Als eine Begleiterscheinung der Globalisierung und der dadurch bedingten Verbindung verschiedener Wirtschaftsräume gilt die zunehmende Entstehung nationaler wie internationaler Großkonzerne. Damit einher geht ein enormer Kapitalbedarf, der nicht mehr allein von den nationalen Finanzmärkten abgedeckt werden kann, sondern einer Unterstützung durch internationale Kapitalmärkte bedarf. Die Konzerne befinden sich dabei gegenseitig im Wettbewerb um Kapitalgeber. Investoren fordern deshalb für ihre Anlageentscheidung eine Rechnungslegung, die internationalen Standards entspricht und die vor allem zukunftsorientierte, entscheidungsrelevante Informationen enthält.
Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Funktion des externen Rechnungswesens weiterentwickelt. Zählte früher die Dokumentation aller vergangenen Vorgänge sowie die Bemessung der Steuerschuld und der Ausschüttung zur Hauptaufgabe des externen Rechnungswesens, so besteht heutzutage das vordergründige Ziel in der Vermittlung von anlegerbezogenen, wertorientierten und entscheidungsrelevanten Informationen. Dies wird als Übergang vom financial accounting zum business bzw. value reporting bezeichnet. Dieser Wandel zeigt sich auch anhand der Instrumente des Rechnungswesens. Durch die Einführung des Lageberichts im Aktiengesetz von 1965 (AktG 1965) sowie nachfolgenden Gesetzesänderungen hat der Gesetzgeber diese Entwicklung berücksichtigt und auf diesem Wege ein eigenständiges Medium geschaffen, welches im Kontrast zur Bilanz und GuV steht. Während es sich bei Letzteren vor allem um vergangenheitsorientierte Rechenwerke handelt, enthält der (Konzern-)Lagebericht investitionsrelevante Informationen über nicht finanzielle Größen und die zukünftige Entwicklung des Unternehmens.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst die Grundlagen der (Konzern-) Lageberichterstattung zu erläutern, bevor im zweiten Abschnitt eine empirische Analyse der Risikoberichterstattung durchgeführt wird, wobei aufgezeigt werden soll, in welchem Maße die Berichterstattung den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der (Konzern-)Lageberichterstattung
2.1 Historie des (Konzern-)Lageberichts
2.1.1 Ursprung der (Konzern-)Lageberichterstattung
2.1.2 Das Aktiengesetz von 1965
2.1.3 Das Bilanzrichtliniengesetz
2.1.4 Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
2.1.5 Das Bilanzrechtsreformgesetz und weitere Änderungen
2.1.6 Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
2.1.7 Zusammenfassung
2.2 Funktion der (Konzern-)Lageberichterstattung
2.2.1 Die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernlageberichts
2.2.2 Zweck der (Konzern-)Lageberichterstattung
2.2.2.1 Die Verdichtungsaufgabe
2.2.2.2 Die Ergänzungsfunktion
2.2.2.3 Die Rechenschaftsfunktion
2.2.3 Abgrenzung des Konzernlageberichts vom Konzernabschluss
2.2.4 Adressatenkreis des Konzernlageberichts
2.3 Gesetzliche Regelungen zur Konzernlageberichterstattung
2.3.1 Vorschriften des Handelsgesetzbuches
2.3.1.1 Der Unterschied zwischen § 289 HGB und § 315 HGB
2.3.1.2 Zusammengefasster Konzernlagebericht nach § 315 Abs. 3 HGB
2.3.1.3 Das Verhältnis von § 315 Abs. 1 HGB zu § 315 Abs. 2 HGB
2.3.2 Grundsätze ordnungsmäßiger Lageberichterstattung
2.3.2.1 Der Grundsatz der Vollständigkeit
2.3.2.2 Der Grundsatz der Richtigkeit
2.3.2.3 Der Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit
2.3.2.4 Weitere Grundsätze
2.3.3 Die Deutschen Rechnungslegungsstandards
2.3.3.1 Stellung der deutschen Rechnungslegungsstandards
2.3.3.2 Der deutsche Rechnungslegungsstandard 15
2.4 Inhalt des Konzernlageberichts
2.4.1 Perspektive der Konzernlageberichterstattung
2.4.2 Überblick über die verschiedenen Berichtsteile
3 Empirische Analyse der Risikoberichterstattung der DAX-30-Konzerne
3.1 Darstellung der Vorgehensweise
3.2 Untersuchungsergebnisse
3.2.1 Der Risikobericht
3.2.2 Formale Analyse
3.2.2.1 Bezeichnung und Stellung der Risikoberichte
3.2.2.2 Umfang der Risikoberichte
3.2.3 Inhaltliche Analyse
3.2.3.1 Angaben zu Einzelrisiken
3.2.3.2 Risikokategorisierung
3.2.3.3 Beurteilung und Erläuterung der Risiken
3.2.3.4 Darstellung des Risikomanagements
3.3 Kritische Würdigung der Ergebnisse
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Grundlagen der (Konzern-)Lageberichterstattung darzulegen und anschließend die Qualität der Risikoberichterstattung bei DAX-30-Konzernen empirisch zu analysieren, um zu prüfen, inwieweit diese den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
- Historische Entwicklung der (Konzern-)Lageberichterstattung
- Gesetzliche Anforderungen und Rechnungslegungsstandards (DRS 15)
- Funktionsweise und Adressaten des Konzernlageberichts
- Empirische Untersuchung der Risikoberichte der DAX-30-Unternehmen
- Kritische Würdigung der Praxis der Risikoberichterstattung
Auszug aus dem Buch
