Die DDR Außenpolitik, war ein Jahrzehnte andauernder Kampf um internationale Anerkennung. Sie verstand sich seit ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 als politische und soziale Alternative zur Bundesrepublik Deutschland. Die DDR sah es „als ihre historische Aufgabe an, durch eine grundlegende Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse dem Wiedererstehen des deutschen Imperialismus und seinem Drang nach Eroberung auf dem Territorium der DDR jegliche Grundlage zu nehmen sowie seine Restaurierung in Westdeutschland zu begrenzen und letztlich zu verhindern.“ Diesem Grundverständnis entsprechend orientierte dich die DDR-Außenpolitik an den staatstragenden Prinzipien Antiimperialismus, Antifaschismus, Friedensbewahrung und gleichberechtigte internationale Zusammenarbeit. Dabei wurden alle außenpolitischen Entscheidungen, wie in einem Staat mit zentralistischer Struktur üblich, vom Politbüro der SED, dem eigentlichen Machtzentrum der DDR, getroffen. Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten war dabei nur ein ausführendes Organ und stand unterstand dem jeweiligen ZK-Sekretär für Außenpolitik im Politbüro.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Außenpolitik der DDR geben und auf die Lateinamerikapolitik des Staates eingehen. Es soll dabei ein Überblick über verschiedene Epochen der DDR-Geschichte gegeben werden, die Unterschiede zwischen der Außenpolitik unter Walther Ulbricht und Erich Honecker herausgearbeitet sowie die Ziele und Ergebnisse der Lateinamerikapolitik der DDR verdeutlicht werden.
Im ersten Teil der Arbeit wird die allgemeine außenpolitische Situation der DDR, zuerst unter Ulbricht, dann unter Honecker beschrieben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung der Außenpolitik seit der Gründung der DDR 1949 sein. Die Fragen welche Ziele die Außenpolitik dabei verfolgte und welche Schwierigkeiten, gerade durch die Hallstein-Doktrin, auftraten sollen dabei beantwortet werden. Weiterhin wird versucht Auswirkungen durch die innenpolitische Entwicklung der DDR, die spätestens seit den 1980er Jahren durch wirtschaftliche Schwierigkeiten geprägt wurde, auf die Entwicklung der außenpolitischen Bemühungen und Ziele darzustellen.
Das daran anschließende Kapitel widmet sich dem Thema der allgemeinen Dritten Welt Politik der DDR. Dabei wird der Hauptschwerpunkt der Bearbeitung liegen, welche Bedeutung die Dritte Welt Länder für die DDR, aber auch für das gesamte Kommunistische Lager während des Ost-West Konflikts hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. DDR-Außenpolitik: eine Einführung
3.1. Von der Staatsgründung bis zum Wechsel an der Spitze
3.2. Die Ära Honecker in den 1970er Jahren
4. Die DDR und die Dritte Welt
5. Die Lateinamerikapolitik der DDR
5.1. Die politischen Beziehungen mit Lateinamerika
5.2. Die wirtschaftlichen Beziehungen mit Lateinamerika
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Außenpolitik der DDR in ihrem historischen Kontext zu analysieren, wobei der spezifische Fokus auf den Beziehungen zu lateinamerikanischen Staaten liegt. Es soll aufgezeigt werden, wie die DDR versuchte, internationale Anerkennung zu erlangen und welche ideologischen sowie ökonomischen Motive ihr Handeln gegenüber der sogenannten Dritten Welt leiteten.
- Entwicklung der DDR-Außenpolitik unter Walther Ulbricht und Erich Honecker.
- Die ideologische Rolle der Dritten Welt im außenpolitischen Denken der SED.
- Analyse der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Kuba, Chile und Nicaragua.
- Einfluss der deutschen Teilung und der Hallstein-Doktrin auf das internationale Handeln der DDR.
- Bedeutung von Solidaritätsleistungen und wirtschaftlichem Austausch im Kontext der Systemkonkurrenz.
Auszug aus dem Buch
3.1. Von der Staatsgründung bis zum Wechsel an der Spitze
Die Deutsche Demokratische Republik betrat im Oktober 1949 die internationale Arena im Nachkriegseuropa als ein Staat, der ebenso wie die im Mai desselben Jahres gegründeten Bundesrepublik Deutschland, ein Produkt des Zerfalls der Antihitlerkoalition und deren gemeinsamer Deutschlandpolitik, der Spaltung Europas und des Übergangs zum Kalten Krieg war. Jeder der beiden deutschen Staaten nahm jedoch für sich in Anspruch im „Namen des ganzen deutschen Volkes“ zu sprechen und zu handeln. Beide Staaten bemühten sich darum, den Friedenswillen und den Willen nach nationaler Einheit zu bekunden.
