Die Theorie der Intertextualität besagt, dass kein Text innerhalb eines kulturellen Umfeldes unabhängig von der Gesamtheit aller Texte betrachtet werden kann – Bedeutung konstituiert sich aus speziellen Bezügen zu literarischen Einzeltexten eines Kulturkreises. Das grundlegende Fundament dieser Theorie bildet Roland Barthes´ Essay Der Tod des Autors, welches zugleich den Übergang von der Hermeneutik zum Strukturalismus darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie der Intertextualität und Roland Barthes
2.1 Der Tod des Autors als strukturalistisches Fundament
2.2 Dekonstruktion des Biographismus und des Autors
3. Intertextuelle Verfahren in Alison Bechdels Fun Home
3.1 Old Father, Old Artificer: Verweise auf James Joyce
3.2 A Happy Death: Parallelen zu Albert Camus
4. Synthese von Vaterschaft und Autorschaft
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Anwendung intertextueller Verfahren in Alison Bechdels Graphic Novel "Fun Home" im kritischen Dialog mit Roland Barthes’ Essay "Der Tod des Autors", um aufzuzeigen, wie literarische Referenzen zur Charakterisierung der Vaterfigur und zur familiären Aufarbeitung eingesetzt werden.
- Analyse der Intertextualität als strukturbildendes Element in Comics.
- Kritische Auseinandersetzung mit Roland Barthes' Postulat vom "Tod des Autors".
- Untersuchung der spezifischen literarischen Bezüge zu James Joyce und Albert Camus.
- Reflexion über die Verflechtung von biographischen Mustern und fiktionaler Literatur.
- Darstellung der Vater-Tochter-Beziehung durch literarische Spiegelungen.
Auszug aus dem Buch
Intertextuelle Verfahren der Literatur in Alison Bechdel´s Fun Home (Kapitel 1-2) in Bezug auf Roland Barthes´ Der Tod des Autors
Die Theorie der Intertextualität besagt, dass kein Text innerhalb eines kulturellen Umfeldes unabhängig von der Gesamtheit aller Texte betrachtet werden kann – Bedeutung konstituiert sich aus speziellen Bezügen zu literarischen Einzeltexten eines Kulturkreises. Das grundlegende Fundament dieser Theorie bildet Roland Barthes´ Essay Der Tod des Autors, welches zugleich den Übergang von der Hermeneutik zum Strukturalismus darstellt. Er fordert programmatisch die Dekonstruktion des Autors: „Indem er aber den Text zu einem `Gewebe von Zitaten` erklärt, bringt er die Autonomie der künstlerischen Kreativität nahezu zum Verschwinden.“ Er kritisiert in seinem Aufsatz übertriebenen bzw. fehlinterpretierten Biographismus, denn nicht der Autor, sondern die Sprache spricht. Somit verlagert sich der Ort, an dem Literatur beginnt vom Autor hin zum Leser: "Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors."
Außerdem zerstöre die Schrift jeglichen Hinweis auf den Ursprung des Inhaltes - das Problem der Schrift als unfixierbaren Ort, indem Identitäten sich auflösen. „In seiner Novelle Sarrasine schreibt Balzac über einen als Frau verkleideten Kastraten den folgenden Satz: »Das war die Frau mit ihren plötzlichen Ängsten, ihren grundlosen Launen, ihren unwillkürlichen Verwirrungen, ihren unmotivierten Kühnheiten, ihren Wagnissen und ihrer reizenden Zartheit der Gefühle.« Wer spricht hier? Ist es der Held der Novelle, um den Kastraten zu ignorieren, der sich hinter der Frau verbirgt? Ist es das Individuum Balzac mit seiner persönlichen Philosophie über die Frau? Ist es der Autor Balzac, der >literarische< Ideen über das Weibliche verkündet? Ist es die Weisheit schlechthin? Die romantische Psychologie?“ Damit einher geht zugleich das vernachlässigen einer möglichen hermeneutischen Auslegung, dar es für uns nun nicht mehr von Bedeutung sein kann, was der Autor uns sagen wollte, weil es keinen einzigen Sinn mehr geben kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die theoretischen Grundlagen der Intertextualität und Vorstellung des zentralen Vergleichs zwischen Roland Barthes und Alison Bechdel.
2. Die Theorie der Intertextualität und Roland Barthes: Detaillierte Erläuterung von Barthes' Thesen zum Tod des Autors und dessen Bedeutung für das Verständnis von Texten jenseits biographischer Autorenschaft.
3. Intertextuelle Verfahren in Alison Bechdels Fun Home: Analyse der konkreten literarischen Referenzen in den Kapiteln 1 und 2, insbesondere der Bezüge zu James Joyce und Albert Camus.
4. Synthese von Vaterschaft und Autorschaft: Zusammenführende Betrachtung der Verbindung zwischen dem literarischen "Tod des Autors" und der familiären Rolle des Vaters in Bechdels Werk.
Schlüsselwörter
Intertextualität, Roland Barthes, Der Tod des Autors, Alison Bechdel, Fun Home, Graphic Novel, Literaturtheorie, Strukturalismus, James Joyce, Albert Camus, Biographismus, Intertext, Rezeption, Hermeneutik, Identitätsauflösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Autorin Alison Bechdel in ihrer Graphic Novel "Fun Home" literarische Zitate nutzt und wie sich diese Verfahren zu den Thesen von Roland Barthes verhalten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Intertextualität, die Funktion von literarischen Vorbildern für die Identitätsbildung sowie der kritische Umgang mit dem traditionellen Autor-Begriff.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Bechdel die Debatte um den "Tod des Autors" in ihrem Werk parodiert und zugleich produktiv nutzt, um das komplexe Verhältnis zu ihrem Vater zu verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die strukturalistische Theorien mit einer textnahen Untersuchung der Graphic Novel verbindet.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die ersten zwei Kapitel von "Fun Home" und deren spezifische Referenzen zu Joyce' "Portrait of the Artist as a Young Man" und Camus' "Der glückliche Tod".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Intertextualität, Autorschaft, Strukturalismus, Graphic Novel, biographische Muster und literarische Rezeption.
Wie korrespondiert der "Tod des Autors" mit der Rolle des Vaters in Bechdels Werk?
Die Arbeit zeigt, dass der Tod des Autors im Text metaphorisch mit dem realen Tod des Vaters verknüpft ist, was für die Befreiung der Protagonistin entscheidend ist.
Warum spielt James Joyce eine zentrale Rolle im ersten Kapitel?
Joyce' Werk fungiert als "Dechiffrierungsanleitung" für die familiäre Situation, da der Vater als Architekt und Wärter eines seelischen Labyrinths inszeniert wird.
Welche Funktion hat Albert Camus für das Verständnis der Ehe der Eltern?
Camus' "Der glückliche Tod" dient als Spiegel für das Scheitern des Vaters und die Absurdität seines Lebens, die Bechdel in der Biografie des Vaters wiedererkennt.
Bestätigt die Arbeit die These von Roland Barthes vollständig?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Bechdel zwar Barthes' Theorie einbezieht, aber beweist, dass "Ausnahmen die Regel bestätigen", da der Autor in "Fun Home" eine sehr spezifische, sinnstiftende Rolle einnimmt.
- Arbeit zitieren
- Lena Kleinschmidt (Autor:in), 2010, Intertextuelle Verfahren der Literatur in Alison Bechdel´s Fun Home (Kapitel 1-2) in Bezug auf Roland Barthes´ Der Tod des Autors, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157350