Frauen mit Behinderung werden in unserer Gesellschaft viele Hindernisse in den Weg gelegt. Sie sind auch doppelt und dreifachbenachteiligt, nämlich als Frau mit einer Behinderung und dann auch noch als Mutter. Sie sind so gut wie unsichtbar in unserer Gesellschaft. In den Bemühungen um Menschen mit Behinderung wird noch ganz selten nach den Geschlechtern differenziert und zuallererst steht da meist die Behinderung. Das Frau-Sein ist nachrangig. Doch Frauen mit einer Behinderung haben teilweise ganz andere Bedürfnisse und Interessen und müssen gegen ganz andere gesellschaftliche Diskriminierungen ankämpfen. In dieser Arbeit möchte ich nun auf die wichtigsten Aspekte von Behinderung, bezugnehmend auf das weibliche Geschlecht eingehen. Im zweiten Teil meiner Arbeit wird auch ein Tabu-Thema, das den Oberbegriff der „Sexualität“ trägt, besprochen. In diesem Themengebiet wird auch speziell auf Gewalt und Missbrauch von Frauen mit Behinderung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FRAUEN UND BEHINDERUNG
2.1 BEHINDERUNG UND ARBEITSWELT
2.2 DAS BEHINDERTENGLEICHSTELLUNGSGESETZ
2.3 DIE LEBENSSITUATION BEHINDERTER FRAUEN IN ÖSTERREICH
3. SEXUALITÄT
3.1 SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG
3.2 SEXUELLE GEWALT
3.3 HILFELEISTUNGEN
4. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen mit Behinderung in unserer Gesellschaft, wobei besonderes Augenmerk auf die Schnittstellen von Behinderung, Geschlecht, Arbeitswelt und Sexualität gelegt wird.
- Strukturelle Diskriminierung von Frauen mit Behinderung in der Arbeitswelt.
- Die Auswirkungen des Behindertengleichstellungsgesetzes auf die Teilhabe am Arbeitsleben.
- Sexuelle Selbstbestimmung als grundlegendes Recht behinderter Menschen.
- Problematik der sexualisierten Gewalt in Institutionen der Behindertenhilfe.
- Notwendigkeit von Präventionskonzepten und gesellschaftlicher Aufklärung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Sexuelle Gewalt
Ein wichtiger Punkt den ich in meiner Arbeit ansprechen möchte ist die sexuelle Gewalt, die behinderten Frauen entgegengebracht wird. „Das Thema der sexuellen Gewalt gegen Frauen mit Behinderung wurde vor allem aus dem Kreis behinderter Frauen aufgeworfen. Dabei wurde wiederholt auf den Zusammenhang der geschlechtlichen Negation behinderter Frauen und der damit einhergehenden Leugnung eines sexuellen Missbrauchs verwiesen: Weil Behinderte nach gesellschaftlichem Vorstellungsbild geschlechtslose Neutren sind weil ihnen ein Recht auf Sexualität nicht zugestanden wird, werden sie auch nicht als Vergewaltigungsopfer anerkannt“( RENDTORFF / MOSER / AMOS, 1999, S. 253).
„Frauen und Mädchen mit geistigen Behinderungen erfahren sexualisierte Gewalt nicht nur im sozialen Nahraum, sondern insbesondere jene, die in Einrichtungen leben, tragen ein erhöhtes Gewaltrisiko. Die Täter sind überwiegend männlich und rekrutieren sich sowohl aus Mitbewohnern wie Mitarbeiter von Einrichtungen oder Werkstätten, wobei die Geschlossenheit des Systems häufig verhindert, dass die Opfer wahrgenommen werden und ihnen angemessene Hilfe zuteil wird. Da sie durch ihre Beeinträchtigung zum Teil auf Assistenz angewiesen sind, in stärkerem Maße in Abhängigkeiten leben als Frauen und Mädchen ohne Behinderung, eventuell über eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten verfügen oder ihnen durch mangelnde Sexualaufklärung keine Begrifflichkeiten über die erlebte Gewalt zur Verfügung stehen, sind sie in besonderem Maße verletzlich.“(WESTPHALIA, 2004, S. 159)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die doppelte Benachteiligung von Frauen mit Behinderung und Vorstellung der zentralen Themenfelder, insbesondere des Tabuthemas Sexualität und Gewalt.
