Diese Arbeit möchte sich mit dem in der modernen Forschungsliteratur üblicherweise als erster Chattenkrieg Domitians bezeichneten Feldzug befassen. Dabei sollen die Fragen nach Chronologie und Datierung, nach Verlauf und geographischer Verortung dieser Kampagne ebenso Behandlung erfahren wie die hinter dem militärischen Engagement stehenden Motive des Princeps.
Zudem soll der Versuch unternommen werden, die domitianischen Aktivitäten in Germanien in die römische Germanienpolitik der Kaiserzeit insgesamt einzuordnen.
Diese militärisch-politische Komponente an sich ist bereits ein interessantes Thema, noch interessanter ist jedoch, was die kaiserliche Propaganda, die antike Historiographie und später die moderne Geschichtswissenschaft daraus gemacht haben. Daher soll auch in umfassender Weise auf die Bewertung der historischen Ereignisse in der antiken Geschichtsschreibung und der modernen Literatur eingegangen werden.
Insgesamt soll dabei versucht werden, die literarischen Quellen kritisch vor ihrem Entstehungshintergrund und stets mit Berücksichtigung der Intention der Autoren hin zu befragen und diese mit den aktuellen Erkenntnissen der Archäologie, Numismatik und Epigraphik in Einklang zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Stand der Forschung
3. Die Quellenlage
3.1. Literarische Quellen
3.1.1. Zeitgenössische Autoren
3.1.1.1. Frontin
3.1.1.2. Martial
3.1.1.3. Silius Italicus
3.1.1.4. Tacitus
3.1.1.5. Plinius der Jüngere
3.1.1.6. Sueton
3.1.2. Spätere antike Autoren
3.1.2.1. Cassius Dio
3.1.2.2. Aurelius Victor
3.1.2.3. Epitomator de Caesaribus
3.1.2.4. Paulus Orosius
3.2. Nichtliterarische Quellen
3.2.1. Archäologische Funde
3.2.2. Numismatische Funde
3.2.3. Epigraphische Funde
4. Die Germanienpolitik der Flavier bis Domitian
5. Domitians erster Chattenkrieg
5.1. Die Chronologie des Feldzuges
5.2. Der Verlauf des Feldzuges
5.3. Die Lokalisierung des Feldzuges
5.4. Die Motive Domitians
5.5. Siegespropaganda und Ehrungen für Domitian
5.6. Die Gründungen der beiden germanischen Provinzen
6. Die Bewertung des Chattenkrieges
6.1. Die Bewertung in der antiken Literatur
6.1.1. Zeitgenössische antike Autoren
6.1.2. Spätere antike Autoren
6.1.3. Resümee
6.2. Die Bewertung in der modernen Forschung
6.2.1. Resümee
7. Exkurs: Saturninusaufstand und zweiter Chattenkrieg
8. Die Einordnung der domitianischen Germanienpolitik
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den ersten Chattenkrieg Domitians mit dem Ziel, die widersprüchliche Quellenlage kritisch zu beleuchten, eine fundierte chronologische und militärische Einordnung des Feldzuges vorzunehmen und die Motive des Kaisers sowie die anschließende antike und moderne Bewertung des Ereignisses zu analysieren.
- Quellenkritische Analyse der literarischen, numismatischen und epigraphischen Überlieferung
- Untersuchung der Chronologie und des tatsächlichen Verlaufs des Chattenkrieges
- Analyse der domitianischen Germanienpolitik im Kontext flavischer Machtlegitimation
- Aufarbeitung der durch Propaganda geprägten Wahrnehmung des Sieges in der Antike
- Kritische Reflexion der Forschungsgeschichte zur Bewertung Domitians und seines Krieges
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1. Frontin
S. Iulius Frontinus (um 35-40 bis 103/04) gehörte dem Senatorenstand an und konnte schon bei der Thronbesteigung Domitians auf eine beachtliche politische Karriere als „tüchtiger Offizier, Techniker und Verwaltungsbeamter“ zurückblicken. In seinem militärischen Fachbuch Strategemata schildert er, in streng thematischer Gliederung, die Kriegsleistungen herausragender Feldherren der griechischen und römischen Geschichte. Die mehrmalige Erwähnung des Chattenfeldzuges in den Strategemata wird in der Forschung allgemein dahingehend interpretiert, dass Frontin persönlich an diesem teilnahm, möglicherweise als Kommandeur des niedergermanischen Heeres.
Frontin verfasste sein Werk wohl recht kurz nach Abschluss des Chattenkrieges. Die von ihm für Domitian mit einer Ausnahme durchgehend verwendete Titulatur „Imperator Caesar Domitianus Augustus Germanicus“ legt nahe, dass die Strategemata noch zu Lebzeiten Domitians veröffentlicht wurden. Diese Titulatur legt als terminus post quem den Zeitpunkt der Annahme des Siegerbeinamens Germanicus fest. Allgemein wird davon ausgegangen dass das Werk zwischen 84 und 88 erschienen ist.
