„Duftender Hafen“ - so ist der Name einer Finanz-, Geschäfts- und Kulturmetropole an der chinesischen Südküste der Volksrepublik China, welche dem ökonomischen Ideals eines Freihandel praktizierenden Landes wohl am ehesten entspricht. Gemeint ist damit natürlich die Sonderverwaltungszone namens Hongkong. Die Stadt, die zwar zur Volksrepublik China gehört, jedoch eine weitergehend unabhängige Wirtschaftspolitik ohne Importzölle oder Importquoten betreibt. Ein Beispiel für Freihandel, dass in der Realität moderner Volkswirtschaften schwer zu finden ist. Viele Volkswirtschaften ergreifen protektionistische Maßnahmen. Dies steht jedoch im Gegensatz zu unseren bisherigen Erkenntnissen über die Grundaussagen der Außenhandelstheorie, in der die Wohlfahrt eines Landes durch Freihandel maximiert wird.
Warum aber existiert zwischen Theorie und Realität ein so großer Unterschied? Warum verfolgen so viele Länder eine Handelspolitik mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen und warum ist sogar eher ein Trend in Richtung Protektionismus zu beobachten?
Intention dieser Seminararbeit ist, diese Frage zu beantworten. Warum trotz rationaler Analysen und logischer Argumente, die politische Wirklichkeit anders aussieht als die ökonomische Theorie sie uns in Modellen lehrt. Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. In den ersten beiden Abschnitten soll zusammengetragen werden, welche Argumente für und welche Gründe gegen den Freihandel sprechen. Anschließend wird dem Leser im vierten Kapitel gezeigt, warum Protektionismus von verschiedenen Gruppen verfolgt wird. Abschließend erfolgt im Fazit die Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse, sowie die Beantwortung der oben aufgeworfenen Frage.
1. Einleitung
2. Argumente für den Freihandel
2.1 Das Effizienzargument
2.2 Zusätzliche Gewinne aus dem Freihandel
2.3 Rent-Seeking
2.4 Die politischen Gründe
3. Argumente gegen den Freihandel
3.1 Das Terms of Trade Argument
3.2 Das Technologie – Argument
3.3 Das Marktversagen im Inland
4. Einkommensverteilung und Handelspolitik
4.1 Der Politische Markt des Protektionismus
4.2 Kollektives Handeln
4.3 Der Politische Prozess
5. Fazit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Argumente für den Freihandel
2.1 Das Effizienzargument
2.2 Zusätzliche Gewinne aus dem Freihandel
2.3 Rent-Seeking
2.4 Die politischen Gründe
3. Argumente gegen den Freihandel
3.1 Das Terms of Trade Argument
3.2 Das Technologie – Argument
3.3 Das Marktversagen im Inland
4. Einkommensverteilung und Handelspolitik
4.1 Der Politische Markt des Protektionismus
4.2 Kollektives Handeln
4.3 Der Politische Prozess
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der ökonomischen Theorie, die den Freihandel als wohlfahrtsmaximierend propagiert, und der politischen Realität, in der häufig protektionistische Maßnahmen Anwendung finden. Ziel ist es, die Motive für diese Abweichung zu analysieren und zu erklären, warum politische Akteure trotz gegenteiliger ökonomischer Evidenz protektionistische Strategien verfolgen.
- Gegenüberstellung von Freihandelsargumenten und protektionistischen Ansätzen
- Analyse ökonomischer Wohlfahrtswirkungen von Handelshemmnissen
- Untersuchung des politischen Marktes für Protektionismus
- Rolle von Interessengruppen und kollektivem Handeln bei handelspolitischen Entscheidungen
- Einfluss der öffentlichen Verwaltung und politischer Prozesse auf die Handelspolitik
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Effizienzargument
Betrachtet man die offene Volkswirtschaft eines kleinen Landes, welche keinen Einfluss auf die internationale Preisbildung hat und somit Preisnehmer ist, so kommt es bei der Erhebung eines Zolls zu Wohlfahrtsverlusten in Form von Produktionsverzerrungen (Fläche b) und Konsumtenverzerrungen (Fläche d) wie sie in Abbildung 1 dargestellt werden. Kumuliert weisen diese Flächen den gesamten Effizienzverlust bei der Erhebung eines Zolls auf. Ziel einer Freihandelspolitik ist demnach die Eliminierung dieser Verzerrungen, um somit einen Beitrag zur Steigerung der nationalen Wohlfahrt zu leisten.
