Unternehmen entsenden in den letzten Jahren mehr Mitarbeiter ins Ausland als je zuvor. Den Ergebnissen einer Studie von ECA International aus dem Jahr 2008 zufolge haben 67 % der befragten Organisationen ihre internationalen Delegationen in den vergangenen drei Jahren ausgebaut. Insgesamt prognostizieren 63 %, dass in den kommenden Jahren Entsendungen von Mitarbeitern ins Ausland noch weiter zunehmen werden.
Während der Umfang der Literatur, die sich mit Auswahl und Vorbereitung der Entsendungskandidaten beschäftigt, ebenso ansteigt, finden Fragen der Reintegration der rückkehrenden Mitarbeiter weit weniger Beachtung. Wenn überhaupt gleicht die Auseinandersetzung mit der Wiedereingliederungsproblematik in vielen Beiträgen einem abrundenden Schlusswort. Darüber hinaus wird meist nur der Blickwinkel der Entsandten thematisiert.
In der Umsetzung von Auslandsentsendungen kommt in der derzeitigen Praxis der Wiedereingliederung das größte Verbesserungspotential zu. Trotz der gründlichen Auswahl und Vorbereitung der Entsendungskandidaten sowie der hohen Kosten für eine Entsendung, gelingt es vielen Unternehmen nicht, Anreize zur Bindung der Mitarbeiter nach Rückkehr zu schaffen oder der sich häufig einstellenden Demotivation entgegenzuwirken.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich daher auf die Möglichkeiten einer erfolgreichen Reintegration aus Unternehmenssicht. In Kapitel 2 werden zunächst die Grundlagen für das weitere Verständnis der Arbeit gelegt, bevor Kapitel 3 die Wiedereingliederungsproblematik im unternehmerischen Kontext beleuchtet. Im weiteren Verlauf wird die Bedeutung des Potentials von Rückkehrern für die Organisation aufgezeigt, bevor eine Reihe ausgewählter Maßnahmen zur Nutzung dieses Potentials vorgestellt werden. Der letzte Abschnitt beschreibt wie die Rückkehrer Mehrwertbringend im Unternehmen eingesetzt werden können, so dass eine Win-win-Situation für beide Parteien entsteht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zur Auslandsentsendung von Mitarbeitern
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Ziele und Motive des entsendenden Unternehmens
2.3 Entsendungsarten
3 Problemfelder der Reintegration aus Unternehmensperspektive
3.1 Stellenwert der Wiedereingliederung im Entsendungsprozess
3.2 Reintegrationsprobleme
3.3 Das Modell des Person-environment-fit
3.4 Defizit der heutigen Reintegrationspraxis
3.5 Auswirkungen ungenügender Reintegration
4 Maßnahmen zur Erleichterung der Wiedereingliederung
5 Win-win-Situation durch Nutzung des Potentials
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen der Wiedereingliederung (Reintegration) von ins Ausland entsandten Mitarbeitern (Repatriates) aus einer unternehmerischen Perspektive und entwickelt Strategien, um diese Prozesse erfolgreich zu gestalten.
- Analyse der Reintegrationsproblematik im unternehmerischen Kontext
- Untersuchung von Ursachen für das Scheitern der Wiedereingliederung
- Darstellung der Folgen unzureichender Reintegration für Unternehmen
- Vorstellung von Maßnahmen zur Erleichterung der Reintegration in verschiedenen Phasen
- Erarbeitung von Strategien zur Schaffung einer Win-win-Situation für Unternehmen und Rückkehrer
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Modell des Person-environment-fit
Mit Hilfe des Person-environment-fit-Modells lässt sich das Ursachen-Wirkungs-Verhältnis besonders gut darstellen. Einige Autoren verweisen auf den Stresscharakter der Rückkehr von einer Auslandsentsendung und bedienen sich der Modelle aus der Stressforschung.