Dies jedoch war anfangs ein Problem der DDR. Sah man den jungen Staat doch gerade in der westlichen Welt, als „Satellitenstaat“ der Sowjetunion. Versuchte sich die DDR formell von dieser Sicht abzulösen, sah die Realität während des gesamten Bestehens der DDR anders aus. „Der große Bruder“, die Sowjetunion, war die Hegemonial- und Führungsmacht im so genannten Ostblock und übte somit großen Einfluss auf die Außenpolitik der DDR aus. Die DDR versuchte aber, sich als eigenständiger, souveräner Staat der Welt zu präsentieren.
Bis zur Mitte der 1950er Jahre war die Deutschlandpolitik, der Gestaltung von Außenbeziehungen aus prinzipiellen und alltagspolitischen Gründen übergeordnet. Gleichzeitig trat die DDR den Bündnissen des Ostblocks bei. 1950 wurde sie Mitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, und 1955 im Warschauer Pakt, nachdem die BRD ein Jahr zuvor der Westeuropäischen Union beigetreten ist. Hierbei zeigt sich, dass viele außenpolitische Handlungen der SED, als Reaktionen auf außenpolitische Handlungen der BRD verstanden und sich somit auch, zumindest indirekt, auf die deutsche Frage bezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Kampf der DDR um internationale Anerkennung und definiert das Ziel der Arbeit, die DDR-Außenpolitik sowie die Lateinamerikapolitik im historischen Wandel darzustellen.
2. Forschungsstand: Das Kapitel thematisiert die begrenzte Quellenlage zur DDR-Außenpolitik, insbesondere hinsichtlich der Beziehungen zu Lateinamerika im Vergleich zu anderen politischen Schwerpunkten.
3. DDR-Außenpolitik: eine Einführung: Hier werden die außenpolitischen Etappen von der Staatsgründung bis zur Ära Honecker beleuchtet, wobei der Fokus auf der Abhängigkeit von der Sowjetunion und dem Streben nach internationaler Anerkennung liegt.
4. Die DDR und die Dritte Welt: Dieser Abschnitt beschreibt, wie die DDR in den 1960er Jahren begann, die Dritte Welt ideologisch als Kampfgebiet gegen den Imperialismus zu definieren und aktiv in ihre Außenpolitik zu integrieren.
5. Die Lateinamerikapolitik der DDR: Das Kernkapitel analysiert die politischen und ökonomischen Beziehungen zu Ländern wie Kuba, Chile und Nicaragua als Bestandteil der DDR-Außenpolitik.
6. Zusammenfassung: Diese Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Lateinamerikapolitik der DDR als Randbereich mit schwankender Bedeutung, der vor allem durch solidarische Leistungen geprägt war.
Schlüsselwörter
DDR-Außenpolitik, Lateinamerikapolitik, SED, Sowjetunion, Kalter Krieg, Dritte Welt, Internationale Anerkennung, Kuba, Nicaragua, Chile, Hallstein-Doktrin, Solidarität, Außenwirtschaft, Systemwettstreit, Erich Honecker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Außenpolitik der DDR und analysiert dabei insbesondere deren Beziehungen zu lateinamerikanischen Staaten im Zeitraum von 1949 bis 1989.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die diplomatische Anerkennung der DDR, das Verhältnis zur Sowjetunion, die Strategie gegenüber der sogenannten Dritten Welt sowie die wirtschaftlichen und politischen Kontakte nach Lateinamerika.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der DDR-Außenpolitik unter den Regierungen Ulbricht und Honecker nachzuzeichnen und die Ziele und Ergebnisse der Lateinamerikapolitik kritisch zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, Dokumenten der DDR-Politik und einer Betrachtung der verschiedenen Epochen der DDR-Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung zur DDR-Außenpolitik, eine Erläuterung der Rolle der Dritten Welt sowie eine detaillierte Betrachtung der politischen und ökonomischen Beziehungen zu spezifischen lateinamerikanischen Ländern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR-Außenpolitik, Kalter Krieg, Lateinamerikapolitik, Systemwettstreit, internationale Anerkennung und der Einfluss der Sowjetunion.
Welche Rolle spielte Kuba in den Außenbeziehungen der DDR?
Kuba wurde als "Leuchtturm der Karibik" wahrgenommen und fungierte als wichtigster politischer und wirtschaftlicher Partner der DDR in Lateinamerika, was sich in intensiven Handelsbeziehungen und Ausbildungsförderungen widerspiegelte.
Warum war die Lateinamerikapolitik der DDR eher begrenzt?
Da die DDR-Außenpolitik vorrangig auf die Absicherung innerhalb des Ostblocks und die deutsche Frage fixiert war, spielten Gebiete außerhalb Europas, wie Lateinamerika, in der Prioritätenliste der SED-Führung meist eine untergeordnete Rolle.
Wie reagierte die DDR auf den Militärputsch in Chile 1973?
Das Politbüro beschloss die sofortige Beendigung der diplomatischen Beziehungen zu Chile, nahm jedoch gleichzeitig tausende politische Emigranten auf und propagierte dies als solidarische Leistung.
- Quote paper
- René Ide (Author), 2009, Die Außenpolitik der DDR unter besonderer Betrachtung der Beziehungen zu Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158425