Ausgehend von der Annahme, der Horrorfilm löse Furcht und Schrecken aus, so muss er dem Betrachter auch eine Identifikation mit den dargestellten Figuren ermöglichen. Denn nur wenn dieser die Bedrohung im Film auf seine eigenen, realen Lebensumstände übertragen kann, nimmt er die Gefahr auch ernst. Als Projektionsfläche für die Ängste des Menschen muss das Horrorgenre die sozialen Gemeinschaften, in denen der Mensch lebt, abbilden und deren Zerstörung thematisieren. Daher widmet sich diese Arbeit der Frage, auf welche Art und Weise gesellschaftliche Strukturen im Horrorfilm dargestellt und destruiert werden.
Hierzu werden einige der bedeutendsten Werke des Genres beleuchtet - neben Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari" und Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" sind dies auch Hitchcocks "Psycho" und "A Nightmare on Elm Street" von Wes Craven.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Eine kurze Historie des Horrorfilms
II. Die Lokalisierung der Bedrohung im Horrorfilm
Robert Wiene: Das Cabinet des Dr. Caligari
1. Der klassische Horrorfilm
Friedrich W. Murnau: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
2. Der moderne Horrorfilm
Alfred Hitchcock: Psycho
III. Die Familie im Horrorfilm
Wes Craven: A Nightmare on Elm Street
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Strukturen und deren Veränderung im Horrorfilm dargestellt und destruiert werden. Dabei wird analysiert, inwieweit das Genre als Reflexionsmedium für zeitgenössische Ängste und soziale Konflikte fungiert und wie sich die Lokalisierung der Bedrohung vom klassischen zum modernen Horrorfilm gewandelt hat.
- Historische Entwicklung des Horrorgenres im 20. Jahrhundert
- Verlagerung der Bedrohung von außen in das Zentrum der Gesellschaft
- Die psychologische Dimension des Bösen im modernen Horrorfilm
- Die Rolle der Familie als Ursprung und Ziel der filmischen Bedrohung
- Gesellschaftliche Bedeutung des Erwachsenwerdens und Generationenkonflikte
Auszug aus dem Buch
Die Lokalisierung der Bedrohung im Horrorfilm
Vor die Aufgabe gestellt, die Thematik des Horrorfilms in nur einem Wort zu fassen, mag sich zunächst eine Vielzahl an Begriffen aufdrängen, doch einer unter ihnen scheint in einer Art und Weise mit dem Genre verbunden zu sein, sodass es ohne diesen nicht auszukommen vermag: Die Konfrontation. Denn im Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Auffassungen von Moral, im „ewigen Kampf zwischen Gut und Böse“ findet sich das Grundmotiv des Horrorfilms. Es tritt hierbei in zwei voneinander zu unterscheidenden Formen auf: Zunächst ist die individuelle Ebene zu nennen, auf welcher dem Zuschauer die Verletzbarkeit des menschlichen Körpers vor Augen geführt wird, indem das Eindringen der Waffe in eben diesen explizit dargestellt wird.
Diese auf die Körperlichkeit fixierte Art der Darstellung steigere sich in vielen Fällen bis hin zur „Auflösung und Destruktion des Körpers“, sodass beim Zuschauer ganz bewusst eine ebenfalls körperliche Reaktion, nämlich jene des Ekels, hervorgerufen werde. Darüber hinaus ist auch die gesellschaftliche Ordnung einer essentiellen Gefahr ausgesetzt: Ihre sozialen Gemeinschaften, von der Familie bis hin zur gesamten Menschheit, drohen im Horrorfilm zerstört zu werden. Die Bedrohung, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene, ist dem Genre also immanent. Sie ist im Horrorfilm die treibende Kraft, welche als Auslöser für das Handeln der Figuren und Grund für die Reaktionen des Publikums zugleich fungiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Funktion des filmischen Schreckens anhand der aristotelischen Katharsisthese und stellt die Relevanz des Horrorfilms als Medium zur Reflexion gesellschaftlicher Ängste dar.
I. Eine kurze Historie des Horrorfilms: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des Genres von der Schauerliteratur über die Science-Fiction-Ängste der fünfziger Jahre bis hin zum Slasher-Film und der ökonomischen Kommerzialisierung nach.
II. Die Lokalisierung der Bedrohung im Horrorfilm: Hier wird untersucht, wie sich die Bedrohung von einer externen Einwirkung (demonstriert an Das Cabinet des Dr. Caligari und Nosferatu) hin zu einer internen, psychologischen Gefahr (dargestellt in Psycho) verschoben hat.
III. Die Familie im Horrorfilm: Das Kapitel analysiert anhand von A Nightmare on Elm Street, wie die Familie im modernen Horrorfilm zum Ort des Schreckens wird und den Generationenkonflikt sowie den Prozess des Erwachsenwerdens thematisiert.
Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass der Horrorfilm als Spiegel gesellschaftlicher Zusammenhänge dient und die Zerstörung sozialer Strukturen in der inneren Beschaffenheit der jeweiligen Gesellschaft begründet.
Schlüsselwörter
Horrorfilm, Gesellschaftsanalyse, Katharsisthese, Nosferatu, Psycho, A Nightmare on Elm Street, Bedrohung, Familie, Adoleszenz, Psychologie, Kulturindustrie, New Hollywood, Slasher, Generationenkonflikt, Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Destruktion gesellschaftlicher Strukturen im Horrorfilm und untersucht, wie das Genre soziale Ängste in fiktionale Schreckensvisionen übersetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung des Horrorfilms, die Verschiebung der Bedrohungsorte, die Rolle der Familie und die Reflexion gesellschaftlicher Krisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Veränderungen die Grundstruktur des Horrorfilms beeinflussen und auf welche Weise das Genre soziale Ordnung und deren Zusammenbruch thematisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die auf der Untersuchung zentraler Genre-Werke in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Untersuchung der Lokalisierung der Bedrohung anhand klassischer und moderner Beispiele sowie eine Analyse der Familie als zentrales Motiv.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Horrorfilm, gesellschaftliche Strukturen, Bedrohung, Familie, Psychologie, Gewalt und Adoleszenz.
Warum spielt die Familie im modernen Horrorfilm eine so wichtige Rolle?
Die Familie fungiert im modernen Horrorfilm nicht mehr nur als Ort der Sicherheit, sondern oft als Quelle des gestörten Verhältnisses oder der Unterdrückung, was den Generationenkonflikt unterstreicht.
Inwiefern unterscheidet sich die Bedrohung bei Nosferatu von der in Psycho?
In Nosferatu bricht das Böse von außen in die Gesellschaft ein, während in Psycho die Bedrohung aus dem Inneren der menschlichen Psyche und dem Kern der Familienstruktur erwächst.
Welche Bedeutung hat das Erwachsenwerden in A Nightmare on Elm Street?
Das Erwachsenwerden stellt einen zentralen Konflikt dar, bei dem Jugendliche gezwungen sind, sich mit elterlichen Taten und verdrängter Gewalt auseinanderzusetzen, um ihre eigene Identität zu finden.
- Arbeit zitieren
- Martin Alberts (Autor:in), 2010, Zur Darstellung gesellschaftlicher Strukturen im Horrorfilm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158364