"Hänsel und Gretel" erzählt die Geschichte von zwei kleinen Kindern, die von ihren Eltern im Wald ausgesetzt werden, da nicht genug zu essen für alle vorhanden ist. Hänsel und Gretel erleben vieles und müssen es mit einer Hexe aufnehmen, bevor sie ihren Heimweg antreten und ihren Vater in die Arme schließen können. Dies fasst in aller Kürze den Inhalt des Märchens zusammen, das im Laufe der Zeit so viele Menschen inspiriert hat: Angefangen bei den Brüdern Grimm und Ludwig Bechstein in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Vertonung durch Engelbert Humperdinck und seine Schwester Adelheid Wette im Jahre 1893. Noch heute wird dieses Märchen Kindern von Eltern und Großeltern vorgelesen und hat, über ein Jahrhundert nachdem es schriftlich festgehalten worden ist, kaum etwas von seiner Faszination eingebüßt.
In dieser Arbeit richtet sich der Fokus sowohl auf die Figur der Mutter beziehungsweise der Stiefmutter als auch auf die der Hexe. Des Weiteren wird untersucht, welche Wirkung die jeweilige Darstellung sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene haben kann und ob es möglich ist, ihnen ausschließlich Unterhaltungscharakter oder auch psychologischen Tiefgang zuzusprechen. Davor jedoch wird auf die inhaltlichen Unterschiede der verschiedenen Versionen des Märchens eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Figuren
Die Stiefmutter / Mutter
Nach den Brüdern Grimm
Nach Ludwig Bechstein
Nach Adelheid Wette
Nach Frank Corsaro
Die Hexe
Nach den Brüdern Grimm
Nach Ludwig Bechstein
Nach Adelheid Wette
Nach Frank Corsaro
Schlussfolgerung
Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Mutter- bzw. Stiefmutterfigur sowie der Hexe im Märchen „Hänsel und Gretel“. Das primäre Ziel ist es, die Unterschiede in der Darstellung dieser Frauenfiguren in verschiedenen literarischen und opernhaften Versionen (Brüder Grimm, Ludwig Bechstein, Adelheid Wette sowie eine Inszenierung von Frank Corsaro) herauszuarbeiten, ihre psychologische Wirkung zu analysieren und zu hinterfragen, inwieweit diese Deutungen von den jeweiligen Intentionen und gesellschaftlichen Kontexten ihrer Zeit geprägt sind.
- Vergleichende Analyse der Frauenbilder in Märchenfassungen
- Transformation der Stoffe vom literarischen Werk zur Oper
- Psychologische Deutung der Mutter- und Hexenfiguren
- Einfluss von Adaptionen auf die kindliche Rezeption
- Die Rolle der Inszenierung bei der Charakterinterpretation
Auszug aus dem Buch
Nach Frank Corsaro
Frank Corsaro zeigt die Hexe als alte Frau, mit großer Nase und faltigem Gesicht, eben so, wie das klassische Bild einer Hexe im Kopf der Menschen verankert ist. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie in seiner Inszenierung von einem Mann, Volker Vogel, dargestellt und gesungen wird. Die Darstellung ist dennoch glaubwürdig. Durch lautes, schrilles und gehässiges Lachen wird deutlich, welchen Spaß es der Hexe bereitet, ihre Gefangenen zu quälen. Auch ihre Verbündeten behandelt sie nicht besser. Die zwei schwarzen Katzen - diese hat Corsaro hinzugefügt - werden von ihr ebenso mit dem Stock geschlagen wie Hänsel auch. Einer Katze verbrennt sie den Schwanz am glühenden Ofen, wodurch ihr Hang zum Sadismus zutage tritt. Volker Vogel spielt seine Rolle voller Energie, sodass der Zuschauer geneigt ist zu vergessen, dass es sich um eine alte Hexe handelt, die er verkörpert. Aber genau diese Energie ist es, dieser Elan, welcher die Kinder fasziniert und die Hexe zur unterhaltsamsten aller Figuren in diesem Märchen macht.
