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Die Entwicklung der Universalmonarchie - Idee in der Frühen Neuzeit

Titel: Die Entwicklung der Universalmonarchie - Idee in der Frühen Neuzeit

Examensarbeit , 2010 , 109 Seiten

Autor:in: Jonas Kessler (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Idee einer umfassenden Weltherrschaft durch einen Kaiser oder Fürsten reicht zurück bis in die Antike. Der Begriff der Universalherrschaft, oder Monarchia Universalis, diente den jeweiligen Zeitgenossen zur Beschreibung der zwischenstaatlichen Politik und zur Hervorhebung von Mächten, die dabei eine herausragende Rolle spielten. Beide Wortbestandteile des Begriffes machen bereits deutlich, dass unter der Universalmonarchie eine „personenbezogene, universale Einzelherrschaft“ verstanden wurde. Die
Universalmonarchie-Idee begegnet in der Frühen Neuzeit allerdings auf verschiedenen Ebenen: Zum beeinhaltet sie die ideelle Vorstellung der Überhöhung eines Herrschers über die anderen Staaten der Welt, was mit dem theologisch begründeten Ansehen desselben verbunden war. In der Regel war der deutsche Kaiser seit dem Mittelalter als dominus mundi Inhaber dieser Würde. Mit dem Aufstieg anderer Mächte wurde ihm diese jedoch zunehmend streitig gemacht. Die andere Ebene berührt mehr das politische Feld. Universalmonarchie wird dementsprechend als eine die ganze Welt, oder eine
größere geographische Einheit wie Europa, umfassende Herrschaft aufgefasst, die sich an tatsächlichen Expansionsbestrebungen orientierte. Bosbach spricht hier von der „weltlich-territorialen Ebene“. Im Zuge der politischen Entwicklungen des 16. und 17. Jahrhunderts beeinflussten sich diese beiden Vorstellungsebenen ganz zweifelsohne. Häufig flossen beide Ebenen zusammen.
In der Frühen Neuzeit wurde die Universalmonarchie beispielsweise, wie in der
neueren Forschung oft betont wird, auf politischer Ebene zu einem Kampfbegriff. Die propagandistische Instrumentalisierung des Begriffes diente zur Schaffung neuer Feindbilder und letztlich zu nicht weniger als zur Legitimation von kriegerischen Konflikten.
Gleichzeitig bedienten sich die Propagandisten jedoch auch heilsgeschichtlicher und theologischer Begründnungszusammenhänge, um gegen oder für die Universalmonarchie zu argumentieren. Im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen, die mit dem Dreißigjährigen Krieg einen neuen, europaweiten Höhepunkt erreicht hatten, trug
somit die Universalmonarchie-Idee zur politischen und religiösen Frontenbildung bei und beeinflusste damit die politische Ereignisgeschichte in Europa bis ins späte 17. Jahrhundert hinein. Die Erforschung der Entwicklung dieser Idee ist daher für die politische Ideengeschichte äußerst relevant.[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Bedeutung des Begriffes der Universalmonarchie

2. Die Grundlagen des Begriffes der Monarchia Universalis im Mittelalter

3. „Rey de Romanos, y Enperador del mundo“ – Vorstellungen von der Weltherrschaft Karls V.

3.1. Die universalistische Herrschaftsidee Mercurino di Gattinaras

3.2. Die Stellung Karls als König von Spanien nach Pedro Ruiz de la Mota

3.3. Hernán Cortés und der Einfluss der Conquista auf die Weltreichidee

3.4. Das Selbstverständnis Karls V.

3.5. Die Herrschaftssymbolik Karls V.

4. Ansätze zur Überwindung der Universalreichidee im 16. Jahrhundert

4.1. Die Zweifel der Reformatoren an der alten Monarchienlehre

4.2. Jean Bodins Angriff auf den kaiserlichen Vorrang

5. Die spanische Universalmonarchie der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

5.1. Antispanische Propaganda am Beispiel Philippe de Marnix’

5.2. Die prospanische Propaganda des Andreas Hoius

5.3. Spanien als Träger der Universalmonarchie im Werk Tommaso Campanellas

5.4. Die herrschaftliche Repräsentation Philipps II.

6. Die antispanische Propaganda und die Furcht vor der „Fünfften Monarchie“ in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

