Der medienpädagogisch und –bildend arbeitende Bildungswissenschaftler kann in der schulischen wie außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit ebenso tätig sein, wie in der Lehrerfortbildung, der (betrieblichen oder allgemeinen) Erwachsenenbildung oder der (außer-)universitären Forschung. Zu seinen Aufgaben gehört neben der Analyse traditioneller und neuer Medien für den Einsatz in Schulungsmaßnahmen die Erarbeitung medienpädagogischer Konzepte für verschiedenste Bildungseinrichtungen, sowie die Gestaltung, Umsetzung und Evaluation eigener Projekte u.v.m. Daher muss der Bildungswissenschaftler neben bildungs- und medientheoretischem Wissen über zahlreiche Kompetenzen verfügen: er muss technisch versiert sein sowie analytische, methodische, organisatorische und gestalterische Kompetenzen besitzen (Neuß, 2003, S. 249ff.).
Das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign (4C/ID) Modell wurde in den 1990er Jahren von Jeroen van Merriënboer speziell für das Training solch komplexer kognitiver Fähigkeiten entwickelt und findet inzwischen in vielen Bereichen Anwendung. Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die exemplarische Entwicklung eines Lehrplanentwurfs (Blueprint) für die Aus- und Weiterbildung von Bildungswissenschaftlern im Bereich der Medienpädagogik auf Grundlage dieses 4C/ID Modells. Daran schließen sich Überlegungen zu Lerntheorien und zum situierten Lernen an, die zum 4C/ID Modell in Bezug gesetzt werden. Darüber hinaus werden mögliche didaktische Szenarien erörtert, sowie für die Umsetzung und Unterstützung des Lehrplanentwurfs geeignete Medien vorgestellt. Den Abschluss bildet eine zusammenfassende Bewertung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das 4C/ID Modell in der praktischen Umsetzung
2.1. Analyse der Kompetenz und Erstellen einer Fertigkeitenhierarchie
2.2. Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3. Entwurf von Lernaufgaben
2.4. Unterstützende Informationen
2.5. Just-in-time Informationen
3. Das 4C/ID Modell in der Theorie
3.1. Lerntheoretische Überlegungen
3.2. Situiertes Lernen
3.3. Didaktische Szenarien zur Integration in das 4C/ID Modell
3.4. Medien zur Unterstützung des Lehrplanentwurfs
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen exemplarischen Lehrplanentwurf (Blueprint) für die Aus- und Weiterbildung von Bildungswissenschaftlern im Bereich der Medienpädagogik zu erstellen, wobei das 4C/ID-Modell als theoretische und methodische Grundlage dient. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie komplexe kognitive Fertigkeiten durch dieses Instruktionsdesign-Modell strukturiert und durch didaktische Szenarien sowie geeignete Medien unterstützt vermittelt werden können.
- Analyse von Kompetenzen und Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie
- Strukturierung von Lerninhalten durch das 4C/ID-Modell
- Integration lerntheoretischer Ansätze und situierten Lernens
- Einsatz didaktischer Szenarien und Medien in Blended-Learning-Umgebungen
Auszug aus dem Buch
2.4. Unterstützende Informationen
Unterstützende Informationen helfen den Lernern bei der Bewältigung der nicht wiederkehrenden Aspekte der Lernaufgaben und schlagen eine Brücke „between what learners already know and their work on the learning tasks“ (van Merriënboer et al., 2002, S. 46). Sie stellen als allgemeingültige Informationen die „Theorie“ für die zu erlernenden Fertigkeiten dar und werden daher zu Beginn einer Aufgabenklasse präsentiert. Da alle Lernaufgaben einer Aufgabenklasse auf dem gleichen Wissenskanon basieren, beziehen sich unterstützende Informationen nicht auf einzelne Lernaufgaben, sondern auf eine komplette Aufgabenklasse und bleiben während der gesamten Bearbeitungszeit verfügbar (s. Abb. 5,) dargestellt durch die grauen Balken vor und unter einer Aufgabenklasse). Die unterstützenden Informationen für darauf folgende Aufgabenklassen sind eine Erweiterung bzw. Weiterentwicklung der vorangegangen Informationen.
