Die patrios demokratia („Demokratie der Väter“) – so bezeichneten die Athener ihre Verfassung im 4. Jahrhundert v. Chr. Auch heute noch wird die attische Demokratie, unter anderem zum Vergleich mit den politischen Systemen der Gegenwart, zu Untersuchungen
heran gezogen. In den Schulen wird mit Recht bei der Analyse von demokratischen Systemen das klassische Athen als Vorläufer moderner Demokratien angesprochen. Aus diesem Grund ist es eine interessante Frage zu untersuchen, inwieweit die Demokratie in Form des
politischen Systems des klassischen Athen Einfluss auf die Gesetzgebung und Rechtssprechung nehmen konnte. Es ist die Frage, ob man solche „Gewaltenteilungen“ überhaupt in der Verfassung des klassischen Athen finden wird.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem politischen System der attischen Demokratie zu Zeiten der Klassik (um 500-336 v. Chr.) und versucht zu klären, auf welche Art und Weise dieses politische System auf Gesetzgebung und Rechtssprechung Einfluss nehmen konnte.
Zunächst wird die Arbeit versuchen, die Phase der attischen Demokratie während der Klassik an sich zu charakterisieren. Im Anschluss sollen die Institutionen vorgestellt und in ihren
Arbeitsweisen und Funktionen kurz analysiert werden. Der Gesetzgebungsprozess, sowie der Ablauf von Gerichtsverhandlungen soll im dritten Punkt untersucht werden. In der Systematisierung soll dann versucht werden an Beispielen darzustellen, wie das politische System nun genau Einfluss auf die Rechtssprechung und Gesetzgebung Einfluss nehmen konnte.
Diese Darstellung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich an einigen prägnanten Beispielen diesen Einfluss verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Quellen und Quellenkritik
2 Die Charakteristik der attischen Demokratie
3 Die Institutionen der attischen Demokratie
3.1 Die Volksversammlung
3.2 Der Rat
3.3 Das Gerichtswesen
3.4 Die Magistrate
4 Der Prozess der Gesetzgebung und der Rechtssprechung
4.1 Der Prozess der Gesetzgebung im vierten Jahrhundert v. Chr.
4.2 Der Prozess der Rechtssprechung
5 Beispiele für den Einfluss des politischen Systems
5.1 Der Ostrakismos
5.2 Die Hybris-Klage
5.3 Apagogé
5.4 Phásis
5.5 Eisangelía eis ten buleín
5.6 Eisangelía eis ton démon
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das politische System der attischen Demokratie während der Klassik (ca. 500-336 v. Chr.) und analysiert, inwieweit dieses System Einfluss auf die Gesetzgebung und Rechtssprechung ausübte. Ziel ist es zu klären, ob in der attischen Verfassung Ansätze einer „Gewaltenteilung“ identifizierbar sind und wie institutionelle Prozesse die demokratische Praxis steuerten.
- Charakterisierung der attischen Demokratie als Versammlungsdemokratie
- Analyse der zentralen Institutionen (Volksversammlung, Rat, Gerichtswesen, Magistrate)
- Untersuchung der Abläufe von Gesetzgebungs- und Rechtsprechungsprozessen
- Darstellung von Mechanismen zur Sicherung der Demokratie an konkreten Fallbeispielen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Volksversammlung
Die Volksversammlung (ekklesía) war nicht nur für die Gesetzgebung, sowie für die Wahl der Strategen, Schatzmeister und Sonderbeauftragten zuständig, sondern auch für Beschlüsse über Krieg und Frieden, den Abschluss von Verträgen, für Bürgerrechtsverleihungen, zusammengefasst, für alle Belange der öffentlichen Ordnung verantwortlich. Jeder männliche Bürger ab 18 Jahren, dessen Eltern auch Athener waren (festgelegt durch das Bürgerrechtsgesetz des Perikles, 451/50 v. Chr.) und sie bzw. er in die Bürgerliste ihrer Demen verzeichnet waren, hatte in der Volksversammlung Antrags-, Rede- und Stimmrecht. Im 4. Jahrhundert sah die Realität jedoch so aus, dass die Bürger erst mit zwanzig Jahren, nach Ableistung der zweijährigen Wehrpflicht, in den politischen Prozess involviert wurden.
