Betrachtet man die Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas nebeneinander, so fällt auf, dass es hier große Überschneidungen gibt. Hier stellt sich dann die Frage, wie diese drei Evangelien inhaltlich und geschichtlich zusammenhängen. Dabei kann festgestellt werden, dass Matthäus und Lukas jeweils das Markusevangelium fast vollständige übernommen haben. Hinzu kommen Teile, welche nur bei dem einzelnen Autor zu finden sind, also einem jeweiligen Sondergut entstammen. Neben diesen beiden Quellen für Matthäus und Lukas gibt es als drittes die so genannte Redequelle oder Logienquelle Q. Auf diese Quelle kann aus den Übereinstimmungen zwischen Matthäus und Lukas geschlossen werden, welche nicht dem Markusevangelium entstammen. Für Matthäus und Lukas kommt man somit zur so genannten Zwei-Quellen-Theorie, d.h. neben dem jeweils eigenem Sondergut werden die Logienquelle Q und das Markusevangelium als Quellen angenommen.
In der vorliegenden Arbeit wird zunächst auf die Logienquelle eingegangen, in einem zweiten Schritt wird eine kurze Hinführung zum Lukasevangelium, seinem Aufbau und seiner Rezeption der Logienquelle gegeben werden, um dann im dritten Schritt speziell auf die Aussendungsrede in Lk 10,1-16 einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE LOGIENQUELLE Q
2.1. DIE LOGIENQUELLE – NUR EINE HYPOTHESE DER FORSCHUNG?
2.2. DIE LOGIENQUELLE – EINE SAMMLUNG VON JESUS-WORTEN?
3. DAS EVANGELIUM NACH LUKAS
3.1. GENERELLER AUFBAU UND BESONDERHEITEN
3.2. DIE REZEPTION DER LOGIENQUELLE BEI LUKAS
4. DIE AUSSENDUNGSREDE IN LK 10,1-16
4.1. VORBEMERKUNGEN - DER LUKANISCHE „REISEBERICHT“ LK 9,51 – 19,27
4.2. DIE AUSSENDUNGSREDE LK 10,1-16
4.2.1. Q als Quelle für diesen Text – Gegenüberstellung des Textes von Mt und Lk
4.2.2. Auslegung der Lk-Perikope
5. SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Logienquelle Q im Lukasevangelium anhand der beispielhaften Analyse der Aussendungsrede in Lk 10,1-16. Dabei wird erforscht, wie der Evangelist Lukas die Q-Quelle strukturell und theologisch in sein Werk integriert, um seine spezifischen missionarischen und ekklesiologischen Aussagen zu präzisieren.
- Analyse der Zwei-Quellen-Theorie und des Stellenwerts der Logienquelle Q.
- Untersuchung der lukanischen Redaktion und des Aufbaus des Lukasevangeliums.
- Exegese der Aussendungsrede Lk 10,1-16 im Kontext des lukanischen "Reiseberichts".
- Gegenüberstellung und Vergleich der lukanischen Textfassung mit den Parallelen bei Matthäus.
- Erörterung der nachösterlichen Relevanz der Missionsanweisungen für die christliche Gemeinde.
Auszug aus dem Buch
4.2.2. Auslegung der Lk-Perikope
V1 kann neben der Bedeutung als Einleitung für die gesamte Aussendungsrede auch als eigenständige Einheit betrachtet werden, in der eine Aktion Jesu beschrieben wird. Mit der Benennung Jesu als Herr wird eine über das irdische Wirken Jesu hinausgehende Bedeutung der Aussendung deutlich. Dass er die Jünger paarweise in Städte voraus sendet, in welche er selbst gehen will, macht sie zu offiziellen Boten. Die Anzahl der Ausgesendeten ist umstritten. So wird von einigen 70 von anderen 72 gelesen. Für die Lesart 70 könnte sprechen, dass es sich dabei um eine heilige Zahl handelt und mit dieser Zahl an die 70 Ältesten erinnert werden kann, auf welche Gott in Num11,17.24 vom Geist des Mose legte. Es könnte aber mit der Zahl 72 auch auf die Völker der Welt Bezug genommen worden sein um zu verdeutlichen, dass die Boten zu allen Völkern gesandt werden.