Ein Übergang zum Freihandel würde also die nationale Wohlfahrt steigern, weil der Effizienzverlust, in Form von Fläche b und d in Abbildung 1, wegfallen würde. Der Wohlfahrtsgewinn eines solchen Übergangs fällt jedoch gemäß statischer Studien sehr gering aus. So antizipierte Johnson in seiner Studie von 1958 beispielsweise den Wohlfahrtsgewinn für Großbritannien bei einer Beseitigung der Zölle gegenüber der Europäischen Gemeinschaft (EU) mit bestenfalls 1% des Sozialproduktes. 1972 veröffentlichte Magee ebenfalls in einer statischen Studie seine Ergebnisse über die Höhe der Wohlfahrtsgewinne. Bei einer Beseitigung der Importzölle der Vereinigten Staaten (USA), würde dieser Wandel demnach zu einer Wohlfahrtssteigerung von 0,5% bis 0,7% führen. Statische Studien vernachlässigen allerdings, dass sich der Nutzen von Zollreduktion sich erst im Laufe der Zeit einstellt.
Dynamische Studien dagegen berücksichtigen dies, indem sie den Gegenwartswert der Zollreduktionen mit dem anwachsenden Nutzen berechnen, der im Ablauf der Zeit entsteht. So kommen dynamische Studien zum Ergebnis, dass sich ein erheblicher Wohlfahrtsgewinn durch eine Zollreduktion erreichen lässt. Easton und Grubel kommen sogar zu dem Ergebnis, dass der Wohlfahrtsgewinn einer zuvor erfolgten Zollreduktion eine zunehmende Funktion der Zeit sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Kontrast zwischen der ökonomischen Theorie des Freihandels und der protektionistischen Realität und definiert die Fragestellung der Arbeit.
2. Argumente für den Freihandel: Dieses Kapitel erläutert ökonomische Vorteile wie Effizienzsteigerung, Skaleneffekte und die Vermeidung von Rent-Seeking als Gründe gegen staatliche Handelseingriffe.
3. Argumente gegen den Freihandel: Hier werden theoretische Ansätze wie das Terms of Trade-Argument, das Technologie-Argument und inländisches Marktversagen als potenzielle Rechtfertigungen für Protektionismus analysiert.
4. Einkommensverteilung und Handelspolitik: Der Abschnitt untersucht den politischen Markt, auf dem Interessengruppen und Akteure versuchen, handelspolitische Entscheidungen zu ihrem Vorteil zu beeinflussen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass das Verständnis des politischen Prozesses essenziell ist, um die Lücke zwischen ökonomischer Theorie und politischer Praxis zu schließen.
Schlüsselwörter
Freihandel, Protektionismus, Außenhandelstheorie, Wohlfahrtsverlust, Effizienzargument, Rent-Seeking, Terms of Trade, Optimalzoll, Infant Industries, Marktversagen, Interessengruppen, politischer Markt, kollektives Handeln, Handelspolitik, Wohlfahrtssteigerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Länder in der Praxis protektionistische Handelspolitiken betreiben, obwohl die ökonomische Theorie den Freihandel als wohlfahrtsmaximierend ausweist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Argumente für und gegen den Freihandel sowie die Einflüsse von Interessengruppen und politischen Entscheidungsprozessen auf die Handelspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gründe für die Diskrepanz zwischen der ökonomischen Lehrmeinung und der politisch-wirtschaftlichen Realität zu identifizieren und zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der existierende wirtschaftswissenschaftliche Modelle und Studien zu Außenhandel und politischer Ökonomie herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die ökonomischen Argumente für den Freihandel, die theoretischen Gegenargumente sowie die politische Ökonomie hinter der Umsetzung von protektionistischen Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Protektionismus, Freihandel, politischer Markt, Interessengruppen, Effizienzargument und Wohlfahrtsökonomie.
Was besagt das "Terms of Trade"-Argument konkret?
Es besagt, dass eine große Volkswirtschaft durch Zölle ihre Terms of Trade verbessern und somit die nationale Wohlfahrt erhöhen kann, sofern die Vorteile die Effizienzverluste übersteigen.
Warum haben kleine Interessengruppen oft mehr politischen Einfluss als die breite Masse der Konsumenten?
Aufgrund von Problemen kollektiven Handelns sind kleine Gruppen besser organisiert und motiviert, ihre Interessen durchzusetzen, während Konsumenten als breite Masse weniger politisch aktiv sind.
- Arbeit zitieren
- Tristan Mann (Autor:in), 2010, Die Politische Ökonomie der Handelspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158395