6.1. „Wolmeinender/warhaffter Discurs“ und „Spannische Sturmglock“

6.2. Spanisch Mucken Pulver

7. Die kaiserliche Universalmonarchie nach der Abdankung Karls V.

7.1. Der Kaiser als Herrscher über die vierte Monarchie

7.2. Bildliche Darstellungen

8. Die Universalmonarchie Ludwigs XIV.

8.1. Antoine Auberys Ruf nach einem französischen Kaisertum

8.2. Die französische Universalmonarchie in der deutschen Publizistik

9. Die Auflösung der alten Universalmonarchienlehre seit dem 17. Jahrhundert

9.1. Christoph Besolds Überlegungen zur Universalmonarchie

9.2. Die Angriffe auf die Universalreichidee seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert

10. Zusammenfassung

11. Anhang

11.1. Quellen

11.2. Darstellungen

11.3. Abbildungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Bedeutung des Begriffs der Universalmonarchie (Monarchia Universalis) in der Frühen Neuzeit, wobei sie insbesondere die propagandistische Instrumentalisierung und die theologische Legitimierung sowie deren Wandel im Kontext machtpolitischer Umbrüche analysiert.

  • Die Evolution der Universalmonarchie-Idee vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert.
  • Die Rolle Karls V. als "letzter Kaiser des Mittelalters" und das spanische Weltreich.
  • Die Transformation der Universalmonarchie zum politischen Kampfbegriff im 16. und 17. Jahrhundert.
  • Die Bedeutung der biblischen Prophetie (Danielsprophezeiung) für die Herrschaftslegitimation.
  • Die Auflösung der alten Monarchienlehre und der Übergang zu modernen Souveränitäts- und Gleichgewichtskonzepten.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die universalistische Herrschaftsidee Mercurino di Gattinaras

In den ersten Jahren seiner Herrschaft stand Karl mit Mercurino di Gattinara ein energischer Verfechter der universalen Kaiseridee als Großkanzler zur Seite. Er sollte von 1518 bis zu seinem Tode im Jahre 1530 den noch jungen König und späteren Kaiser maßgeblich in seiner Außenpolitik beeinflussen. Gattinara stammte aus einer piemonteser Adelsfamilie und studierte Rechtswissenschaften in Turin. 1501 oder 1502 betrat er erstmals die politische Bühne. Herzog Philibert von Savoyen empfahl den begabten Juristen seiner Gattin Margarete von Österreich, der Tochter Kaiser Maximilians I., als politischen Ratgeber. Zu dieser Zeit war Gattinara bereits durch sein Studium des Römischen Rechts und der Auseinandersetzung mit Werken wie Dantes Monarchia im Sinne eines universalen Kaisertums beeinflusst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Bedeutung des Begriffes der Universalmonarchie: Einführung in die ideengeschichtliche Bedeutung des Begriffs als Kampfbegriff und als religiös-politische Vorstellung.

2. Die Grundlagen des Begriffes der Monarchia Universalis im Mittelalter: Darstellung der mittelalterlichen Wurzeln, insbesondere des römischen Kaisertums, des Papsttums und der biblischen Danielsprophezeiung.

3. „Rey de Romanos, y Enperador del mundo“ – Vorstellungen von der Weltherrschaft Karls V.: Analyse der imperialen Herrschaftsvorstellungen unter Karl V. durch Berater wie Gattinara und Cortés.

4. Ansätze zur Überwindung der Universalreichidee im 16. Jahrhundert: Untersuchung der theologischen Zweifel der Reformatoren und der staatstheoretischen Kritik von Jean Bodin.

5. Die spanische Universalmonarchie der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Betrachtung der Verlagerung der Universalmonarchie-Idee auf das spanische Weltreich und der prospanischen Propaganda.

