Unter dem Begriff „GreenBuilding“ finden sich bei der Internetsuchmaschine Google mit Stand Mai 2010 weltweit 7,1 Millionen Einträge. Die Aktualität dieses Themas hat in den letzten Jahren, auch aufgrund der vorherrschenden Klimadebatte, stark an
Präsenz gewonnen und ist in den Fokus der Öffentlichkeit getreten.
Was aber genau ist ein Green Building und was sind Green Building Zertifikate?
Eine einheitliche Definition zu diesem Thema ist nicht vorhanden. Grundsätzlich werden mit dem Begriff des „Green Building“ Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Immobilien und CO2 Einsparungen wahrgenommen. Ein Green Building Zertifikat dokumentiert dabei die ökologischen, wirtschaftlichen und
sozioökonomischen Eigenschaften eines Gebäudes.
Für Immobilieninvestoren stellt sich dabei die Frage, ob die kapitalintensiven Zusatzkosten für eine Gebäudezertifizierung eine primär ökologisch sinnvolle Investition ist oder ob es auch eine rentable ökonomische Kapitalanlage ist.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die gängigsten Zertifizierungssysteme mit ihren inhaltlichen Zielen und Bewertungsmustern geben. Durch das Vergleichen von
empirischen Erhebungen soll die Wirtschaftlichkeit von Gebäudezertifizierungen am deutschen Immobilienmarkt nachgewiesen werden und eine genaue Analyse über die ökonomischen Vorteile eines Green Building Zertifikats dargelegt werden. Anschließend soll ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und den Stellenwert
der Green Building Zertifikate am Immobilienmarkt aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
Abschnitt 1 Theoretische Grundlage von Zertifizierungssystemen
A. Entstehung von Zertifikaten
I. Zertifizierungssysteme
II. Inhalt der wichtigsten Zertifizierungssysteme
III. Ziele von Zertifizierungen
B. LEED
I. Zertifizierung nach LEED
II. Themenschwerpunkte
III. Kosten
C. BREEAM
I. Zertifizierung nach BREEAM
II. Themenschwerpunkte
III. Kosten
D. DGNB
I. Zertifizierung nach DGNB
II. Themenschwerpunkte
III. Kosten
E. Zertifizierungssysteme im direkten Vergleich
Abschnitt 2 Nachweisversuch der Ökonomie von Gebäudezertifizierungen
A. Staatliche Regulierungen
B. Welcher Investor hat Interesse an einem Green Building
I. CSR und SRI
C. Nachweis der ökonomischen Werthaltigkeit von Gebäudezertifikaten durch empirische Erhebungen
I. Kosteneffizienz
II. Qualitative Aufwertung
III. Ertragseffekte
D. Fallbeispiele
I. Banner Bank Building, Boise/Idaho
II. Vergleichsstudie Pokfulam Garden und Chi Fu Fa Yuen
III. JCI Power Solutions Headquaters, Hannover
a) Ergebnisse nach Zertifizierungssystem LEED
b) Ergebnisse nach Zertifizierungssystem DGNB
c) Grobkostenermittlung für eine Zertifizierung nach LEED und DGNB
Abschnitt 3 Analyse und Wertung
A. Marktkritische Hinterfragung der Zertifizierungssysteme
I. Geringe Transaktionsdaten
II. Das Agency-Problem
III. Amortisationszeitraum
IV. Das Richtlinien-Paradoxon
V. Bewertungsmöglichkeiten von zertifizierten Gebäuden
a) Bewertbarkeit ökonomischer Vorteile von Green Buildings
VI. Fehlende Definition
B. Abgrenzung eines „Green Building“ zu einem „nachhaltigen Green Building“
D. Nachhaltiges Immobilienmanagement als Unternehmenswert und Antreiber neuer Marktpotenziale
I. Messbare Vorteile für Investoren
E. Zusammenfassende Auswertung
I. Nachhaltige Immobilien als strategische Ressource
F. Zukünftige Entwicklung von Green Building Zertifikaten
I. Höhere Vergleichbarkeit durch länderübergreifende Organisationen
II. Green Buildings werden zum Standard
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Investitionen in Green Building Zertifikate für Immobilieninvestoren ökonomisch vorteilhaft sind. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Zertifizierungssystemen, der Identifizierung von Wertsteigerungsfaktoren und der Bewertung der Wirtschaftlichkeit mittels empirischer Erhebungen.
