Der Bundestag hat am 25. Mai 2007 das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 verabschiedet und es wurde am 17. August 2007 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.
Die Ziele der Bundesregierung, die im allgemeinen Teil der Gesetzesbegründung genannt werden, sind:
− „Bekämpfung der Arbeitslosigkeit,
− Abbau der Staatsverschuldung,
− Bewältigung des demografischen Wandels und
− eine intelligente Reaktion auf den Veränderungsdruck der Globalisierung“.
Die oben genannten Ziele sollen durch folgende Eckpunkte des Reformvorhabens erreicht werden:
− Absenkung des nominalen Steuersatzes für Kapitalgesellschaften von
38,65 % (Thesaurierungsbelastung von Kapitalgesellschaften mit Körperschaftsteuer von 25 %, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer bei einem Hebesatz von 400 %) auf 29,83 % (Thesaurierungsbelastung mit Körperschaftsteuer 15 %, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer bei einem Hebesatz von 400 %);
− Verhinderung der Bildung einer hohen Fremdkapitalquote deutscher Unternehmen durch die so genannte Zinsschranke;
− Belastungsneutralität der thesaurierten Gewinne für die unterschiedlichen Rechtsformen durch die Einführung eines weiteren Steuersatzes (28,25 %) für thesaurierte Gewinne von Personenunternehmen;
− Umgestaltung der Gewerbesteuer;
− Einführung einer Abgeltungsteuer für Zins- und Dividendenerträge sowie für Veräußerungsgewinne von Kapitalanlagen.
In dieser Hausarbeit soll jedoch nur auf die Betrachtung der Gewerbesteuer nach der neuen Unternehmensteuerreform eingegangen werden. Dies geschieht in den drei Hauptkapiteln, in denen auf die Änderungen der Gewerbesteuer (Kapitel 2), die steuerliche Behandlung der Gewerbesteuer im Einkommensteuergesetz (Kapitel 3) und die steigende Bedeutung der Gewerbesteuer im Vergleich zur Körperschaftsteuer (Kapitel 4) näher eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Änderungen der Gewerbesteuer
2.1. Gewerbeertrag
2.1.1. Die neue 1/4 Regelung bei den Hinzurechnungen
2.1.2. Kürzungen
2.2. Weitere Änderungen und das Inkrafttreten der neuen Gewerbesteueränderungen
2.3. Vor- und Nachteile der neuen Gewerbesteuerreform und ein Praxisbeispiel
3. Die steuerliche Behandlung der Gewerbesteuer im Einkommensteuergesetz
3.1. Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer
3.2. Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer (§ 35 EStG)
4. Die steigende Bedeutung der Gewerbesteuer im Vergleich zur Körperschaftsteuer
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Unternehmensteuerreform 2008 auf die Gewerbesteuer, insbesondere im Hinblick auf deren veränderte Berechnungsgrundlagen, die steuerliche Behandlung im Einkommensteuergesetz sowie ihre wachsende Bedeutung im Vergleich zur Körperschaftsteuer.
- Neugestaltung der Gewerbeertragsermittlung und Hinzurechnungen
- Anpassung der Abzugsfähigkeit und Anrechnungsmechanismen
- Vergleich der Steuerbelastung vor und nach der Reform
- Analyse der Auswirkungen auf kleine und mittelständische Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Die neue 1/4 Regelung bei den Hinzurechnungen
Es wurden vier wesentliche Hinzurechnungen im neuen Gewerbesteuergesetz geändert. Es sind die Hinzurechnung von Schuldzinsen, Renten und dauernden Lasten, Gewinnanteilen von stillen Gesellschaftern sowie Miet- und Pachtzinsen für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die vorher im § 8 Nr. 1, 2, 3 und 7 GewStG geregelt waren. Diese wurden zu einer Hinzurechnung zusammengefasst, die im § 8 Nr. 1 a-e) GewStG zu finden ist. Zusätzlich werden, nach dem § 8 Nr. 1 f) GewStG, Aufwendungen für die Überlassung von Rechten hinzugerechnet. Der Gesetzestext beginnt mit „Ein Viertel der Summe aus“:
a) Entgelten für Schulden;
b) Renten und dauernden Lasten;
c) Gewinnanteilen des stillen Gesellschafters;
d) 1/5 der Miet- und Pachtzinsen für die Benutzung von beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens;
e) 3/4 der Miet- und Pachtzinsen für die Benutzung der unbeweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens;
f) 1/4 der Aufwendungen für die zeitliche Überlassung von Rechten.