V2 erklärt das Erfordernis einer größeren Zahl von Helfern und ruft zum Gebet auf. Dabei deutet das Bild von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern auf die eschatologische Dimension hin. Nach Schürmann sind es diejenigen, die Jesus als Boten aussendet, welche um weitere Arbeiter bitten sollen und gleichzeitig sind sie es, denen auch in nachösterlicher Zeit die weitere Evangelisation besonders am Herzen liegt. Dass es dabei allein bei Gott liegt, weitere Helfer zu berufen, zeigt sich in der Aufforderung zum Gebet um diese. Im Gegensatz zu Schürmann ist Zeller der Meinung, dass die Aufforderung zum Gebet um weitere Helfer an einen größeren Kreis von Jüngern ergangen ist und nicht an die später Ausgesendeten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die synoptische Frage, die Zwei-Quellen-Theorie und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Analyse der Aussendungsrede.
2. DIE LOGIENQUELLE Q: Erörterung des Forschungsstandes zur Q-Quelle, ihrer Rekonstruktion und der Diskussion über ihren Charakter als Spruchsammlung.
3. DAS EVANGELIUM NACH LUKAS: Überblick über den Aufbau des Lukasevangeliums, insbesondere des „Reiseberichts“, und die methodische Integration von Quellenmaterial durch den Autor.
4. DIE AUSSENDUNGSREDE IN LK 10,1-16: Detaillierte philologische und exegetische Analyse der Aussendungsrede, inklusive Textvergleich mit Matthäus und Auslegung der einzelnen Verse.
5. SCHLUSSBEMERKUNG: Zusammenfassende Reflexion über die lukanische Bearbeitung von Q und die bleibende Bedeutung des Sendungsauftrags für die christliche Gemeinde.
Schlüsselwörter
Logienquelle Q, Lukasevangelium, Aussendungsrede, Zwei-Quellen-Theorie, Missionsauftrag, Lk 10,1-16, Exegese, synoptische Evangelien, Jünger, Reisebericht, biblische Forschung, Evangelium, Redaktionstheologie, Christologie, nachösterliche Mission.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Art und Weise, wie Lukas die Logienquelle Q in sein Evangelium integriert hat, fokussiert auf die konkrete Passage der Aussendungsrede (Lk 10,1-16).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die synoptische Forschung, der Aufbau des Lukasevangeliums, die Rekonstruktion von Q sowie die theologischen Implikationen des christlichen Missionsauftrags.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifische lukanische Redaktion und die theologische Intention bei der Gestaltung der Aussendungsrede innerhalb des lukanischen Reiseberichts aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine historisch-kritische Methode angewandt, die insbesondere den synoptischen Vergleich, die Rekonstruktion von Q und die redaktionsgeschichtliche Exegese umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Q-Quelle und des lukanischen Aufbaus sowie eine intensive exegetische Analyse der Aussendungsrede, inklusive Gegenüberstellungen zu Matthäus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Logienquelle", "Lukas", "Aussendungsrede", "Missionsauftrag" und "Redaktion" charakterisiert.
Warum spielt der „Reisebericht“ für die Aussendungsrede eine so wichtige Rolle?
Der Reisebericht (Lk 9,51–19,27) rahmt die Aussendungsrede ein und verleiht ihr durch die Thematik des Weges Jesu nach Jerusalem eine theologische Tiefe, die über eine bloße historische Aufzählung hinausgeht.
Welche Bedeutung kommt der Zahl 70 bzw. 72 in Lk 10,1 zu?
Die unterschiedlichen Lesarten der Zahl deuten entweder auf eine symbolische Anlehnung an das Alte Testament (70 Älteste) oder auf eine missionarische Ausrichtung hin, die symbolisch die Völker der Welt umfasst.
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- Brigitte Benz (Author), 2010, Die Rezeption der Logienquelle Q bei Lukas am Beispiel der Aussendungsrede in Lk 10,1-16, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158196