Die Diminutivbildung ist ein Verfahren der Wortbildung, bei dem mittels Suffigierung eine Basis in ihrer Bedeutung nicht substantiell, sondern quantitativ und teilweise auch qualitativ verändert wird. Die Wortklasse verändert sich dabei nicht. Dieses Ableitungsverfahren läßt sich daher unter den Begriff „Alteration“
einordnen.
Die Besonderheit des Diminutivs im Italienischen liegt in seiner auffallend häufigen Verwendung. Für die Alteration, zu der auch die Bildung von Augmentativa und Pejorativa gehört, stehen im Italienischen mehr als 45 modifizierende Suffixe zur Verfügung, wovon „auch umfangreich Gebrauch gemacht wird, das gilt besonders für die Suffixe zur Bildung von Verkleinerungsformen (Diminutiva).“
Denn neben der Diminutiva bei Substantiven existieren diese, anders als im Deutschen, auch bei Adjektiven ( „ lontanino, ’nicht sehr weit’ “), Verben („mangiucchiare, ‚wenig, ohne Appetit essen’ “) und Adverben ( benino, prestino, tardino, tarduccio) und können sogar aus mehreren Suffixen zusammengesetzt sein. Ausgehend von einer näheren Betrachtung der Diminutivbildung im Italienischen, deren Regeln und Restriktionen, möchte ich versuchen, das häufige Auftreten der Diminutiva zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Häufigkeit des Diminutivs im Italienischen
2. Diminutivbildung
2.1. Bildung der Alteration mit Suffixen
2.2. Restriktionen bei der Bildung
2.3. Infixe
2.4. Modifikantenakkumulation
3. Erklärungen für die häufige Verwendung des Diminutivs
3.1. Verniedlichung
3.2. Besondere Stellung des Diminutivs in der italienischen Wortbildung
3.3. Erklärungen für die Modifikantenakkumulation
4. Verweis auf diatopische, diastratische und diaphasische Untersuchungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die auffallend häufige Verwendung von Diminutiven im Italienischen, analysiert die zugrunde liegenden Bildungsregeln, Restriktionen sowie die Phänomene der Infix-Bildung und Modifikantenakkumulation, um so eine wissenschaftliche Erklärung für dieses spezifische sprachliche Merkmal zu liefern.
- Methodische Klassifizierung der italienischen Diminutivbildung
- Analyse phonetischer und morphologischer Restriktionen
- Untersuchung von Infixen und deren etymologischen Ursprüngen
- Erklärung der Modifikantenakkumulation und deren Funktionalität
- Diskussion soziolinguistischer und stilistischer Erklärungsansätze für die hohe Frequenz
Auszug aus dem Buch
2.1. Bildung der Alteration mit Suffixen
Aus dem großen Angebot an Diminutivsuffixen, das sich vor allem wegen der dialektalen Unterschiede ergibt, sind sicherlich die Modifikanten -in-, -ett- und -ell- die wichtigsten. Ausgehend von einer diachronen Untersuchung über die Häufigkeit dieser drei Suffixe stellt Ettinger fest, daß das Suffix -ell- immer mehr zu Gunsten von -ett- und -in- verdrängt wird. In Hinblick auf die Konnotationen lassen sich zwischen den drei Suffixen gewisse Unterschiede feststellen. Seewald schreibt, daß die Suffixe -in- und -ett- neben der Verkleinerung zusätzlich eine „emotive Qualität“ ausdrücken, die von Fall zu Fall mehr oder weniger in den Vordergrund rückt. Dardano differenziert noch genauer, er schreibt, -ett- sei weniger emotiv, also neutraler, als –in-.
Ein wichtiges Diminutivsuffix mit pejorativer Konnotation ist –ucci-. „So kann ein Derivat der Form ‚Nominalstamm plus –ucci- ’ besagen, daß der Referent des Nominalstamms schmächtig, schwach, kümmerlich oder dürftig ist“.
Ob das Suffix -ott- zu den Diminutivmodifikanten gehört, ist umstritten. „Das Suffix -ott- verbindet sich in erster Linie mit Basen, die Tierbezeichnungen sind, und bezeichnet dann die jeweiligen Jungtiere [...]. Semantisch davon abgeleitet sind Derivate zur Bezeichnung von Menschen, wobei -ott- ihnen meistens die Bewertung ‚kräftig, gesund, stattlich verleiht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Häufigkeit des Diminutivs im Italienischen: Einführung in das morphologische Verfahren der Alteration und Feststellung der besonderen Frequenz dieser Formen im Italienischen gegenüber anderen Sprachen.
2. Diminutivbildung: Detaillierte Darstellung der Suffixsysteme, der phonetischen Bildungsbeschränkungen sowie der Verwendung von Infixen und der Akkumulation mehrerer Suffixe an einer Basis.
3. Erklärungen für die häufige Verwendung des Diminutivs: Analyse verschiedener Erklärungsmodelle, von der affektiven „Verniedlichung“ bis hin zur strukturellen Notwendigkeit innerhalb der italienischen Wortbildung und Lexikalisierung.
4. Verweis auf diatopische, diastratische und diaphasische Untersuchungen: Ausblick auf die Notwendigkeit weiterführender Analysen hinsichtlich regionaler, sozialer und situativer Sprachvariationen.
Schlüsselwörter
Italienisch, Diminutivbildung, Suffixe, Alteration, Morphologie, Modifikantenakkumulation, Infixe, Sprachwissenschaft, Lexikalisierung, Wortbildung, Diachronie, Synchronie, Konnotation, Pejorativa, Augmentativa.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der morphologischen Struktur und der überdurchschnittlich häufigen Verwendung von Diminutiven in der italienischen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Regeln der Suffixanwendung, morphologische Restriktionen, die Verwendung von Infixen sowie die Kombinationsmöglichkeiten (Akkumulation) von verschiedenen Suffixen an einer Basis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das häufige Auftreten von Diminutiva im Italienischen zu analysieren und linguistische Erklärungen dafür zu liefern, warum dieses Wortbildungsverfahren im Vergleich zum Deutschen eine so dominante Rolle spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf synchrone und diachrone Untersuchungen renommierter Sprachwissenschaftler wie Stefan Ettinger und Gerhard Rohlfs, um die Regeln der Wortbildung zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Suffixe, die Erläuterung phonetischer Einschränkungen bei der Wortbildung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der stilistischen und strukturellen Motivation für die Bildung von Diminutiva.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Italienisch, Alteration, Diminutiv, Suffixe, Modifikantenakkumulation und Lexikalisierung.
Warum existiert im Italienischen eine sogenannte Modifikantenakkumulation?
Diese tritt auf, wenn bereits suffigierte Basen lexikalisiert wurden, also ihre ursprüngliche diminutive Bedeutung verloren haben, und ein weiteres Suffix angehängt werden muss, um eine neue oder modifizierte Bedeutung zu erzeugen.
Welchen Einfluss haben dialektale Unterschiede auf die Diminutivbildung?
Dialektale Unterschiede führen zu einer großen Vielfalt an verfügbaren Suffixen und erklären das Auftreten spezifischer Infixe, die in der Standardsprache teils nicht vorhanden sind oder auf etymologische Wurzeln zurückgehen.
- Arbeit zitieren
- Franziska Knogl (Autor:in), 2003, Der Diminutiv in der italienischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157206