fordernd. Er wählt dazu eine Sprache, die mit bildhaften Vergleichen arbeitet, so etwa bei den folgenden Beispielen, bei denen teilweise auch gezielt Emotionen angesprochen werden:
• „Ausgerechnet in einer Zeit, wo wir Wachstum im Inland vergrößern müssen, (…) legt diese Bundesregierung die Axt an die erfolgreichsten Mittelstandsprogramme [die Gebäudesanierung und die Städtebauförderung; Anm. d. Verf.], die wir bislang hatten“ (GABRIEL 2010: II).
• Wenn die Bundesregierung wirklich glaube, den vier großen Stromkonzernen die Förderung der Unternehmen der Erneuerbaren Energien anzuvertrauen, dann würden sie - so Gabriel - vermutlich auch glauben, „dass man Gänse vom Sinn von Weihnachten überzeugen kann“ (GABRIEL 2010: VIII).
• Ebenso äußert er sich negativ über die Arbeit und den Zustand der derzeitigen Bundesregierung, gegen die „ein Kinderladen der 68er so diszipliniert wie eine preußische Kadettenanstalt“ (GABRIEL 2010: X) sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Thematische Einleitung: Diese Einleitung führt in die Heterogenität natürlicher Sprachen ein und bestimmt die Sprache in der Politik als Untersuchungsgegenstand, wobei der Fokus auf deren spezifischen Funktionen statt auf einer rein beschreibenden Varietätenanalyse liegt.
2 Theoretische Grundlagen: Hier wird das Spannungsverhältnis zwischen Sprache und politischem Handeln erörtert und die Notwendigkeit aufgezeigt, politische Sprache als Instrument der Machtausübung und zur Legitimierung politischer Ziele zu verstehen.
3 Zur Varietät der deutschen Sprache: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Standardsprache und grenzt funktionale Varietäten, wie die Sprache in der Politik, als spezifische, situativ bedingte Sprachformen innerhalb des deutschen Varietätenraums ab.
4 Die Sprache in der Politik und ihre Vermittlung am Beispiel der Plenarrede Sigmar Gabriels anlässlich der Generaldebatte zum Bundeshaushalt 2011: Das Hauptkapitel analysiert die konkrete Rede Gabriels, ordnet diese in den Kontext ein und untersucht strategische sprachliche Mechanismen, insbesondere Appellation, Integration und Persuasion.
5 Zusammenfassung: Sprache in der Politik als inszenierte Form der Kommunikation: Das Fazit fasst zusammen, dass politische Kommunikation zwangsläufig inszeniert und persuasiv ist, da sie in einem wettbewerbsorientierten parlamentarischen Umfeld zur Profilierung und Mehrheitsbildung genutzt wird.
Schlüsselwörter
Politische Sprache, Plenarrede, Sigmar Gabriel, Rhetorik, Persuasion, Appellation, Integration, Varietät, Politische Kommunikation, Parlamentarismus, Strategischer Sprachgebrauch, Polarisierung, Diskurs, Macht, Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die spezifischen Funktionen und rhetorischen Strategien der Sprache von Politikern, wobei sie den Fokus auf die inszenierte und strategische Natur dieser Sprachvarietät legt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Einordnung der Politikersprache in das Konzept der funktionalen Varietäten, die Analyse von Überzeugungs- und Integrationsmechanismen sowie die Rolle des institutionellen Kontexts bei parlamentarischen Reden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, welche spezifischen Funktionen Sprache in der Politik einnimmt und wie politische Akteure durch den Einsatz rhetorischer Mittel, wie etwa Appellation und Persuasion, ihre Ziele verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine sprachwissenschaftliche Analyse einer konkreten Plenarrede angewandt, die den situativen Kontext und die strategischen rhetorischen Verfahren des Redners in den Mittelpunkt stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird eine Plenarrede von Sigmar Gabriel analysiert, wobei insbesondere die Mechanismen der Appellation, der Integration und der Persuasion unter Berücksichtigung des politischen Kontextes untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen Politische Sprache, Plenarrede, Persuasion, Strategischer Sprachgebrauch und Politische Kommunikation.
Warum wurde Sigmar Gabriel als Beispiel gewählt?
Sigmar Gabriel dient als Beispiel für einen Redner in einer spezifischen parlamentarischen Situation (Generaldebatte), an der sich die strategische Nutzung von Sprache, Polarisierung und der Druck zur Selbstdarstellung besonders gut aufzeigen lassen.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Politik und Sprache?
Der Autor versteht Sprache nicht nur als Instrument der Politik, sondern als Bedingung ihrer Möglichkeit, wobei sie im parlamentarischen Diskurs primär auf Image-Werbung, Machtausübung und Persuasion ausgerichtet ist.
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- Anonym (Author), 2010, Die Sprache in der Politik und ihre Vermittlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159448