6. Die antispanische Propaganda und die Furcht vor der „Fünfften Monarchie“ in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: Analyse der massiven antispanischen Flugschriftenpropaganda während des Dreißigjährigen Krieges.

7. Die kaiserliche Universalmonarchie nach der Abdankung Karls V.: Untersuchung des Überlebens kaiserlicher Herrschaftsansprüche und der rechtlichen Diskurse im 17. Jahrhundert.

8. Die Universalmonarchie Ludwigs XIV.: Darstellung der Übertragung der Universalmonarchie-Idee auf das Frankreich Ludwigs XIV. und die publizistischen Reaktionen darauf.

9. Die Auflösung der alten Universalmonarchienlehre seit dem 17. Jahrhundert: Analyse der zunehmenden Profanisierung und der Kritik durch Aufklärer, die das Ende der traditionellen Monarchienlehre einleitete.

10. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Entwicklung der Universalmonarchie-Idee und deren allmählichem Bedeutungsverlust.

11. Anhang: Auflistung der verwendeten Quellen, Darstellungen und Abbildungen.

Schlüsselwörter

Universalmonarchie, Monarchia Universalis, Karl V., Philipp II., Ludwig XIV., Danielsprophezeiung, politische Propaganda, Frühe Neuzeit, Kaiserherrschaft, Souveränität, Reformationsgeschichte, Weltherrschaftsidee, Staatsrechtslehre, Politische Ideengeschichte, Gleichgewichtsdenken.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wandlung und Bedeutung des Begriffs und der Idee der "Universalmonarchie" vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert, mit Fokus auf die Frühe Neuzeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Herrschaftslegitimation, die Rolle der biblischen Prophetie, die Funktion des Begriffs als Kampfinstrument in der Propaganda sowie das Verhältnis zwischen kaiserlicher und staatlicher Souveränität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Vorstellung einer christlichen Weltherrschaft vor dem Hintergrund politischer und religiöser Umbrüche (wie Reformation und Dreißigjähriger Krieg) von einer theologischen Kategorie in ein säkulares, politisches Kampf- und Legitimationskonzept wandelte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskurs- und ideengeschichtliche Quellenanalyse, wobei sie zeitgenössische Traktate, Pamphlete, staatsrechtliche Abhandlungen und bildliche Darstellungen (wie Kupferstiche und Tapisserien) auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch die Universalmonarchie-Konzepte unter Karl V., Philipp II. und Ludwig XIV. sowie die scharfe propagandistische Auseinandersetzung während der Religionskriege und des 17. Jahrhunderts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Universalmonarchie, Souveränität, Propaganda, Danielsprophezeiung und politische Ideengeschichte charakterisieren.

Welche Rolle spielt die Danielsprophezeiung konkret?

Die Danielsprophezeiung diente als "geschichtstheologisches Gerüst". Sie wurde genutzt, um die Herrschaft eines Monarchen (Kaiser oder spanischer König) als göttlich legitimierte "vierte" oder "fünfte" Weltmonarchie darzustellen oder – von protestantischer Seite – als illegitim zu diskreditieren.

Wie bewertet die Arbeit den Machtverfall des Kaisertums?

Die Arbeit zeigt, dass trotz des realpolitischen Machtverlusts die ideelle Vorstellung des "dominus mundi" und des kaiserlichen Vorrangs im deutschen Reichsrecht und in der juristischen Debatte des 17. Jahrhunderts bemerkenswert zählebig blieb, um den kaiserlichen Anspruch zu verteidigen.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Entwicklung der Universalmonarchie - Idee in der Frühen Neuzeit
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Autor
Jonas Kessler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
109
Katalognummer
V158405
ISBN (Buch)
9783640714254
ISBN (eBook)
9783640714278
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung Universalmonarchie Idee Neuzeit Frühe Karl V. Philipp II Ludwig XIV. Kaiseridee Herrschaftsideologie Danielsprophezeiung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jonas Kessler (Autor:in), 2010, Die Entwicklung der Universalmonarchie - Idee in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158405
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