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Analyse Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert"

Benjamins Autobiographie als Beispiel für seine Erinnerungstheorie

Title: Analyse Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert"

Term Paper , 2010 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexandra Stoßnach (Author)

German Studies - Modern German Literature

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Mit der Berliner Kindheit um neunzehnhundert verfasst Benjamin einen Text, der nach allgemeinem Konsens als seine Autobiographie gilt. Das zentrale Thema, mit dem ich mich in dieser Arbeit beschäftige, ist der Unterschied zur „klassischen Biographie“, den Benjamins Werk deutlich aufweist. Ich möchte den Unterschied nicht nur beschreiben, sondern mein Ziel ist, zu zeigen, dass Benjamins Erinnerungstheorie Form und Inhalt der „Berliner Kindheit“ in hohem Maße bestimmt bzw. beeinflusst hat.

Zunächst möchte ich dabei untersuchen, welche typischen formalen und inhaltlichen Charakteristika wir einem Text in der Regel zugrundelegen, wenn wir ihn eine „Autobiographie“ nennen. Hierzu gehören zweifellos der narrative Charakter des Textes, sowie die darin beschriebene Entwicklung des Ich-Erzählers. Dabei wird offensichtlich, dass Benjamins Text diese beiden Punkte nicht erfüllt – zumindest nicht in augenfälliger Weise. Daher werden in einem gesonderten Punkt die formalen Charakteristika von Benjamins Werk analysiert und die Unterschiede zur „typischen“ Autobiographie herausgearbeitet.

In einem weiteren Punkt werde ich die Thesen, die Benjamins Erinnerungstheorie bestimmen, skizzieren und letztendlich ihren Einfluss auf den Text und die Gestaltung der Berliner Kindheit um neunzehnhundert aufzeigen. Benjamin entwickelt seine Erinnerungstheorie nicht in einem einzelnen Werk, sondern versetzt seine Texte, wie z. B. die Berliner Chronik, mit Stücken seiner Theorie, so dass ein einheitliches Bild nicht leicht gewonnen werden kann. Darüber hinaus trägt die Berliner Kindheit nicht allein autobiographische Züge, sondern verknüpft die individuelle Erinnerung („Kindheit“) mit der kollektiven Geschichte des „Berlin um neunzehnhundert“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DIE STRUKTUR DES TEXTES

2.1 FORMALE UND INHALTLICHE KRITERIEN EINER AUTOBIOGRAPHIE

2.2 FORMALE UND INHALTLICHE ANALYSE VON BENJAMINS BERLINER KINDHEIT UM NEUNZEHNHUNDERT

3 BENJAMINS ERINNERUNGSTHEORIE

3.1 SAMMLUNG

3.2 METAPHORISIERUNG VON GEDÄCHTNIS UND ERINNERUNG

4 KRITISCHE BEURTEILUNG UND SCHLUSSBEMERKUNGEN

5 PRIMÄRLITERATUR

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, aufzuzeigen, wie Walter Benjamins Erinnerungstheorie maßgeblich die inhaltliche und formale Gestaltung seines Werkes "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" beeinflusst hat. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit das Werk trotz seiner autobiographischen Anlage die Konventionen einer klassischen Biographie bricht und welche Funktion Benjamins spezifisches Verständnis von Erinnerung, Sammlung und medienkritischen Ansätzen dabei einnimmt.

  • Untersuchung der formalen und inhaltlichen Kriterien der Gattung Autobiographie im Kontrast zu Benjamins Werk.
  • Analyse von Benjamins Paradigmenwechsel vom "Kontinuum" zur "Konstellation" in der Erinnerungstheorie.
  • Erforschung der Bedeutung des "Sammelns" und der räumlichen Metaphorik für das Erinnern.
  • Reflektion über Einflüsse der Moderne, technologische Reizüberflutung und die Verschränkung von Individual- und Kollektivgeschichte.

Auszug aus dem Buch

Eine Todesnachricht

Ich mag fünf Jahre alt gewesen sein. An einem Abend, als ich schon im Bett lag, erschien mein Vater. Er kam, um mir gute Nacht zu sagen. Es war vielleicht halb gegen seinen Willen, dass er mir Nachricht vom Tode eines Vetters gab. Das war ein älterer Mann gewesen, der mich wenig anging. Mein Vater bedachte die Nachricht mit Einzelheiten. Ich nahm von seiner Erzählung nicht alles auf. Dagegen habe ich mir an diesem Abend mein Zimmer eingeprägt, als wenn ich gewußt hätte, eines Tages würde ich nochmal darin zu tun bekommen. Ich war schon längst erwachsen, da hörte ich, der Vetter sei an Syphilis gestorben. Mein Vater war hereingekommen, um nicht allein zu sein. Er suchte aber mein Zimmer auf und nicht mich. Die Beiden konnten keinen Vertrauten brauchen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Einfluss von Benjamins Erinnerungstheorie auf die Struktur und den Inhalt der "Berliner Kindheit" gegenüber einer klassischen Biographie darzulegen.

