Diese Arbeit beschränkt sich auf die Darstellung der Kunsterziehungsphilosophie Johannes Ittens und soll keinen Versuch darstellen, das komplexe „System Itten“ mit seinem Ineinandergreifen von persönlicher Biografie, eigenem Werk, philosophisch-religiöser Reflexion, der Erforschung von Kunst (er suchte Zeit seins Lebens nach einer elementaren Gestaltungslehre) und deren Vermittlung (Kunstpädagogik) zu beleuchten; obwohl der „Anspruch auf Ganzheit“ bei Johannes Itten, so Till Neu, eine elementare Rolle spielte. Bei der Betrachtung von Ittens Kunsterziehungskonzeptionen, einem Aspekt seines vielseitigen Wirkens, wird deutlich, dass es dem ausgebildeten Künstler und Lehrer darauf ankam, den ganzen Menschen mit seinen Fähigkeiten und Eigenschaften in seine pädagogischen Überlegungen einzubeziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biografische Fragmente: Ausbildung, Lehrerkarriere und Esoterik
3 Itten und die Reformpädagogik – ein erster Vergleich
4 Allgemeines zur Reformpädagogik
4.1 Die Reformpädagogik im Kontext von Lebensreform und Jugendbewegung
4.2 Strömungen und Vertreter der Reformpädagogik
5 Itten und die Reformpädagogik - Hintergründe
5.1 Ernst Schneider am Berner Lehrerseminar
5.2 Die Kunsterziehungsbewegung
5.3 „Pädagogik vom Kinde aus“ / Das Kind als Künstler
5.4 Die Arbeitsschulbewegung von Georg Kerschensteiner und die liberale Reformbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts
6 Johannes Ittens Kunsterziehungsphilosophie
6.1 Die zentrale Rolle des Kindes bzw. des Individuums und dessen Eigenart
6.2 Abgrenzung von der Akademie
6.3 Die „Dialektik von Subjektivität und Objektivität“ – die Unterrichtsmethoden
7 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Wirken von Johannes Itten und analysiert, inwieweit seine Kunsterziehungsphilosophie von den reformpädagogischen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts beeinflusst wurde. Zentral ist dabei die Frage, wie Itten reformpädagogische Ansätze, wie die Fixierung auf das Individuum und die Ganzheitserziehung, in seine eigene Lehrmethode integrierte und weiterentwickelte.
- Biografische Einflüsse und spirituelle Prägung (Mazdaznan)
- Verhältnis zwischen Reformpädagogik und Ittens Kunstpädagogik
- Kritik am akademischen Kunstunterricht
- Methoden der „Dialektik von Subjektivität und Objektivität“
- Die Rolle des Lehrers als „Gärtner“ im Lernprozess
Auszug aus dem Buch
6.3 Die „Dialektik von Subjektivität und Objektivität“ – die Unterrichtsmethoden
Der Anspruch auf die individuelle Ganzheitsförderung des Schülers, den Till Neu belegt hat, geht einher mit einer „Dialektik von Subjektivität und Objektivität“, so Dolores Denaro. In der Einleitung zu seinem großen Tagebuch von 1930 beschreibt Johannes Itten die zwei Möglichkeiten der Kunstvermittlung:
Zwei Wege stehen dem nach Vervollkommnung und Veredelung strebenden Menschen offen.[...]Der erste Weg ist gewiesen durch die erwärmende Kraft der Liebe, der zweite durch die erhellende Macht des Wissens. Wohl dem Menschen, in dem sich Liebe und Weisheit verbinden[...]Er meidet alle Gefahren und erreicht ungebrochen das Ziel. Liebe ohne Wissen führt zur Zerlösung – Wissen ohne Liebe zur Erhärtung.
