Die Arbeit beantwortet die Frage ob und inwieweit Privatisierung in der deutschen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung rechtlich und wirtschaftlich möglich ist.
Hierbei werden auch Studien zu den Privatisierungserfahrungen anderer Länder herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Wasserwirtschaft als natürliches Monopol
2. Öffentliche Aufgabenwahrnehmung oder Regulierung
3. Anknüpfung an die Privatisierungs- und Liberalisierungsdiskussion
4. Liberalisierung
5. Privatisierung
5.1 Formen der Privatisierung
5.1.1 Formelle Privatisierung
5.1.2 Funktionale Privatisierung
5.1.2.1 Betriebsführungsmodell
5.1.2.2 Betreibermodell
5.1.2.3 Kooperationsmodell
5.1.2.4 Das Konzessionsmodell als funktionale Privatisierung
5.1.3 Materielle Privatisierung
5.1.3.1 Das Konzessionsmodell als materielle Privatisierung
5.2 Rechtliche Prüfung einer Privatisierung der Wasserwirtschaft
5.2.1 Direkte Privatisierungseinschränkungen in der Wasserwirtschaft
5.3 Bewertung einer Aufgabenprivatisierung in der Wasserwirtschaft
5.3.1 Soziale und ökologische Erwartungen
5.3.2 Effizienz
5.3.2.1 Theoretische Grundlagen
5.3.2.2 Empirische Ergebnisse
5.3.2.3 Wettbewerb um den Markt
5.3.2.4 Wettbewerb durch Benchmarking
5.3.2.5 Regulierung und Kontrolle
5.3.3 Die Finanzsituation der Kommunen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht, inwieweit die Privatisierung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland eine sinnvolle Option darstellt. Dabei wird analysiert, ob eine Übertragung staatlicher Aufgaben auf private Akteure die Effizienz steigern kann, ohne die soziale und ökologische Verantwortung sowie eine sichere Daseinsvorsorge zu gefährden.
- Analyse der Wasserwirtschaft als natürliches Monopol und die daraus resultierende Notwendigkeit staatlicher Eingriffe.
- Untersuchung der rechtlichen Zulässigkeit und verschiedenen Modelle (formell, funktional, materiell) der Privatisierung.
- Bewertung von Effizienzvorteilen privater versus öffentlicher Aufgabenerfüllung unter Berücksichtigung empirischer Ergebnisse.
- Diskussion von Wettbewerbselementen wie Ausschreibungswettbewerb und Benchmarking in der Wasserwirtschaft.
- Einfluss der Finanzsituation der Kommunen auf Privatisierungsentscheidungen.
Auszug aus dem Buch
5.3.2.1 Theoretische Grundlagen
Als Kernargument der Privatisierungsbefürworter wird nun auf die Frage eingegangen, ob private Unternehmen bei der Gewährleistung von Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung effizienter wirtschaften als öffentliche Unternehmen. In der allgemeinen Privatisierungsdiskussion ist die Effizienz eines der wichtigsten Argumente der Privatisierungsbefürworter. Die Wirtschaftswissenschaft unterscheidet zwischen zwei Effizienzkriterien: der allokativen Effizienz und der Produktionseffizienz.
Allokative Effizienz ist dann erreicht, wenn die volkswirtschaftlichen Ressourcen so verteilt sind, dass die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt maximal ist. Hier handelt es sich also um einen gesamtwirtschaftlichen Ansatz. Für einen Markt, in dem vollständige Konkurrenz herrscht, wurde die optimale allokative Effizienz nachgewiesen. In einem natürlichen Monopol ist jedoch, wie schon beschrieben, keineswegs vollständige Konkurrenz gegeben. Ein staatlicher Eingriff muss erfolgen, um die Wohlfahrt dennoch zu maximieren, also das Marktversagen zu kompensieren. Hierbei entsteht die Gefahr des Staatsversagens. Die Theorie des Staatsversagens geht davon aus, dass auch der staatliche Eingriff zu Verteilungs- und Produktionsineffizienzen führen kann. Allokationsineffizienzen entstehen bei einem staatlichen Eingriff demzufolge vor allem, wenn die Politiker bei ihrer Einflussnahme nicht die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt, sondern eigene Interessen oder Gruppeninteressen verfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der Privatisierung staatlicher Netzsektoren und die aktuelle Situation in der deutschen Wasserwirtschaft.
1. Die Wasserwirtschaft als natürliches Monopol: Erläuterung der Marktversagenstheorie durch sinkende Durchschnittskosten und die Notwendigkeit staatlicher Regulierung.
2. Öffentliche Aufgabenwahrnehmung oder Regulierung: Abwägung zwischen staatlicher Aufgabenerledigung und dem Einsatz von Marktregulierungen zur Kontrolle monopolistischer Strukturen.
3. Anknüpfung an die Privatisierungs- und Liberalisierungsdiskussion: Analyse des bestehenden öffentlichen Monopols und der Definitionen von Liberalisierung und Privatisierung im Sektor.
4. Liberalisierung: Bewertung verschiedener Wettbewerbsmodelle wie dem Durchleitungsmodell und deren spezifischer Hindernisse bei der Wasserversorgung.
5. Privatisierung: Vorstellung der verschiedenen Privatisierungsformen sowie deren rechtliche Rahmenbedingungen und Bewertung unter Effizienz- und Kontrollaspekten.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass Privatisierung ökonomisch wenig sinnvoll ist, außer bei der Unterstützung spezifischer Investitionsbedarfe.
Schlüsselwörter
Wasserwirtschaft, Privatisierung, Liberalisierung, natürliches Monopol, Daseinsvorsorge, öffentliche Aufgabenwahrnehmung, Produktionseffizienz, allokative Effizienz, Wettbewerb, Benchmarking, Konzessionsmodell, Kommunen, Infrastruktur, Staatsversagen, Regulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob eine Privatisierung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland eine sinnvolle Maßnahme ist, um die Effizienz der Aufgabenerfüllung zu steigern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Theorie der natürlichen Monopole, rechtliche Grenzen von Privatisierung, verschiedene Privatisierungsmodelle sowie die ökonomische Bewertung der Effizienz privater Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung, inwieweit eine Privatisierung unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte gerechtfertigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Monopol- und Privatisierungstheorie sowie eine Auswertung empirischer Erkenntnisse aus internationalen und nationalen Fallbeispielen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten der Liberalisierung und Privatisierung, beleuchtet die Formen der Privatisierung, prüft die rechtlichen Voraussetzungen und evaluiert die Effizienz durch Wettbewerb und Regulierung.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch für die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Privatisierung, Wasserwirtschaft, natürliches Monopol, Effizienzsteigerung und Daseinsvorsorge.
Warum ist Wasser laut dieser Arbeit als natürliches Monopol eingestuft?
Aufgrund der hohen Fixkosten für die Leitungsnetze und sinkender Durchschnittskosten bei steigendem Absatz führt die Marktstruktur von Natur aus zu einem Monopol, bei dem ein einzelner Anbieter günstiger agieren kann als mehrere Wettbewerber.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Effizienz?
Die allgemeine Theorie, dass Private effizienter sind, bestätigt sich in der Wasserwirtschaft nicht; Effizienzvorteile ergeben sich lediglich in begrenzten Fällen, etwa bei der Planung und Finanzierung großer Investitionsvorhaben.
- Arbeit zitieren
- Andreas Wegge (Autor:in), 2009, Privatisierung der deutschen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156613