Das Modell des Person-environment-fit erklärt die Entstehung von Stress im Arbeitsleben durch Nichtentsprechungen zwischen Individuum und dessen Umwelt. Es werden zwei Arten von Nichtentsprechungen unterschieden. Die erste Art entsteht, wenn eine Person wahrnimmt oder erwartet, dass an sie gestellte Anforderungen nicht der eigenen Qualifikation entsprechen. Die zweite Art entsteht, wenn eine „Person erlebt oder erwartet, dass ihre Ansprüche an die Befriedigung arbeitsbezogener Bedürfnisse nicht den gegebenen Möglichkeiten am Arbeitsplatz entsprechen“. Dabei sind die subjektiven Einschätzungen des Personen-Umwelt-Verhältnisses ausschlaggebend. Überträgt man dieses Modellschema auf die Situation des Repatriate, können sich die in Abbildung 2 dargestellten Nichtentsprechungen zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung internationaler Entsendungen und identifiziert die häufig vernachlässigte Reintegration als Bereich mit dem größten Verbesserungspotenzial für Unternehmen.
2 Grundlagen zur Auslandsentsendung von Mitarbeitern: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe, erläutert die Ziele und Motive hinter Entsendungen und differenziert zwischen verschiedenen Entsendungsarten.
3 Problemfelder der Reintegration aus Unternehmensperspektive: Der Abschnitt analysiert die Ursachen für Reintegrationsschwierigkeiten, stellt das Person-environment-fit-Modell vor und beleuchtet die negativen Auswirkungen einer unzureichenden Planung auf das Unternehmen.
4 Maßnahmen zur Erleichterung der Wiedereingliederung: Hier werden konkrete Gestaltungsoptionen für die Phasen vor, während und nach der Rückkehr diskutiert, um den Reintegrationsprozess aktiv zu unterstützen.
5 Win-win-Situation durch Nutzung des Potentials: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Unternehmen durch die gezielte Nutzung der Auslandserfahrungen und Kompetenzen von Rückkehrern Wettbewerbsvorteile erzielen und eine nachhaltige Win-win-Situation schaffen können.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass eine erfolgreiche Reintegration strategisch essenziell ist, um wertvolles Wissen zu bewahren und die Investitionen in das Personal optimal zu verwerten.
Schlüsselwörter
Wiedereingliederung, Reintegration, Auslandseinsatz, Repatriates, Auslandsentsendung, Personalmanagement, Person-environment-fit, Wissensmanagement, Karriereplanung, Mentorensystem, Wettbewerbsvorteile, Mitarbeiterbindung, interkulturelle Kompetenz, Unternehmenskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen beruflichen Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach einer Auslandsentsendung aus der Sicht des entsendenden Unternehmens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Entsendungsmotive, Reintegrationsprobleme, die Bedeutung der Personalplanung sowie Maßnahmen zur optimalen Nutzung des Potenzials von Rückkehrern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen durch eine professionelle Reintegrationspraxis Enttäuschungen und Fluktuation vermeiden und eine Win-win-Situation zwischen Unternehmen und Rückkehrer schaffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse und Auswertung der relevanten Fachliteratur sowie vorhandenen Studien zu diesem Thema basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Problemfelder der Reintegration, stellt theoretische Modelle wie den Person-environment-fit dar und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für das Personalmanagement ab.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Reintegration, Auslandseinsatz, Repatriates, Personalmanagement, Wissensmanagement und Mitarbeiterbindung.
Warum unterschätzen viele Unternehmen die Notwendigkeit einer Reintegration?
Viele Unternehmen praktizieren ein "Aus den Augen, aus dem Sinn"-Denken und gehen fälschlicherweise davon aus, dass der Mitarbeiter in eine bekannte Umgebung zurückkehrt, die keine besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Wie kann ein Mentorensystem die Wiedereingliederung unterstützen?
Ein Mentor fungiert als fester Ansprechpartner im Stammhaus, hält den Kontakt aufrecht, informiert über Entwicklungen und setzt sich bei der Stellenplanung für den Entsandten ein.
Warum scheitern viele Reintegrationsbemühungen?
Oftmals fehlen strategische Karriereplanungen, und die Rückkehrer finden keine Position vor, die ihren im Ausland erworbenen Qualifikationen und Erfahrungen entspricht.
- Arbeit zitieren
- Mariya Chernoruk (Autor:in), 2009, Zur erfolgreichen Wiedereingliederung von Repatriates unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitgeberperspektive, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158798