- Vergleich gängiger Zertifizierungssysteme (LEED, BREEAM, DGNB)
- Analyse ökonomischer Vorteile wie höhere Mieteinnahmen und Verkaufswerte
- Untersuchung von Kosten und Amortisationszeiträumen
- Erörterung von Marktkritik und institutionellen Investitionsanforderungen
Auszug aus dem Buch
A. Entstehung von Zertifikaten
Die Frage der Wirtschaftlichkeit von Immobilien und deren Anlagentechnik wird, insbesondere unter dem Druck sich verknappender Ressourcen, immer wichtiger. Die Grundlagen für effiziente und ökologische Gebäude werden bereits bei deren Planung und Dimensionierung festgelegt.8
Mit einer zunehmenden Verschärfung der globalen Rohstoffsituation und mit der steigenden öffentlichen Umweltdiskussion, wächst der Bedarf nach hochwertigen und nachhaltigen Gebäuden.9 Europaweit entfallen, je nach Land, zwischen 40% und 50% des Gesamtenergieverbrauchs auf Gebäude. Die meiste Energie wird dabei auf die Beheizung, Kühlung und Beleuchtung von Gebäuden verwendet10 Dadurch verursachen Immobilien 40 % der deutschen Treibhausemmissionen.11 Zu dem ist der globale Ölpreis in den letzten 10 Jahren um über 300% gestiegen (Anhang 1). Um die Energieeffizienz von Immobilien zu steigern gibt es Richtlinien12 von der Bundesregierung sowie den seit 2003 eingeführten Handel mit Emissionszertifikaten und Leitmarken von der Europäischen Union (Anhang 2). Diese entsprechen aber einer freiwilligen Basis und unterliegen keiner Kontrolle. 13
Darüber hinaus ist Deutschland von einer abnehmenden und alternden Bevölkerung sowie einer ungleichen, regionalen Bevölkerungsentwicklung geprägt.14 Diese vorabsehbare Entwicklung stellt an Immobilien die Anforderung einer gewissen Flexibilität der Umnutzbarkeit. Demnach verändern sich, durch eine dynamisch entwickelnde Gesellschaft, auch die Flächen- und Raumansprüche an eine Immobilie.
Zusammenfassung der Kapitel
Abschnitt 1 Theoretische Grundlage von Zertifizierungssystemen: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung von Zertifikaten, vergleicht LEED, BREEAM und DGNB und definiert deren inhaltliche Schwerpunkte sowie Kostenstrukturen.
Abschnitt 2 Nachweisversuch der Ökonomie von Gebäudezertifizierungen: Hier wird anhand empirischer Daten untersucht, ob sich Green Building Zertifikate ökonomisch auszahlen, ergänzt durch spezifische Fallbeispiele in den USA und Deutschland.
Abschnitt 3 Analyse und Wertung: Dieser Teil kritisiert bestehende Systeme hinsichtlich fehlender Transparenz und einheitlicher Definitionen, diskutiert das Agency-Problem und gibt einen Ausblick auf die strategische Rolle nachhaltiger Immobilien.
Schlüsselwörter
Green Building, Zertifizierungssysteme, LEED, BREEAM, DGNB, Immobilienwirtschaft, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Lebenszykluskosten, Rendite, Immobilieninvestitionen, CSR, SRI, Marktwert, Sanierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Green Building Zertifikate unter einer ökonomischen Perspektive, um zu klären, ob sie für Investoren eine rentable Kapitalanlage darstellen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Aspekte sind der Vergleich von Zertifizierungssystemen wie LEED, BREEAM und DGNB sowie die ökonomische Auswirkung auf Mieteinnahmen, Verkaufswerte und Betriebskosten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob Gebäudezertifizierungen einen ökonomischen Mehrwert für Immobilieninvestoren bieten oder primär ökologische und Marketingaspekte abdecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie dem Vergleich empirischer Daten und Studien, ergänzt durch eine vertiefende Fallstudie zu einem Bürokomplex in Hannover.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Systeme, den Nachweis der ökonomischen Werthaltigkeit durch Marktdaten und eine kritische Analyse aktueller Hemmnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Green Building, Nachhaltigkeitszertifikate, Lebenszykluskosten, Rendite, Energieeffizienz und Immobilienmanagement.
Warum spielt das "Agency-Problem" bei Green Buildings eine Rolle?
Es beschreibt das Dilemma, dass der Eigentümer in Nachhaltigkeitsmaßnahmen investieren muss, während der Mieter durch niedrigere Betriebskosten den primären finanziellen Nutzen daraus zieht.
Welche Rolle spielt die DGNB-Zertifizierung im Vergleich zu LEED oder BREEAM?
Die DGNB-Zertifizierung ist stärker auf deutsche Normen und den Lebenszyklusgedanken ausgerichtet und erfordert oft eine Mindestqualität über viele Themenfelder hinweg, während andere Systeme teils flexibler oder anders gewichtet sind.
- Arbeit zitieren
- Felix Hudasch (Autor:in), 2010, Green Buildings aus ökonomischer Sichtweise, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159279