Bevor unterstützende Informationen entworfen werden können, müssen zunächst die mentalen Modelle und kognitiven Strategien analysiert werden, über die ein Experte auf dem Gebiet üblicherweise verfügt. Mentale Modelle sind „declarative representations of how the world is organized“ (van Merriënboer et al., 2002, S. 48) und können – ebenso wie kognitive Strategien – sowohl abstraktes Wissen als auch konkrete Fälle, die dieses Wissen veranschaulichen, beinhalten. Das 4C/ID Modell unterscheidet drei Arten mentaler Modelle: konzeptuelle (Was ist es?), strukturelle (Wie wird es organisiert?) und kausale Modelle (Wie wirkt es?), die bei der Präsentation der unterstützenden Informationen am besten durch konkrete Fälle oder Fallstudien vermittelt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel zur Informationsgesellschaft und die daraus resultierenden Anforderungen an Bildungswissenschaftler, medienpädagogische Kompetenzen zu erwerben.
2. Das 4C/ID Modell in der praktischen Umsetzung: Dieses Kapitel beschreibt die Anwendung des Modells auf die Ausbildung von Bildungswissenschaftlern, beginnend mit der Fertigkeitenanalyse bis hin zum Entwurf von Lernaufgaben und unterstützenden Informationen.
3. Das 4C/ID Modell in der Theorie: Hier werden lerntheoretische Grundlagen, das Konzept des situierten Lernens und Möglichkeiten der didaktischen Szenario-Integration in das 4C/ID-Modell diskutiert.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert die Eignung des 4C/ID-Modells zur Gestaltung komplexer Trainingsumgebungen, die Theorie und Praxis effektiv verbinden.
Schlüsselwörter
4C/ID Modell, Instruktionsdesign, Bildungswissenschaft, Medienpädagogik, Lehrplanentwurf, Kompetenzerwerb, kognitive Belastung, Scaffolding, situiertes Lernen, Lernaufgaben, Blended-Learning, didaktische Szenarien, Medien, Fallmethode, berufliche Praxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4C/ID) zur Entwicklung eines Trainingskonzepts für Bildungswissenschaftler im Bereich Medienpädagogik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Analyse beruflicher Kompetenzen, die Gestaltung authentischer Lernumgebungen, die theoretische Fundierung durch lerntheoretische Ansätze sowie die Auswahl passender Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die exemplarische Erstellung eines Lehrplanentwurfs (Blueprint), der zeigt, wie komplexe berufliche Anforderungen strukturiert erlernt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin nutzt das 4C/ID-Modell von Jeroen van Merriënboer als theoretisches Framework und leitet daraus einen praktischen Trainingsentwurf ab.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Umsetzung des 4C/ID-Modells inklusive Aufgabenklassen-Sequenzierung sowie eine theoretische Einordnung in lerntheoretische Kontexte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Besonders prägend sind Begriffe wie 4C/ID-Modell, Instruktionsdesign, Medienpädagogik, Kompetenzerwerb und situiertes Lernen.
Welche Rolle spielt der Tutor im Modell?
Der Tutor agiert als Experte, der im Sinne von „Assistant looking over your shoulder“ (ALOYS) unterstützende und Just-in-time-Informationen bereitstellt und Feedback gibt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Medien wichtig?
Primäre Medien beziehen sich auf die Lernaufgaben als Kernstück, während sekundäre Medien die notwendige Unterstützung für die anderen Komponenten des Modells liefern.
- Arbeit zitieren
- Jutta Stöppel (Autor:in), 2010, Der Bildungswissenschaftler/in im Bereich der Medienpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158370