Bis heute nicht in die deutsche Sprache übersetzt, stellt "Calculus of Consent" gemeinsam mit den frühen Arbeiten von Anthony Downs den Anfang einer neuen politikwissenschaftlichen Theorieschule dar. Die Public Choice-Theoretiker vertreten die Meinung, dass politische Vorgänge in einer Gesellschaft ähnlich funktionieren wie Mechanismen auf einem freien Markt. Bei beidem handele es sich rudimentär um den Ausgleich unterschiedlicher Befähigungen und divergierender Interessen unter Individuen. Buchanan & Tullock beschäftigt insbesondere, weshalb der Einzelne sich die Mühe macht, Verhandlungen mit Anderen auf sich zu nehmen und für den Konsens Teile seiner eigentlichen Forderungen zurückzieht.
In der folgenden Arbeit soll genauer beleuchtet werden, inwiefern es sinnvoll ist, das Suchen von Verhandlungen und Zusammenarbeit mit einer Aufwand-Nutzen-Rechnung erklären zu wollen. Dafür soll zunächst ein Blick auf das dem Kostenmodell zugrunde liegende Menschenbild geworfen werden, um dann die individuelle Motivation, wie sie Buchanan & Tullock begreifen, darzustellen. Ein nächstes Kapitel ist dem Kostenmodell selbst gewidmet. Hier werden die externen und die Entscheidungsfindungskosten gegenübergestellt, um am Ende die Vor- und Nachteile dieser ökonomischen Methode finden zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Das Menschenbild in The Calculus Of Consent
2.2 Kooperation als Gewinn
3. Das Kostenmodell in The Calculus Of Consent
3.1 Die externen Kosten
3.2 Die Entscheidungsfindungskosten
3.3 Die optimale Entscheidung
4. Vor- und Nachteil des Kostenmodells
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit einer ökonomischen Kosten-Nutzen-Analyse auf gesellschaftliche Entscheidungsprozesse, wie sie von Buchanan und Tullock in The Calculus of Consent vorgeschlagen wird, um kritisch zu hinterfragen, ob dieses Modell menschliches Miteinander hinreichend erklären kann.
- Das Menschenbild des Homo oeconomicus im Kontext politischer Theorien.
- Die theoretische Herleitung von Kooperation als rein nutzenmaximierendes Handeln.
- Die Analyse von externen Kosten und Entscheidungsfindungskosten.
- Die Suche nach der optimalen Entscheidung in Gruppen.
- Kritische Reflexion über die Grenzen rein ökonomischer Erklärungsmodelle für soziales Verhalten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die externen Kosten
Die angenommenen Vorteile einer Kooperation mit anderen Individuen liegen in der Minimierung der Kosten – im oben angesprochenen Sinne – die durch die individuellen Handlungen Anderer entstehen könnten. Da ohne Absprache nicht sicher sein kann, was von Mitmenschen erwartet werden darf, entspringt Kooperation deshalb dem Wunsch nach Sicherheit über die eigenen zukünftigen Lebensumstände. Dies kann dazu führen, dass eine Gruppe Entscheidungen trifft, die den Absichten einzelner Mitglieder dieser Gruppe widersprechen. Hat sich ein Individuum aber dazu entschlossen, Teil einer Gruppe zu sein, spricht das dafür, dass er die Sicherheit durch die Gruppe als langfristiges Interesse über einzelne kurzfristige Interessen gestellt hat.
