Diese Arbeit beschäftigt sich mit Schulabsentismus und der zentralen Fragestellung, inwieweit der (Sonder-)Pädagoge im Rahmen seines begrenzten Wirkungsraumes auf das schul- und unterrichtsmeidende Verhalten einzelner Schüler positiv Einfluss nehmen kann. Dabei wird der Schüler in einem dynamischen Bedingungskomplex (hier: Lebens-raum), bestehend aus den Lebensbereichen Schule, Familie und Peers gesehen.
Kern dieser Arbeit ist demnach die Erörterung individuell-familiärer und institutionell-schulischer Aspekte, die unmittelbar oder mittelbar negative wie positive Auswirkungen auf ein Schulbesuchs-verhalten haben können. Unter Einbezug der daraus gewonnenen Einsichten stellt sich anschließend die Frage, in welcher Form, in welchem Umfang und in welcher Art der Zusammenarbeit die Pädagogen durch präventive und interventive Aktivitäten einer unerwünschten Tendenz entgegenwirken können. Dabei ist das Wohle des Heran-wachsenden stets von zentraler Bedeutung.
WICHTIG:
Die dargelegten Ergebnisse der Arbeit stehen in ihrer Gesamtheit repräsentativ für alle Schulformen und beziehen sich nicht ausschließlich auf das Sonder- bzw. Förderschulwesen. Aufgrund der Komplexität und Mehrdimensionalität des Themas, durch die mir ein alleiniger Fokus auf Schüler mit Förderbedarf als nicht möglich erschien, war es keine Option, die Fragestellung nur hinsichtlich eines sonderpädagogischen Handels zu erörtern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Terminologie und relevante Merkmale
2.1 Definition
2.2 Terminologische Heterogenität
2.3 Formen und Kategorien des Schulabsentismus
2.4 Merkmale relevanter Formen des Schulabsentismus
2.4.1 Schulschwänzen
2.4.2 Schulverweigerung
2.4.2.1 Schulangst
2.4.2.2 Schulphobie
2.4.3 Zurückhalten der Schüler durch Erziehungsberechtigte
2.4.4 Ablehnung des Unterrichts trotz physischer Anwesenheit
2.5 Bilanz
3. Theoretische Erklärungsansätze
3.1 Merkmale wichtigster Ansätze
3.1.1 Kontrolltheorie
3.1.2 Anomietheorie
3.1.3 Subkulturtheorie
3.1.4 Zwischenbilanz und Einschätzung
3.2 Hauptmerkmale des Feldtheoretischen Ansatzes
3.2.1 Der Lebensraum
3.2.1.1 Der familiäre Wirkungsraum
3.2.1.2 Der Wirkungsraum der Peers
3.2.1.3 Der alternative Wirkungsraum
3.2.1.4 Der schulische Wirkungsraum
3.2.2 Bilanz
4. Darstellung individuell-familiärer Aspekte
4.1 Eine individuell-familiäre Perspektive
4.1.1 Alter und Geschlecht der Schüler mit Meidungsverhalten
4.1.2 Leistungsangst und Schulversagen
4.1.3 Selbstkonzept und Selbsteinschätzung
4.1.4 Primärmilieu
4.1.4.1 Intelligenz
4.1.4.2 Einstellungen der Erziehungsberechtigten
4.1.5 Die Peers
4.1.5.1 Mitschüler
4.1.5.2 Täter vs. Opfer
4.1.6 Kausalattribution und Bilanz
5. Darstellung schulisch-institutioneller Aspekte
5.1 Eine schulisch-institutionelle Perspektive
5.1.1 Organisations- und Strukturmerkmale
5.1.1.1 Klassenwiederholungen als Strukturmerkmal
5.1.2 Allgemeines Schul- und Klassenklima
5.1.3 Beziehung Pädagoge - Schüler
5.1.3.1 Der hohe Altersdurchschnitt der Pädagogen
5.1.4 Pädagogen mit Meidungsverhalten und Schuldistanz
5.1.5 Umgang mit Fehlzeiten
5.1.5.1 Entschuldigt oder unentschuldigt
5.1.5.2 Das generelle Bewertungsproblem
5.1.6 Schülersuspendierung als sozialer Ausschluss
5.1.7 Pädagogen-Eltern-Interaktion
5.1.8 Bilanz
6. Präventions- und Interventionsaspekte
6.1 Handlungsbereiche
6.1.1 Schulleitung und schulische Leitvorstellungen
6.1.2 Ein Soziales Schulklima
6.1.3 Der Pädagoge als Schlüssel der Prävention
6.1.3.1 Gefahrensignale erkennen
6.1.4 Unverzügliche Reaktion bei Versäumnissen
6.1.5 Lebensnaher und sozialer Unterricht
6.1.6 Aktivierung von Kooperationspartnern
6.1.6.1 Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten
6.1.6.2 Vernetzung von Schule und Jugendhilfe
6.1.7 Bilanz
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedingungen für Schulabsentismus und erörtert, wie Pädagogen durch die Gestaltung des schulischen Wirkungsraums sowie durch gezielte Prävention und Intervention dem Meidungsverhalten einzelner Schüler entgegenwirken können. Dabei steht die Analyse des Wechselspiels zwischen individuellen, familiären und institutionell-schulischen Faktoren im Vordergrund.
- Phänomenologische Eingrenzung und Kategorisierung des Schulabsentismus.
- Theoretische Erklärungsansätze für schulisches Meidungsverhalten.
- Analyse der Bedeutung des Lebensraums und sozialer Wirkungsräume.
- Reflektion der Rolle und Handlungsmöglichkeiten des pädagogischen Personals.