Aber selbst diese fidele Hexe wird überlistet: Die Katzen sind nicht länger die Gehilfen der Hexe, sondern helfen nun den Kindern. Heimlich überreichen sie Gretel den Zauberstab, mit dem diese umgehend die „Gliederstarre“ Hänsels aufhebt. Daraufhin wenden beide, Hänsel und Gretel, den Zauber gegen die Hexe selbst an: Sie lassen ihre Glieder erstarren und schubsen sie gemeinsam, unter Mithilfe der Katzen, in den Ofen.
Wie sind diese Veränderungen zu deuten? Ist es nicht erstaunlich, dass Hänsel und Gretel bereits vor dem Tod der Hexe die Situation im Griff haben? Soll dies veranschaulichen, wie schnell die Kinder in der Lage sind, dazuzulernen und wie viel sie erreichen können, solange sie zusammenhalten?
Wie auch immer diese Veränderungen gemeint sind, die Grundaussage bleibt dieselbe: „[B]öse Werke dauern nicht“ und werden von Gott bestraft. So ist es folgerichtig, dass die bösartige Hexe sterben muss, während die Mutter, welche Reue zeigt, am Leben bleiben darf.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von „Hänsel und Gretel“ ein und formuliert das Erkenntnisinteresse an der Darstellung der Mutter- und Hexenfiguren in verschiedenen Fassungen.
Die Figuren: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die Entwicklung und Darstellung der Mutter bzw. Stiefmutter bei den Gebrüdern Grimm, Ludwig Bechstein, Adelheid Wette und in der Inszenierung von Frank Corsaro.
Die Hexe: Dieses Kapitel untersucht die Entwicklung und Nuancen der Hexenfigur in den genannten Versionen, wobei auch ihre symbolische Bedeutung und die Frage ihrer Kindgerechtigkeit erörtert werden.
Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die betont, dass die vielfältigen Interpretationen der Frauenfiguren wesentlich zur zeitlosen Popularität des Märchens beitragen.
Schlüsselwörter
Hänsel und Gretel, Gebrüder Grimm, Ludwig Bechstein, Adelheid Wette, Frank Corsaro, Stiefmutter, Hexe, Märchen, Oper, Transformation, Interpretation, Kinderoper, Psychologie, Familienbild, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Wandlung der weiblichen Hauptfiguren – der Mutter bzw. Stiefmutter und der Hexe – in unterschiedlichen Adaptionen des Märchens „Hänsel und Gretel“.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Zentral sind die literarische Analyse der Märchentexte, der Transfer vom Märchen zur Oper sowie die psychologische Deutung weiblicher Rollenbilder in der Geschichte.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Es wird untersucht, wie unterschiedlich die Figuren der Mutter und der Hexe in den verschiedenen Fassungen gezeichnet werden und welchen Einfluss diese Darstellungen auf die kindliche und erwachsene Rezeption haben.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden, hermeneutischen Ansatz, um die verschiedenen literarischen Versionen und eine spezifische Inszenierung in ihrer inhaltlichen Tiefe gegenüberzustellen.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Mutter/Stiefmutter und der Hexe, wobei jeweils die Fassungen von Grimm, Bechstein, Wette und die Inszenierung von Corsaro detailliert betrachtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Märchenrezeption, psychologische Archetypen, didaktische Absichten in Kinderliteratur und die Rolle von Librettos in der Oper geprägt.
Wie unterscheidet sich die Mutterfigur bei Ludwig Bechstein von der der Brüder Grimm?
Bei Bechstein wird die Mutter eher als Mutter in Not gezeichnet, die ihre Tat bereut und nicht zwangsläufig als rein „böse“ dargestellt, während sie bei den Grimms als Stiefmutter klar negativ besetzt ist.
Welche Bedeutung kommt der Inszenierung von Frank Corsaro im Züricher Opernhaus zu?
Die Inszenierung von 1999 nutzt moderne Mittel und visuelle Tableaus, um die Distanz oder Nähe zwischen der Mutter und dem Bösen (der Hexe) zu unterstreichen, was neue Interpretationsspielräume für das erwachsene Publikum eröffnet.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Birn (Autor:in), 2008, Die Stiefmutter / Mutter und die Hexe in 'Hänsel und Gretel' - Eine Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157502