Nach einer Verortung der Thematik "Strafe" in den Bereich der Ethik geht es in dieser Seminararbeit im Wesentlichen um einen Vergleich der - besonders für das Strafrecht in Deutschland - elementaren Straftheorien (Absolute Straftheorie - Relative Straftheorie - Vereinigungstheorie/Gemischte Straftheorie). Dabei schwebt im Hintergrund die Fragestellung nach Sinn und Zweck des Strafens.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Definitionen; Auszug aus einem Strafbeispiel
II.1. Was ist Strafe?
II.2. Was bedeutet Sinn bei der Strafe?
II.3. Was bedeutet Zweck bei der Strafe?
II.4. Auszug aus einem Strafbeispiel
III. Die Straftheorien
III.1. Die absolute Straftheorie
III.2. Die relative Straftheorie
III.3. Vereinigungstheorie/gemischte Straftheorie
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist ein systematischer Vergleich der drei elementaren Straftheorien des deutschen Strafrechts, um zu ergründen, welcher Zweck mit Strafe verfolgt wird und ob eine scharfe Abgrenzung der Theorien in der Praxis überhaupt zielführend ist.
- Definition zentraler strafrechtlicher Grundbegriffe (Strafe, Sinn, Zweck)
- Analyse der absoluten Straftheorie (Vergeltung)
- Untersuchung der relativen Straftheorie (General- und Spezialprävention)
- Erörterung der Vereinigungstheorie als praxisnaher Kompromiss
- Kritische Bewertung der Zielgerichtetheit staatlicher Strafen
Auszug aus dem Buch
II.4. Auszug aus einem Strafbeispiel
Das Strafbeispiel des sogenannten »Königsmörders« Robert Francoise Damiens aus dem Jahr 1757 soll einerseits die Strafpraxis aufzeigen – ausgehend von einem Strafbedürnis, welches im Kollektivbewusstsein eine Reaktion auf den Bruch allgemein anerkannter Normen fordert, im Bewusstsein des Einzelnen, aber auch auf der Ebene des Täters ein Strafbedürnis vorsieht, welches über Sühne und Genugtuung eine Schuldverarbeitung ermöglichen soll, damit die Täterpsyche Reinigung wie auch Stabilisierung erfahren kann – andererseits die Frage nach dem Zweck der Strafe innerhalb der Straftheorien aufnehmen.
Damiens scheiterte am 5. Januar 1757 mit seinem Messerattentat auf König Ludwig XV. in Versailles, weil der Messerstich in die Brust des Herrschers nicht tödlich war. Über seine Hinrichtung am 28. März 1757 sind Augenzeugenberichte von Justiz- und Polizeibeamten erhalten, die sehr detailliert auf das Geschehene eingehen. Auf dem Grève-Platz in Paris wurde das Urteil vollstreckt. Bereits am 27. Mai 1610 ist an gleicher Stelle der Mörder des Königs Heinrich IV., ein Mann namens Ravaillac, hingerichtet worden.
Vor der Hinrichtung wurde Damiens der „ordentlichen und außerordentlichen Befragung auf der Folter mit spanischen Stiefeln“ unterzogen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Komplexität der Straftheorien ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zweck von Strafe im Kontext der Ethik und Rechtswissenschaft.
II. Definitionen; Auszug aus einem Strafbeispiel: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Strafe, Sinn und Zweck und illustriert die historische Strafpraxis anhand des Fallbeispiels Robert Francoise Damiens.
III. Die Straftheorien: Hier werden die drei Hauptkategorien – absolute Straftheorie, relative Straftheorie und Vereinigungstheorie – detailliert gegenübergestellt und ihre jeweiligen theoretischen Grundlagen sowie ihre Kritikpunkte erläutert.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die theoretische Diskussion und kommt zu dem Schluss, dass die Vereinigungstheorie aufgrund ihrer Ausgewogenheit die derzeit geeignetste Antwort auf die Frage nach dem Strafzweck darstellt.
Schlüsselwörter
Strafrecht, Straftheorien, Vergeltung, Generalprävention, Spezialprävention, Vereinigungstheorie, Resozialisierung, Rechtsfrieden, Sühne, Schuld, Strafzumessung, Gerechtigkeit, Strafzweck, Rechtsordnung, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und rechtlichen Grundlagen der Strafe und vergleicht die unterschiedlichen Theorien, die den Zweck von Strafen erklären sollen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Strafe, die Gegenüberstellung von Vergeltung (absolute Theorie) und Abschreckung/Besserung (relative Theorie) sowie die praktische Anwendung im deutschen Recht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, welchen Zweck Strafe hat und ob die strikte Trennung der Straftheorien in der Realität der Rechtsanwendung noch zeitgemäß ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine literaturbasierte Analyse und den historischen Vergleich, unterstützt durch konkrete Fallbeispiele, um die theoretischen Konzepte kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der absoluten, relativen und vereinigungstheoretischen Ansätze sowie deren jeweilige Kritik, etwa hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ethischen Legitimation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Straftheorien, Vergeltung, Prävention, Resozialisierung und Rechtsfrieden.
Inwiefern spielt das Beispiel des Robert Francoise Damiens eine Rolle?
Es dient als historischer Kontrastpunkt, um zu verdeutlichen, wie sich der Zweck des Strafvollzugs von reiner Vergeltung und Spektakel hin zur heutigen Humanisierung gewandelt hat.
Warum wird die Vereinigungstheorie als am besten geeignet angesehen?
Sie gilt als am besten geeignet, weil sie Vergeltungsgedanken mit präventiven Ansätzen kombiniert und so der Komplexität der modernen Rechtsvorstellung und dem Grundgesetz am ehesten gerecht wird.
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- Martin Thiem (Author), 2006, Welchen Zweck hat Strafe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156444