Frontins Berichte sind im Wesentlichen nüchtern und ohne persönliches Werturteil formuliert, seine Angaben zum Chattenkrieg „dürfen mit einiger Sicherheit als Augenzeugenberichte gelten“, was ihn für diesen zu einer Primärquelle von besonderem Wert macht. Ereignisse des Chattenkrieges finden in den Strategemata an insgesamt vier Stellen Erwähnung, der Stamm der Chatten selbst jedoch nur in Strat. 1,3,23.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der tendenziösen Quellenlage zu Domitian ein und begründet die Relevanz einer historisch-kritischen Untersuchung des ersten Chattenkrieges.
2. Zum Stand der Forschung: Hier wird der Forschungsverlauf zur domitianischen Ära seit dem 19. Jahrhundert skizziert, wobei die Entwicklung von einseitigen negativen Urteilen hin zu moderneren, differenzierteren Forschungsansätzen aufgezeigt wird.
3. Die Quellenlage: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Quellengattungen, insbesondere literarische, archäologische und numismatische Zeugnisse, und bewertet deren Zuverlässigkeit für die Rekonstruktion des Chattenkrieges.
4. Die Germanienpolitik der Flavier bis Domitian: Dieser Abschnitt beschreibt die Situation am Rhein nach dem Jahr 69 und ordnet die frühen flavischen Reorganisationsmaßnahmen in einen größeren politischen Rahmen ein.
5. Domitians erster Chattenkrieg: Der Hauptteil untersucht detailliert Chronologie, Verlauf, Lokalisierung, Motive sowie die propagandistische Instrumentalisierung und die provinzielle Neuordnung im Kontext des Feldzuges.
6. Die Bewertung des Chattenkrieges: Hier erfolgt eine ausführliche Analyse, wie antike Literatur und moderne Forschung diesen Krieg bewertet haben, und wie sich dieses Bild im Laufe der Zeit gewandelt hat.
7. Exkurs: Saturninusaufstand und zweiter Chattenkrieg: Dieser Exkurs beleuchtet die Ereignisse um den Aufstand des Saturninus und diskutiert, ob es tatsächlich einen zweiten Chattenkrieg gab.
8. Die Einordnung der domitianischen Germanienpolitik: Dieses Kapitel setzt die domitianische Politik in Beziehung zur augusteischen und späteren Germanienpolitik und bewertet ihre historische Bedeutung.
9. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse über den Ablauf des Krieges, die Motivation Domitians und die langfristige Wirkung seines Wirkens in Germanien.
Schlüsselwörter
Domitian, Chattenkrieg, Römische Geschichte, Germanien, Flavische Dynastie, Germanienpolitik, Quellenkritik, Antike Historiographie, Limesforschung, Münzprägung, Antike Propaganda, Germanicus, Saturninusaufstand, Römische Militärgeschichte, Provinzialrömische Archäologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit hauptsächlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem ersten Chattenkrieg unter Kaiser Domitian und analysiert die historische Realität dieses Feldzuges unter Berücksichtigung der teils stark verzerrten antiken Überlieferung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Quellenlage, der militärische Verlauf des Krieges, die politischen Motive Domitians, die kaiserliche Siegespropaganda sowie die Einordnung dieser Ereignisse in die römische Germanienpolitik der Kaiserzeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, den Chattenkrieg von der antiken Rufmordkampagne gegen Domitian zu entkoppeln und durch eine kritische quellenübergreifende Analyse zu einer historisch ausgewogenen Bewertung zu gelangen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Methode, indem sie literarische Zeugnisse (Historiographie, Dichtung) mit archäologischen, numismatischen und epigraphischen Funden vergleicht, um Abhängigkeiten und Intentionen der Autoren aufzudecken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der chronologischen Einordnung des Feldzuges, der Rekonstruktion des Verlaufs durch den Bericht Frontins, den Motiven des Kaisers für diesen Präventivschlag sowie der propagandistischen Ausgestaltung des Sieges.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind neben Domitian und Chattenkrieg auch Begriffe wie Germanenpolitik, Quellenkritik, kaiserliche Propaganda und die Einordnung in das flavische Herrscherideal.
Wie bewerten antike Autoren den Feldzug Domitians?
Die Bewertung ist zweigeteilt: Zeitgenossen wie Martial oder Frontin äußern sich (panegyrisch) lobend oder sachlich, während spätere Autoren wie Tacitus, Plinius oder Sueton den Feldzug und den Triumph als Farce oder verlogene Inszenierung darstellen.
Welche Bedeutung hatte der Saturninus-Aufstand für den Chattenkrieg?
Der Aufstand des Saturninus im Jahr 89 stellte eine innenpolitische Krise dar. In der Forschung wird diskutiert, ob in diesem Zusammenhang ein „zweiter Chattenkrieg“ als kaschierte Bürgerkriegsfeier von der kaiserlichen Propaganda umgedeutet wurde.
Warum wird der Begriff „Germanica Capta“ in der Arbeit thematisiert?
Der Slogan „Germania Capta“ auf Münzen unter Domitian diente als propagandistisches Mittel, um einen (begrenzten) militärischen Erfolg als endgültige Unterwerfung Germaniens darzustellen und so das Herrscherimage zu legitimieren.
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- Florian Unzicker (Author), 2010, „Quae datur ex Chattis laurea“ - Domitians erster Chattenkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159194