Entstanden sind die „Biblischen Lieder“ 1894 während Dvoráks Amerikaaufenthaltes von 1892-1895 in New York, wo er am National Conservatory of Music künstlerischer Direktor und Professor für Komposition war. Die hohen Erwartungen, die mit dieser Stelle verbunden waren, drückt Dvorák in einem Brief an Josef Hlávka aus: „Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen!“.1 Die Präsidentin des New Yorker Conservatory of Music, Jeanette Thurber, hatte bereits im Jahre 1886 den Wunsch nach der Nationalisierung der amerikanischen Kunst und besonders nach einer eigenständigen nationalen Kunstmusik geäußert.
Die Zeit in Amerika verlief für den tschechischen Komponisten zunächst erfolgreich.
Inspiriert von Indianermelodien, Negrospirituals und Plantagenlieder aus dem Süden der Vereinigten Staaten, ließ Dvorák stilistische Elemente wie etwa Pentatonik, den erniedrigten Leitton, plagale Wendungen, rhythmisches Ostinato, Bordunbegleitung und stark synkopierte Rhythmen mit dem Spezialfall der „scotch snap“ in seine Kompositionen einfließen, die sowohl von Europa als auch vom amerikanischen Publikum als typisch amerikanisch rezipiert wurden.
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1 Brief an Josef Hlávka vom 27. 11. 1892, Briefe und Erinnerungen, S. 165.
Inhaltsverzeichnis
1. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund
2. Antonín Dvorák: Biblische Lieder op.99
2.1.1. Bedeutung der Psalmen
2.1.2. Der Zyklus
2.1.3. Analyse
A) Nr.3: „Gott o höre, hör’ auf mein Gebet“
B) Nr.4: „Gott der Herr ist Hirte mir“
A) Nr.8: „Blicke mich an und erbarme Dich meiner, mein Herr“
3. Resümee
4. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Antonín Dvoráks „Biblische Lieder“ op. 99 unter besonderer Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer zyklischen Anordnung sowie der zugrunde liegenden theologischen und persönlichen Motive des Komponisten während seines Amerikaaufenthalts.
- Biografischer Kontext und die Entstehung der Biblischen Lieder
- Die Bedeutung der Psalmen als Ausdruck persönlicher Frömmigkeit
- Analyse der Tonartendisposition und motivischen Struktur
- Untersuchung exemplarischer Einzellieder (Nr. 3, Nr. 4 und Nr. 8)
- Die Bedeutung des Zyklus im Kontext des Gesamtwerks von Dvorák
Auszug aus dem Buch
Nr. 4: „Gott, der Herr, ist Hirte mir“
Dieser Psalm ist der Inbegriff des bedingungslosen Vertrauens auf Gott, in der kindlichen Gewissheit der liebevollen Fürsorge weiß sich der Betende geborgen. Das Bild des „Guten Hirten“ setzt Dvorák in einer äußerst schlicht wirkenden Vertonung in Musik um.
Die Vertonung beginnt mit einem fünftaktigen Rezitativ in der Singstimme. Der Repetitionston ist „fis“, der nach oben bis zum „gis“ und bis zur Unterquart „cis“ reicht. Es wird also ein Quintrahmen aufgespannt, der klanglich an die Musik der frühesten Mehrstimmigkeit reicht, die in der christlichen Liturgie ihren Platz fand.
Dieser Eindruck einer sakralen, in den liturgischen Bereich gerückten Musik, wird durch die antiphonisch wirkenden Wechsel von Klavier und Singstimme unterstrichen. Der Hörer hat es hier also mit einer Musik zu tun, die in ihrem Ausdruck und ihrer Bedeutung ins Metaphysische gerückt und erhöht wird und somit als Credo des persönlichen Glaubens Dvoráks verstanden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund: Das Kapitel beleuchtet die schwierige finanzielle und persönliche Situation Dvoráks während seines New Yorker Aufenthalts, die den Nährboden für die Entstehung der Biblischen Lieder bildete.
2. Antonín Dvorák: Biblische Lieder op.99: Hier werden die theologischen Hintergründe, die Bedeutung der Psalmen sowie die kompositorische Struktur und die Analysen ausgewählter Lieder des Zyklus detailliert behandelt.
3. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Rolle der Biblischen Lieder als tiefstes persönliches Zeugnis von Dvoráks Glauben innerhalb seines Gesamtschaffens.
4. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und die Forschungsliteratur zur Analyse des Werkes auf.
Schlüsselwörter
Antonín Dvorák, Biblische Lieder, Op. 99, Psalmen, Musikwissenschaft, Amerikaaufenthalt, Zyklische Analyse, Tonarten, Vertonung, religiöse Frömmigkeit, Kirchenmusik, Kompositionsgeschichte, Textdeklamation, Psalter, Glaube.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Liederzyklus „Biblische Lieder“ op. 99 von Antonín Dvorák im Hinblick auf seine Entstehungsgeschichte, formale Struktur und inhaltliche Tiefe.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Biografie Dvoráks in Amerika, die geistliche Bedeutung der Psalmen und die spezifische musikalische Umsetzung religiöser Texte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Dvorák seine persönliche Lebenskrise in New York durch die Vertonung der Psalmen verarbeitete und warum diese Lieder als sein persönlichstes Werk gelten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine musikwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Kontexte mit einer systematischen Analyse der Tonartendisposition und der musikalischen Motivik verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Bedeutung der Psalmen, dem Zyklusaufbau sowie der analytischen Untersuchung der Lieder Nr. 3, Nr. 4 und Nr. 8.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wesentliche Begriffe sind Biblische Lieder, op. 99, Psalmvertonung, Dvorák, musikalische Analyse und religiöser Ausdruck.
Welche Rolle spielt die Zahlensymbolik im Zyklus?
Die Autorin untersucht die Bedeutung der Zahlen „fünf“ und „zehn“ im Kontext der biblischen Gesetzmäßigkeiten und wie Dvorák diese strukturell in seinem Zyklus aufgriff.
Warum wird das achte Lied („Blicke mich an“) besonders hervorgehoben?
Es wird als das letzte fertiggestellte Stück des Zyklus hervorgehoben, das durch seine harmonischen Ausbrüche und die spezifische b-Tonart as-moll eine besondere emotionale Verzweiflung und Demut ausdrückt.
- Quote paper
- M.A. Maria Liebhardt, geb. Peter (Author), 2006, Antonín Dvorák: "Biblische Lieder" op. 99 – eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156644