2 DIE STRUKTUR DES TEXTES: Dieses Kapitel kontrastiert die Erwartungen an eine typische Autobiographie mit der speziellen Form von Benjamins Werk, das keine kohärente Lebensgeschichte erzählt, sondern Miniaturen verwendet.

2.1 FORMALE UND INHALTLICHE KRITERIEN EINER AUTOBIOGRAPHIE: Hier werden allgemeine Merkmale autobiographischer Texte, wie chronologische Ordnung und die Konstitution eines schlüssigen "Ichs", als theoretischer Bezugspunkt erarbeitet.

2.2 FORMALE UND INHALTLICHE ANALYSE VON BENJAMINS BERLINER KINDHEIT UM NEUNZEHNHUNDERT: Das Kapitel analysiert die konkrete Umsetzung von Benjamins Vorhaben, Erinnerungsprozesse sprachlich abzubilden, und zeigt die Abkehr von linearer Erzählweise auf.

3 BENJAMINS ERINNERUNGSTHEORIE: Es wird Benjamins Paradigmenwechsel vom "Kontinuum" zur "Konstellation" und sein Verständnis von Erinnerung als Reaktion auf die Moderne und Reizüberflutung erläutert.

3.1 SAMMLUNG: Dieser Teil beleuchtet die Mnemotechnik des Sammelns von Objekten und Orten als zentrales Strukturmerkmal von Erinnerung bei Benjamin.

3.2 METAPHORISIERUNG VON GEDÄCHTNIS UND ERINNERUNG: Hier werden zentrale Metaphern wie das "Ausgraben", die Bibliothek und die Fotografie analysiert, durch die Benjamin seine Theorie des Erinnerns veranschaulicht.

4 KRITISCHE BEURTEILUNG UND SCHLUSSBEMERKUNGEN: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Schlüssigkeit der Theorie und die Einbeziehung weiterer gesellschaftskritischer und poetologischer Einflüsse auf das Werk.

5 PRIMÄRLITERATUR: Verzeichnis der herangezogenen Primär- und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Walter Benjamin, Berliner Kindheit um neunzehnhundert, Erinnerungstheorie, Autobiographie, Konstellation, Sammeln, Mnemotechnik, Kindheit, Moderne, Medialität, Erinnerung, Gedächtnis, Miniaturen, Individualgeschichte, Kollektivgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" als ein autobiographisches Werk, das jedoch radikal mit klassischen Gattungskonventionen bricht, um eine eigene Erinnerungstheorie abzubilden.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themenfelder sind die Struktur von Erinnerungsprozessen, die Bedeutung von Objekten und Orten als Mnemotechnik sowie die Auswirkungen der Moderne und neuer Medien auf das menschliche Erinnerungsvermögen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Benjamins Erinnerungstheorie maßgeblich die Form (das Fehlen linearer Chronologie) und den Inhalt (die Verwendung von Miniaturen) seines Textes bestimmt hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Rückgriff auf zeitgenössische und moderne erinnerungstheoretische Konzepte (u.a. von Assmann, Pethes, Moser) untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die formale Analyse des Werkes, die explizite Darstellung von Benjamins Erinnerungstheorie (insb. "Sammlung" und "Konstellation") sowie die Untersuchung der verwendeten Metaphorik wie "Ausgraben" oder Fotografie.

Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Berliner Kindheit", "Erinnerungstheorie", "Konstellation", "Sammeln" und "Moderne" geprägt.

Wie unterscheidet sich Benjamins Autobiographie von einer "klassischen" Form?

Im Gegensatz zur klassischen Form, die eine chronologische Lebensgeschichte und eine zielgerichtete Identitätsentwicklung darstellt, besteht Benjamins Werk aus disparaten Miniaturen, die keinen durchgängigen Entwicklungsroman bilden.

Welche Rolle spielen Gegenstände in Benjamins Text?

Gegenstände fungieren als "Erinnerungsfetische", die dazu dienen, Kindheitserinnerungen zu evozieren, und die in ihrer Gesamtheit das Porträt eines Sammlers zeichnen, dessen Erinnerungstätigkeit durch die Gegenstände selbst strukturiert wird.

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Details

Title
Analyse Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert"
Subtitle
Benjamins Autobiographie als Beispiel für seine Erinnerungstheorie
College
University of Hagen  (Neue deutsche Literaturwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Alexandra Stoßnach (Author)
Publication Year
2010
Pages
22
Catalog Number
V158734
ISBN (eBook)
9783640723768
ISBN (Book)
9783640723935
Language
German
Tags
Walter Benjamin Autobiographie Gedächtnis Erinnerung Berliner Kindheit um neunzehnhundert Berliner Chronik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Stoßnach (Author), 2010, Analyse Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158734
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