2. FRAUEN UND BEHINDERUNG: Analyse der gesellschaftlichen Stigmatisierung, der ökonomischen Benachteiligung und der besonderen Schwierigkeiten im Alltag, wie sie bei Laubenstein und Kodalle thematisiert werden.
2.1 BEHINDERUNG UND ARBEITSWELT: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der Benachteiligung behinderter Frauen durch an männliche Erwerbsbiografien orientierte Sozialversicherungssysteme.
2.2 DAS BEHINDERTENGLEICHSTELLUNGSGESETZ: Darstellung der gesetzlichen Bestimmungen, die eine stärkere Berücksichtigung der besonderen Belange behinderter Frauen zur Durchsetzung der Gleichberechtigung fordern.
2.3 DIE LEBENSSITUATION BEHINDERTER FRAUEN IN ÖSTERREICH: Überblick über die statistische Datenlage zur körperlichen Beeinträchtigung in Österreich und die Wohnsituation betroffener Frauen.
3. SEXUALITÄT: Diskussion des Paradigmenwechsels in der Behindertenhilfe von der Betreuung zur Assistenz sowie der Bedeutung sexueller Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung.
3.1 SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG: Auflistung der grundlegenden Rechte, wie dem Recht auf ein individuelles Sexualleben, auf eigene Kinder und auf physische wie psychische Unversehrtheit.
3.2 SEXUELLE GEWALT: Analyse der Ursachen für das erhöhte Gewaltrisiko in Einrichtungen und die Problematik der gesellschaftlichen Negierung von Sexualität bei behinderten Menschen.
3.3 HILFELEISTUNGEN: Aufzeigen der Defizite bei Präventions- und Therapiekonzepten sowie Forderung nach einem öko-systematischen Vorgehen in der Behindertenhilfe.
4. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Diskriminierung behinderter Frauen und dringender Appell für mehr Aufklärung und Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Übergriffe.
Schlüsselwörter
Behinderung, Frauen, Geschlecht, Diskriminierung, Arbeitswelt, sexuelle Selbstbestimmung, sexuelle Gewalt, Missbrauch, Behindertengleichstellungsgesetz, Prävention, Lebenssituation, Teilhabe, soziale Ausschlussprozesse, Behindertenhilfe, Frauenrechte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Lebenssituation von Frauen mit Behinderung und der doppelten Diskriminierung, die sie aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung erfahren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Integration in die Arbeitswelt, den rechtlichen Rahmenbedingungen des Behindertengleichstellungsgesetzes, dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und dem Schutz vor sexualisierter Gewalt.
Was ist das Hauptziel der Untersuchung?
Ziel ist es, auf die systemische Benachteiligung behinderter Frauen aufmerksam zu machen und die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Ansätze in der Behindertenhilfe und Gesellschaftspolitik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Studien und gesetzliche Grundlagen herangezogen werden, um die Problematiken zu belegen und zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Arbeitswelt, die rechtliche Situation in Österreich und das Themengebiet der Sexualität, unterteilt in Selbstbestimmung, Gewaltprävention und notwendige Hilfestellungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere doppelte Diskriminierung, sexuelle Selbstbestimmung, Gewaltschutz, ökonomische Benachteiligung und öko-systematisches Vorgehen in der Betreuung.
Wie unterscheidet sich die Lage behinderter Frauen von der behinderter Männer laut Arbeit?
Die Arbeit betont, dass behinderte Frauen zusätzlich zur Behinderung strukturellen ökonomischen Benachteiligungen unterliegen und durch den männlich geprägten Männerstatus im sozialen Umfeld tendenziell mehr Möglichkeiten zur Selbstentfaltung besitzen.
Warum ist das Thema sexuelle Gewalt in Heimen so kritisch?
Aufgrund der Abhängigkeitsverhältnisse, mangelnder Aufklärung und der geschlossenen Systeme in manchen Einrichtungen sind behinderte Menschen dort einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt, während das System gleichzeitig die Wahrnehmung von Opfern behindert.
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- Mag. Wolfgang Sebastian Weberitsch (Author), 2009, Behinderung und Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158038