2.3.2.1 Der Grundsatz der Vollständigkeit
Nach diesem Prinzip wird von den Erstellern eine umfassende Berichterstattung gefordert, die alle zugänglichen Quellen der Informationsbeschaffung ausnützt. Eine Darstellung weniger ausgewählter Sachverhalte verstößt dabei gleichzeitig gegen das Vollständigkeitsgebot und den Grundsatz der Richtigkeit, da eine unvollständige Angabe nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen kann. Jedoch darf die Regel der Vollständigkeit nicht dahingehend ausgelegt werden, dass lückenlos über alle Sachverhalte im Konzernlagebericht zu berichten ist. Vollständigkeit bedeutet vielmehr, dass alle geforderten Berichtselemente des § 315 HGB im Bericht enthalten sind und dieser, ohne Rückgriff auf den Konzernabschluss, alle Informationen bereitstellt, die die Adressaten für die Beurteilung der Lage des Konzerns benötigen. Der Umfang der Berichterstattung richtet sich nach dem Wesentlichkeitsgrundsatz, d. h. dieser ist von der Relevanz eines Sachverhaltes abhängig. Die Bedeutung kann dabei je nach Größe, Branche oder wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens variieren. So wird in Krisenzeiten eine umfassendere und tiefgründigere Auskunft insbesondere über die Risiken und die zukünftige Entwicklung gefordert. Der Grundsatz sieht auch vor, dass Angaben, die im Vorjahresbericht oder auf eine andere Art und Weise veröffentlicht wurden, im Konzernlagebericht des aktuellen Jahres nicht entfallen dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung der Lageberichterstattung aufgrund der Globalisierung ein und definiert das Ziel der Arbeit, die theoretischen Grundlagen zu erörtern und eine empirische Analyse der Risikoberichterstattung durchzuführen.
2 Grundlagen der (Konzern-)Lageberichterstattung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung vom Geschäftsbericht zum heutigen (Konzern-)Lagebericht, dessen Funktionen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen im HGB sowie die relevanten Rechnungslegungsstandards.
3 Empirische Analyse der Risikoberichterstattung der DAX-30-Konzerne: In diesem Hauptteil wird die methodische Vorgehensweise zur empirischen Überprüfung der Risikoberichte von 25 DAX-Unternehmen erläutert, die Ergebnisse in formaler sowie inhaltlicher Hinsicht präsentiert und kritisch gewürdigt.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, darunter die Entwicklung des Lageberichts zu einem eigenständigen Berichtsinstrument und die identifizierten Schwächen bei der Risikoberichterstattung trotz bestehender gesetzlicher Vorschriften.
Schlüsselwörter
Lagebericht, Konzernlagebericht, Risikoberichterstattung, HGB, DAX-30, Rechnungslegungsstandards, DRS 15, BilMoG, Risikomanagement, Jahresabschluss, Geschäftsbericht, Kapitalmarkt, Bilanz, Publizität, Investoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Würdigung des Lageberichts gemäß HGB, wobei ein besonderer Fokus auf der Risikoberichterstattung von Großkonzernen liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Berichterstattung, deren gesetzliche Funktionen und Anforderungen sowie die praktische Umsetzung der Risikoberichterstattung in den DAX-30-Konzernen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Anforderungen an die Lageberichterstattung zu erläutern und durch eine empirische Analyse zu prüfen, inwieweit die Praxis bei DAX-30-Unternehmen diesen Anforderungen entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine inhaltsanalytische Untersuchung der Risikoberichte von 25 DAX-30-Konzernen des Geschäftsjahres 2009, um deren Form und Inhalt anhand der gesetzlichen Vorgaben und Standards zu vergleichen.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block zu den rechtlichen und normativen Grundlagen und einen empirischen Block, der formale und inhaltliche Aspekte der Risikoberichterstattung (z.B. Einzelrisiken, Risikokategorien) detailliert analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Lagebericht, Risikoberichterstattung, HGB, DAX-30, Rechnungslegungsstandards (DRS 15), Risikomanagement und Bilanzrechtsmodernisierung.
Wie bewertet der Autor die aktuelle Qualität der Risikoberichterstattung?
Die Bewertung fällt gemischt aus: Während die Form oft klar abgegrenzt ist, werden gravierende Mängel bei der Konkretisierung von Risiken mittels Eintrittswahrscheinlichkeiten und finanziellen Auswirkungen kritisiert.
Was schlägt der Autor zur Verbesserung der Risikoberichterstattung vor?
Der Autor empfiehlt eine präzisere und knappere inhaltliche Darstellung sowie die Einführung einer verpflichtenden Angabepflicht für Eintrittswahrscheinlichkeiten und finanzielle Auswirkungen, um die Ermessensspielräume der Unternehmen einzuschränken.
- Quote paper
- Sebastian Weins (Author), 2010, Der Lagebericht gemäß HGB. Die Risikoberichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159406