In meiner Hausarbeit zu Ingeborg Bachmanns Kurzgeschichte „Ihr glücklichen Augen“ habe ich anhand meiner selbstgewählten Themenstellung „Die Parallelen von sehen und lieben“ die Textanalyse im Sinne von Martinez und Scheffel erarbeitet. Dabei habe ich mich während der gesamten Arbeit auf „Einführung in die Erzähltheorie“ bezogen.
Gegliedert habe ich meine Arbeit in vier Hauptteile, die jeweils Unterpunkte beinhalten.
Dabei gehe ich zunächst auf den Aufbau ein, der einen Überblick über die Struktur der Erzählung geben soll.
Der nächste Teil ist der Zeit gewidmet, in welcher Reihenfolge, über welchen Zeitraum und in welchen Frequenzen erzählt wird.
Im dritten Punkt soll der Modus der Geschichte dargestellt werden: Die Distanz, die durch den Erzählstil bestimmt wird, und die Fokalisierung, d.h. welchen Blickwinkel der Erzähler der Geschichte einnimmt.
Der letzte Punkt ist die Stimme. Dieses Kapitel handelt vom Zeitpunkt, dem Ort, der Stellung und der Sprechsituation des Erzählten.
Im Resumée habe ich die Ergebnisse meiner Arbeit zusammengefasst und mich noch mal besonders mit dem Sekundärtext „Ingeborg Bachmanns Ihr glücklichen Augen. Eine Fallstudie zum Interpretationsverfahren“ von Robert Pichl auseinandergesetzt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Aufbau
1.1 Titel
1.2 Szenen
2. Zeit
2.1 Ordnung
2.2 Dauer
2.3 Frequenzen
3. Modus
3.1 Distanz
3.2 Fokalisierung
4. Stimme
Resumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Ingeborg Bachmanns Kurzgeschichte „Ihr glücklichen Augen“ im Hinblick auf das zentrale Leitmotiv des Sehens und dessen enge Korrelation mit der emotionalen Verfassung und den zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonistin Miranda. Die Forschungsfrage widmet sich der Frage, inwieweit das Sehen – symbolisiert durch den Brillenbesitz – als Gradmesser für Mirandas Lebenslage fungiert und wie die erzähltheoretischen Parameter nach Martinez und Scheffel diese Dynamik strukturell untermauern.
- Narrative Struktur und szenischer Aufbau der Kurzgeschichte.
- Erzähltheoretische Analyse von Zeitgestaltung und Ordnung.
- Modus und Fokalisierung als Mittel der Distanzierung und Nähe.
- Symbolik des Sehens und deren psychosomatische Dimension.
- Intertextuelle Bezüge und die Funktion sprechender Namen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Titel und Widmung
Schon direkt am Anfang sind Titel und Widmung als „zwei strukturell besonders auffällige Diskursansätze“ zu betrachten. Beides enthält intertextuelle Aspekte (vgl. Pichl) zum Türmerlied des Lynkeus in Goethes Faust II: Der Titel ist ein Zitat aus dem Türmerlied und Georg Groddeck stellte „ebenfalls eine Parallele zwischen seiner Theorie vom doppelten Charakter des Sehvorgangs und dem Gegensatz von Sehen und Schauen in Lynkeus Türmerlied“ her.
Vordergründig handelt die Geschichte zwar von Miranda und ihrer unglücklichen Liebe zu Josef, der im Verlauf der Erzählung mit ihrer gemeinsamen Bekannten Anastasia zusammenkommt, aber schon Titel und Widmung lassen vermuten, dass es mindestens einen weiteren Aspekt in der Geschichte gibt. Der Titel „Ihr glücklichen Augen“ zusammen mit der Widmung an Georg Groddeck, den Psychosomatiker, verraten, dass das Sehen eine weitere Ebene bildet und lassen Rückschlüsse auf die psychosomatische Problematik zu.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Bachmanns Erzählung anhand der Kriterien von Martinez und Scheffel zu untersuchen und die Verbindung zwischen dem Motiv des Sehens und Mirandas Beziehung zu Josef aufzuzeigen.
1. Aufbau: Dieses Kapitel analysiert die strukturellen Diskursansätze des Titels und der Widmung sowie die szenische Gestaltung der Erzählung als Ausdrucksmittel der Protagonistenbeziehung.
2. Zeit: Der Fokus liegt hier auf der chronologischen Ordnung, der Erzählzeit-Dauer und den Frequenzen, wobei insbesondere die Funktion von Analepsen und Prolepsen für die Charakterisierung Mirandas untersucht wird.
3. Modus: Das Kapitel behandelt die narrative Distanz und die multiple interne Fokalisierung, um zu verdeutlichen, wie durch Erzähltechniken Nähe zum Geschehen und zur Gefühlswelt der Figuren erzeugt wird.
4. Stimme: Hier wird die extradiegetische Erzählsituation in der Gegenwart untersucht, die durch den heterodiegetischen Stil eine unmittelbare, präsentische Wirkung auf den Leser ausübt.
Resumée: Das Resumée fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des Sekundärtextes von Robert Pichl für die Interpretation der „integrativen Perspektive“ des Sehens hervor.
Schlüsselwörter
Ingeborg Bachmann, Ihr glücklichen Augen, Textanalyse, Erzähltheorie, Sehen, Miranda, Josef, Brille, Psychosomatik, Motivik, Modus, Fokalisierung, Analepse, Prolepse, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Ihr glücklichen Augen“ von Ingeborg Bachmann unter Anwendung erzähltheoretischer Methoden nach Martinez und Scheffel.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen das Leitmotiv des Sehens, die psychosomatische Problematik und die Dynamik der Paarbeziehung zwischen Miranda und Josef.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Parallelen zwischen Mirandas Sehfähigkeit (symbolisiert durch die Brille) und ihrem emotionalen Zustand sowie ihrer Beziehungsstabilität herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich auf das Werk „Einführung in die Erzähltheorie“ von Martinez und Scheffel, um Aspekte wie Aufbau, Zeitgestaltung, Modus und Stimme strukturiert zu erfassen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Erzählstruktur (Aufbau), der Zeitverhältnisse, der narrativen Vermittlung (Modus/Fokalisierung) und der erzählerischen Stimme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Erzähltheorie, psychologische Figurenzeichnung, Motivik und eine interpretative Fallstudie zu Ingeborg Bachmann.
Warum spielt die Widmung an Georg Groddeck eine wichtige Rolle für die Analyse?
Die Widmung an den bekannten Psychosomatiker liefert entscheidende Hinweise darauf, dass die Thematisierung des Sehens über die rein optische Ebene hinaus auf psychosomatische Zusammenhänge verweist.
Wie korrespondieren der Zerbruch der Brille und das Ende der Beziehung in der Erzählung?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Verlust der Brille und das Zerbrechen der Beziehung mit Josef zeitgleich verlaufen, was das Sehen-können als direkten Gradmesser für Mirandas Lebenslage identifiziert.
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- Angelika Otto (Author), 2006, Die Parallelen von sehen und lieben, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159230