Das Individuum wird somit bestreben, dass innerhalb einer Gruppe, deren Mitglied es ist, möglichst viele an allen Entscheidungen teilhaben müssen. Denn je mehr Individuen für die Entscheidungsfindung benötigt werden, desto geringer werden die externen Kosten ausfallen. Einstimmigkeit verhindert demnach mit absoluter Sicherheit das Entstehen von externen Kosten, da in diesem Fall kein Individuum die Gruppe eine Entscheidung treffen lässt, die schlecht für sie oder ihn ausfiele. Man kann sich darauf verlassen, dass die Gruppe nur im eigenen Sinne handeln wird. Das Gegenteil wäre, dass jeder Einzelne die Befugnis besitzt, für die gesamte Gruppe entscheiden und handeln zu dürfen. Es ist einleuchtend, dass dieses Extrem für kein Mitglied der Gruppe tragbar sein dürfte, da die Unsicherheit über das Handeln Anderer übermäßig groß wäre. Den Entscheidungen Anderer wehrlos ausgeliefert zu sein, wäre die Konsequenz. Wie die Kostenkurve in Grafik 1 deutlich macht, sinken daher die externen Kosten mit der wachsenden Mindestzahl an Entscheidern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Werk The Calculus Of Consent und die Fragestellung, ob politisches Verhalten sinnvoll durch eine Aufwand-Nutzen-Rechnung erklärt werden kann.
2. Grundlagen: Erörterung des zugrunde liegenden Menschenbildes des Homo oeconomicus und der Annahme, dass Kooperation primär dem individuellen Gewinn dient.
3. Das Kostenmodell in The Calculus Of Consent: Detaillierte Vorstellung des Modells, das externe Kosten und Entscheidungsfindungskosten gegenüberstellt, um das optimale Handlungsniveau zu bestimmen.
4. Vor- und Nachteil des Kostenmodells: Diskussion über die Reichweite und die Grenzen der ökonomischen Methodik bei der Erklärung hochkomplexer sozialer Vorgänge.
5. Schlussbemerkung: Kritische Würdigung des Modells, die zu dem Ergebnis kommt, dass die ökonomische Logik allein nicht ausreicht, um menschliches Zusammenwirken vollständig zu erfassen.
Schlüsselwörter
The Calculus Of Consent, James M. Buchanan, Gordon Tullock, Public Choice, Homo oeconomicus, Kostenmodell, externe Kosten, Entscheidungsfindungskosten, Konsens, Kooperation, ökonomische Theorie, politische Prozesse, rationale Entscheidung, Nutzenmaximierung, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Kostenmodell von Buchanan und Tullock aus ihrem Werk The Calculus of Consent und prüft dessen Eignung, gesellschaftliche Interaktionen zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das individualistische Menschenbild, die ökonomische Theorie der Politik, das Aushandeln von Konsens und die Modellierung von Kosten bei kollektiven Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob eine rein ökonomische Kosten-Nutzen-Logik ausreicht, um das Miteinander in einer Gesellschaft wissenschaftlich adäquat zu beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und theoretische Analyse, um die im Buch verwendeten markt- und rationaltheoretischen Ansätze zu beleuchten und zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen (Menschenbild und Kooperation), die mathematisch-logische Herleitung des Kostenmodells und die Diskussion von dessen Vor- und Nachteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Public Choice, Kosten-Nutzen-Rechnung, Nutzenmaximierung, Entscheidungsfindungskosten und externe Kosten.
Warum wird die Einstimmigkeit im Modell von Buchanan und Tullock problematisiert?
Obwohl Einstimmigkeit externe Kosten minimiert, führt sie zu enorm hohen Entscheidungsfindungskosten, da der Zeitaufwand für Verhandlungen mit einer wachsenden Zahl an Akteuren drastisch ansteigt.
Wie bewertet der Autor die Übertragbarkeit des Modells auf politische Akteure wie Regierungen?
Der Autor zeigt auf, dass man das Modell zwar abstrakt auf Regierungen (z.B. bei internationalen Verhandlungen) anwenden kann, dies jedoch die Gefahr birgt, komplexe politische Beweggründe zu stark auf eine reine Ertragsmaximierung zu verkürzen.
Inwiefern sehen die Autoren des Modells die Diktatur?
Die Autoren klammern die Diktatur weitgehend aus, da ihr Modell darauf abzielt, die freiwillige Kooperation von Individuen in einem demokratischen Rahmen zu erklären.
- Quote paper
- Florian Schippmann (Author), 2009, Das Kostenmodell aus "The Calculus of Consent" und seine Möglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159270