- Konkrete Ansätze für Prävention und schulische Intervention.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Schulschwänzen
Wittrock et al. beispielsweise beschreiben den Begriff des Schulschwänzens als die auf die Initiative des Schülers zurückgehenden unerlaubten Schulversäumnisse, von denen die Erziehungsberechtigten oftmals keine Kenntnis haben.
Diese Zeit verbringen die Schüler meistens mit für sie scheinbar angenehmeren Aktivitäten in einem Bereich, auf den die nichtwissenden Eltern keinen Einfluss haben (vgl. Wittrock et al. 2009, S. 14ff). Stadtparks, Einkaufsmeilen und Kaufhäuser sind beliebte Orte bei dieser Gruppierung von schulabsenten Kindern und Jugendlichen. Der Aspekt der angenehmeren Beschäftigung im außerhäuslichen Bereich während dieser Form des Absentismus wird auch bei anderen Autoren als wichtiges Merkmal herausgestellt; ebenso wie die Eigeninitiative des Schülers (vgl. z.B. Ricking 2006, S. 37). Die unlustbetonte schulische Leistungssituation wird so beispielsweise durch mangelnde Gewissensbildung vermieden. Jedoch wird die unerlaubte Freizeit nicht immer als angenehm und positiv empfunden. Schüler berichten in diesem Zusammenhang, dass sie sich langweilen und eigentlich nur darauf warten, sich wieder in die normale Tagesstruktur eingliedern zu können, was mit dem regulären Schulschluss möglich ist (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer 2002, S. 179). Die Zeit wird somit nur überbrückt.
Der Ort Schule verliert in den Augen dieser Schüler jegliche Attraktivität und teilweise empfinden die Schulschwänzer eine tiefe Abneigung gegenüber diesem Ort. Die negative Lage der Schüler ist oftmals gekennzeichnet durch Probleme mit Lehrern und/oder Schülern, Klassenwiederholungen, schlechte Noten, geringe soziale Akzeptanz und Langeweile im Unterricht (vgl. Wittrock et al. 2009, S. 15ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Dynamik des Schulabsentismus und die zentrale Frage, wie Pädagogen durch die Gestaltung des Wirkungsraums Schule positiv auf das Verhalten beeinflussen können.
2. Terminologie und relevante Merkmale: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Formen des Schulabsentismus, wie Schulschwänzen, Schulverweigerung und Unterrichtsboykott, um eine präzisere Grundlage für die pädagogische Praxis zu schaffen.
3. Theoretische Erklärungsansätze: Es werden soziologische und feldtheoretische Erklärungsmodelle vorgestellt, um die Entstehung von Meidungsverhalten im Kontext des Lebensraums (Schule, Familie, Peers) zu verstehen.
4. Darstellung individuell-familiärer Aspekte: Hier werden außerunterrichtliche Faktoren wie das Primärmilieu, Peer-Einflüsse, Selbstkonzept und Leistungsangst analysiert, die maßgeblich zur Entstehung von Meidungsverhalten beitragen können.
5. Darstellung schulisch-institutioneller Aspekte: Das Kapitel untersucht institutionelle Bedingungen wie Schulklima, Pädagogen-Schüler-Interaktionen und den Umgang mit Fehlzeiten, die das Auftreten von Absentismus sowohl begünstigen als auch verhindern können.
6. Präventions- und Interventionsaspekte: Basierend auf den Analysen werden konkrete Handlungsbereiche und Strategien aufgezeigt, durch die Schulen proaktiv gegen Absentismus vorgehen und Kooperationen mit Erziehungsberechtigten sowie der Jugendhilfe stärken können.
7. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Schule aktiv handeln muss, um ein attraktiver Lebensraum zu sein, und betont, dass die professionelle Auseinandersetzung mit der eigenen Institution ein entscheidender Hebel gegen Schulabsentismus ist.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Meidungsverhalten, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Pädagoge, Feldtheorie, Wirkungsraum, Schulklima, Prävention, Intervention, Erziehungsberechtigte, Peers, Schuldistanz, Schulpflicht, Sozialisationsinstanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den vielschichtigen Ursachen und Erscheinungsformen des Schulabsentismus und analysiert, welche Möglichkeiten Pädagogen haben, präventiv und interventiv einzuwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Phänomens, theoretische Erklärungsansätze (insb. die Feldtheorie), sowie die Analyse von individuell-familiären und schulisch-institutionellen Einflussfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Handlungsrepertoire von Pädagogen zu erweitern, um das Meidungsverhalten von Schülern zu verringern und den schulischen Wirkungsraum attraktiver zu gestalten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und verschiedene soziologische sowie sonderpädagogische Ansätze zur Erklärung von Schulabsentismus zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Darstellung individuell-familiärer Faktoren (wie Peers und Elternhaus) und die institutionelle Analyse schulinterner Prozesse sowie Präventions- und Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind u.a. Schulabsentismus, Meidungsverhalten, Feldtheorie, Pädagogisches Handeln, Prävention und institutionelle Strukturmerkmale.
Warum ist der feldtheoretische Ansatz von Kurt Lewin für diese Untersuchung so zentral?
Der Ansatz ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung, da er das Verhalten als Funktion der Person und ihrer Umwelt im dynamischen Spannungsfeld verschiedener Wirkungsräume (Schule, Familie, Peers) begreift.
Welche Bedeutung kommt dem schulischen Klima im Kontext des Absentismus zu?
Ein positives Schulklima fungiert als präventive Kraft, da es das Wohlbefinden und die Bindung der Schüler an die Institution stärkt, während ein negatives Klima das Risiko für Meidungsverhalten signifikant erhöht.
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- Florian Stüdemann (Author), 2009, Schulabsentismus - Aspekte der individuellen und institutionellen Fehlentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158628