Die zwei angesprochenen Wege der Kunstvermittlung - die Liebe und das Wissen, das Gefühl und der Verstand, die Expression und die Konstruktion, das Subjektive und das Objektive - sind die zwei gegensätzlichen Hauptkategorien, denen sich sämtliche Methoden Ittens zuordnen lassen. Hierin liegt die einzig strukturelle Gliederung der pädagogischen Methodik Ittens, so schreibt Dolores Denaro in „Johannes Itten. Wege zur Kunst“. Schaut man sich die Tagebücher und Schriften Ittens an, so zeigen sie konkrete Übungsbeispiele und erklären Vermittlungsmethoden, aber sie besagen nichts über die zeitliche Reihenfolge der Übungen. Ein fester Lehrplan, so stellt Denaro heraus, hätte dem individualistischen Lehrprinzip Ittens widersprochen und wäre nicht mit seiner Philosophie vereinbar gewesen, nach welcher „jedem Individuum sein eigener Weg der künstlerischen Entwicklungen ermöglicht werden soll[te].“ Demnach gestaltete Itten täglich jede Lektion neu und behandelte die Lehrinhalte in immer neuer Weise.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Person Johannes Itten als Kunstpädagoge und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie des methodischen Vorgehens.
2 Biografische Fragmente: Ausbildung, Lehrerkarriere und Esoterik: Überblick über Ittens Werdegang, seine frühen pädagogischen Erfahrungen in der Schweiz und den prägenden Einfluss der Mazdaznan-Bewegung.
3 Itten und die Reformpädagogik – ein erster Vergleich: Erste Gegenüberstellung von Ittens pädagogischen Maximen mit den allgemeinen Zielen und Motiven der Reformpädagogik.
4 Allgemeines zur Reformpädagogik: Definition des Begriffs Reformpädagogik sowie historische Einordnung im Kontext der Lebensreform- und Jugendbewegung.
5 Itten und die Reformpädagogik - Hintergründe: Detaillierte Analyse der Einflüsse durch Ernst Schneider, die Kunsterziehungsbewegung, die Arbeitsschule und die Idee vom Kind als Künstler.
6 Johannes Ittens Kunsterziehungsphilosophie: Vertiefende Untersuchung von Ittens Lehrmethoden, seiner Abgrenzung zur akademischen Tradition und seiner dialektischen Methode der Kunstvermittlung.
7 Schlussbemerkungen: Fazit zur Bedeutung von Ittens pädagogischem Erbe und Synthese seiner individuellen Kunstpädagogik aus bestehenden reformpädagogischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Johannes Itten, Reformpädagogik, Kunsterziehung, Bauhaus, Vorkurs, Pädagogik vom Kinde aus, Mazdaznan, Ganzheitserziehung, Kunstunterricht, Gestaltungslehre, Individualität, Erlebnispädagogik, Kunstschulreform, Subjektivität, Objektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das pädagogische Konzept von Johannes Itten und setzt dieses in den direkten Vergleich zur historischen Reformpädagogik.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Fokus stehen die biografische Entwicklung Ittens, der Einfluss der Mazdaznan-Lehre, die Abgrenzung zur klassischen Akademieausbildung und die methodische Strukturierung seines Kunstunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Ittens Kunsterziehungsphilosophie stark durch reformpädagogische Ansätze geprägt war, diese jedoch durch eigene spirituelle und künstlerische Ideen erweiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Primärquellen (Tagebücher, Schriften Ittens) und Sekundärliteratur zur Kunstpädagogik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der biographischen Hintergründe, die theoretische Verortung der Reformpädagogik sowie die detaillierte Beschreibung von Ittens spezifischen Lehrmethoden, wie etwa die Dialektik von subjektivem Erleben und objektivem Erkennen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Ganzheitserziehung, Individualitätsprinzip, Gestaltungslehre, Kunstschulreform und der „Gärtner“-Gedanke in der Pädagogik.
Wie unterscheidet Itten zwischen „subjektiv“ und „objektiv“ in seinem Unterricht?
Itten betrachtet das subjektive Erleben als den Ausgangspunkt, um schöpferische Kräfte freizusetzen, während das objektive Erkennen durch die Vermittlung von Gesetzen (Form- und Farbenlehre) die Wahrnehmungsfähigkeit schulen soll.
Welche Rolle spielte die „Gärtner-Metapher“ für Johannes Itten?
Itten verglich den Lehrer mit einem Gärtner: Er soll nicht durch Korrekturen den Schüler lähmen, sondern förderliche Rahmenbedingungen schaffen, damit sich das „Wachstum“ des Kindes aus eigener Kraft vollziehen kann.
- Quote paper
- Anne Nennstiel (Author), 2006, Johannes Ittens Kunsterziehungsphilosophie im Vergleich zur Reformpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159130