Ein Viertel der Summe aus den Punkten a-f) muss einen Freibetrag von 100.000 € übersteigen, damit eine Hinzurechnung überhaupt stattfindet. Dieser Freibetrag wird dazu benutzt kleine und mittelständische Betriebe zu entlasten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ziele der Bundesregierung im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 sowie der Eingrenzung des Themenbereichs auf die Gewerbesteuer.
2. Änderungen der Gewerbesteuer: Erläuterung der neuen Hinzurechnungs- und Kürzungsregelungen sowie der Änderungen beim Verlustabzug und Vorauszahlungen, inklusive eines Praxisbeispiels.
3. Die steuerliche Behandlung der Gewerbesteuer im Einkommensteuergesetz: Analyse des Wegfalls der Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer als Betriebsausgabe und der korrespondierenden Anpassung der Anrechnung auf die Einkommensteuer.
4. Die steigende Bedeutung der Gewerbesteuer im Vergleich zur Körperschaftsteuer: Untersuchung der veränderten Gesamtsteuerbelastung und der relativen Aufwertung der Gewerbesteuer im neuen Steuersystem.
5. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Reform hinsichtlich der Entlastung kleiner Betriebe und der Zunahme des bürokratischen Aufwands.
Schlüsselwörter
Gewerbesteuer, Unternehmensteuerreform 2008, Hinzurechnungen, Gewerbeertrag, Abzugsfähigkeit, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, Steuermesszahl, Zinsschranke, Freibetrag, Doppelbesteuerung, Steuerbelastung, Verlustabzug, Mantelkauf, Steuermessbetrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Änderungen und Auswirkungen der Unternehmensteuerreform 2008 auf das System der Gewerbesteuer in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die geänderte Ermittlung des Gewerbeertrags durch neue Hinzurechnungsregeln, die steuerliche Behandlung im Einkommensteuerrecht sowie der Belastungsvergleich zwischen Gewerbe- und Körperschaftsteuer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Reform auf die Steuerlast von Unternehmen auswirkt und inwieweit die Bedeutung der Gewerbesteuer im Vergleich zur Körperschaftsteuer durch die gesetzlichen Neuregelungen gestiegen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine deskriptive Analyse der Gesetzeslage basierend auf aktuellen Gesetzesbegründungen (BR-Drucksachen) sowie eine quantitative Analyse mittels Praxisbeispielen und Belastungsvergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den geänderten Hinzurechnungen, der Abschaffung der Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer als Betriebsausgabe und der notwendigen Anpassung der Anrechnungsfaktoren nach § 35 EStG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gewerbeertrag, Hinzurechnungsfreibetrag, 5/6-Methode, Steuermesszahl und Belastungstransparenz.
Wie wirkt sich der neue Hinzurechnungsfreibetrag aus?
Der Freibetrag von 100.000 Euro dient dazu, kleine und mittelständische Unternehmen administrativ und finanziell zu entlasten, da unter diesem Betrag keine Hinzurechnungen nach dem neuen System anfallen.
Warum wird im Rahmen der Reform von einer steigenden Bedeutung der Gewerbesteuer gesprochen?
Durch die gleichzeitige Senkung der Körperschaftsteuer und die Nicht-Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer als Betriebsausgabe rückt die Gewerbesteuer stärker in den Fokus der Gesamtsteuerbelastung, was insbesondere bei hohen Hebesätzen zu einer relativen Aufwertung führt.
Was bedeutet der Wegfall der Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer?
Die Gewerbesteuer mindert künftig nicht mehr den steuerpflichtigen Gewinn, wodurch eine höhere Transparenz bei der Ermittlung der Gesamtsteuerbelastung erreicht werden soll.
Welcher bürokratische Aufwand ergibt sich aus der Reform?
Die Reform führte zur Einführung zahlreicher neuer Informationspflichten, was laut der Schlussbetrachtung zu einem insgesamt deutlich erhöhten Verwaltungsaufwand für Unternehmen und Finanzbehörden führt.
- Arbeit zitieren
- Wasilij Philippov (Autor:in), 2008, Die Bedeutung der Gewerbesteuer nach der Unternehmensteuerreform, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159039