Bis um 362 v. Chr. konnte die Volksversammlung auch Eisangeliaprozesse durchführen. Der letzte bekannte Fall, der vor der Volksversammlung verhandelt wurde, war der Prozess von Kallisthenes und Ergophilos eben im Jahr 362 v. Chr. Danach gehörten diese Prozesse zum Zuständigkeitsbereich der Dikasterien.
Neun Mal im Jahr hatte die Volksversammlung die Gelegenheit, ihr Urteil über die Amtsführung von Inhabern der politischen Posten abzugeben. Darüber hinaus konnte sie am Anfang jeden Jahres darüber abstimmen, ob das geltende Recht umgestaltet oder ergänzt werden sollte.
Abgestimmt wurde im Normalfall per Handzeichen (cheirotonía) oder in Fällen, bei denen ein Quorum vorgeschrieben ist, per Stimmstein (pséphoi).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Einflusses des attischen politischen Systems auf Gesetzgebung und Rechtsprechung sowie Erläuterung der methodischen Quellenkritik.
2 Die Charakteristik der attischen Demokratie: Überblick über die historische Entwicklung der attischen Demokratie von Kleisthenes bis Perikles und deren Grundprinzipien.
3 Die Institutionen der attischen Demokratie: Detaillierte Vorstellung der Funktionen von Volksversammlung, Rat, Gerichtswesen und den Magistraten als Grundpfeiler des Systems.
4 Der Prozess der Gesetzgebung und der Rechtssprechung: Analyse der Verfahrensweisen bei der Gesetzesänderung durch Nomotheten sowie des Ablaufs von Gerichtsverfahren.
5 Beispiele für den Einfluss des politischen Systems: Praktische Veranschaulichung der Systemmechanismen anhand von Instrumenten wie dem Ostrakismos, der Hybris-Klage und verschiedenen Eisangelía-Verfahren.
Schlüsselwörter
Attische Demokratie, Klassik, Volksversammlung, Rat der Fünfhundert, Rechtssprechung, Gesetzgebung, Nomotheten, Ostrakismos, Eisangelía, Bürgerrecht, Institutionen, Antikes Griechenland, Politik, Recht, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische System des klassischen Athens im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. und dessen Einfluss auf die rechtlichen Rahmenbedingungen der Polis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Struktur der attischen Demokratie, die Funktionsweise der verschiedenen Institutionen sowie die konkreten Prozesse der Gesetzgebung und Rechtsprechung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab zu klären, auf welche Weise das politische System Einfluss auf Gesetzgebung und Rechtsprechung nahm und ob Aspekte der „Gewaltenteilung“ existierten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quellenkritische Analyse von Primär- und Sekundärliteratur zur Alten Geschichte vorgenommen, ergänzt durch die systematische Untersuchung historischer politischer Verfahren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der demokratischen Institutionen, die Erläuterung der Gesetzgebungs- und Rechtsprechungsprozesse sowie die Analyse spezifischer Fallbeispiele wie den Ostrakismos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie attische Demokratie, Gesetzgebung, Volksversammlung, politisches System und klassisches Griechenland.
Warum war der Ostrakismos für das politische System bedeutend?
Der Ostrakismos diente dazu, den Demos vor Tyrannen oder Demokratiefeinden zu schützen, indem Personen für zehn Jahre verbannt werden konnten, was den Einfluss des Volkes auf die politische Stabilität verdeutlicht.
Wie unterschied sich die Hybris-Klage von anderen Verfahren?
Die Hybris-Klage war ein Verfahren gegen das Gefühl der „Demütigung“ und hatte eine öffentliche Komponente, da die Polis als solche durch das Verhalten des Täters in ihrer Ordnung geschädigt wurde.
- Arbeit zitieren
- Robert Griebsch (Autor:in), 2008, Das politische System des klassischen Athen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156528