Gottlob Frege hat 1918 in der Zeitschrift Beiträge zur Philosophie des Deutschen Idealismus unter der Überschrift Logische Untersuchungen den Aufsatz Der Gedanke veröffentlicht. Der Gedanke bildet die ersten von drei Abhandlungen, die sich mit einer philosophischen Begründung der Logik, auseinandersetzt. Weitere Aufsätzen zu diesen Thema sollten folgen, so dass letztendlich ein logisches Lehrbuch entstehen sollte. Jedoch konnte die Arbeit aufgrund des Todes von Frege 1925 nicht mehr vollendet werden, so dass uns heute, nur diese drei Aufsätze vollständig und noch ein vierter fragmentarisch, erhalten geblieben sind. Im Folgenden möchte ich mich mit Gottlob Freges Hinwendung zu diesen drei Logischen Untersuchungen befassen. Es soll dabei aufgezeigt werden, von welcher philosophischen Position Frege ausgegangen ist und wie er zu den logischen Aufsätzen gekommen ist. Im Anschluss an soll dann Der Gedanke im Zentrum meiner Analyse stehen. Ich werde mich mit den zentralen Begriffen Freges auseinandersetzen. Im Fokus der Betrachtungen sollen, die Aufgabe der Logik, der Wahrheitsbegriff, der Behauptungssatz als die Quelle des Gedankens und schließlich der Gedanke als Sinn eines Satzes stehen. Die anderen zwei Aufsätze, Die Verneinung und Gedankengefüge sollen hier nicht näher betrachtet werden, da es den Rahmen der Analyse sprengen würde. Was die Textgrundlage für Aufsatz Der Gedanke betrifft, verwende ich den von Ignacio Angelelli herausgegeben Sammelband Gottlob Frege kleine Schriften.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Gottlob Frege und seine Hinwendung zum logischen Lehrbuch
2. Der Gedanke
2.1 Die Aufgabe der Logik
2.2 Der Wahrheitsbegriff
2.3 Der Behauptungssatz als die Quelle des Gedankens
2.3 Der Gedanke als Sinn eines Satzes
Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Entwicklung Gottlob Freges im Kontext seiner "Logischen Untersuchungen", wobei der Fokus insbesondere auf der Analyse des Aufsatzes "Der Gedanke" liegt, um Freges Begriffsverständnis von Logik, Wahrheit und Sinn zu erschließen.
- Die historische Einordnung von Freges Logizismus und dessen Scheitern.
- Die Abgrenzung der Logik von der Psychologie und den Naturwissenschaften.
- Die Untersuchung des Wahrheitsbegriffs und die Unmöglichkeit seiner Definition.
- Die Erarbeitung des Gedankens als Sinn eines Behauptungssatzes.
- Die theoretische Begründung des "Dritten Reiches" als objektive Sphäre der Gedanken.
Auszug aus dem Buch
2.3 Der Gedanke als Sinn eines Satzes
„Ohne eine Definition geben zu wollen, nenne ich Gedanken etwas, bei dem überhaupt Wahrheit in Frage kommen kann. Was falsch ist, rechne ich also ebenso zu den Gedanken, wie das, was wahr ist. Demnach kann ich sagen: der Gedanke ist der Sinn eines Satzes, ohne damit behaupten zu wollen, daß der Sinn jedes Satzes ein Gedanke sei.“ Frege fasst den Gedanken nicht im psychologischem Sinne als ein seelisches Bild von etwas auf, sondern für ihn ist der Gedanke eine semantisch-logische Einheit. Gedanken sollen nicht als kognitive Akte des Denkens und Urteiles verstanden werden, sondern sind als Gehalte von Denk- und Urteilsakten aufzufassen. Dabei kann der Gedanke wahr oder falsch sein. Wichtig ist jedoch, dass der Gedanke unabhängig vom denkenden Subjekt aufgefasst werden muss. Wenn der Gedanke keine Objektivität besäße, würde dies bedeuten, dass verschiedene Menschen nicht den gleichen Gedanken bilden könnten, da dieser nur einen subjektiven Charakter besäße.
Weitere Merkmale neben der Intersubjektivität des Gedankens ist ihre Unsinnlichkeit. Anders als bei Bildern oder Sätzen sind die sinnlichen Dinge von dem Gedanken auszuschließen. Der unsinnliche Gedanke kann nur in einem empirisch fassbaren Satz erkannt werden. Zuerst müssen wir den Gedanken durch das Denken aufnehmen und ihn innerlich anerkennen (Schritt 1). Nachdem wir ihn dann anerkannt haben treffen wir ein Urteil über ihn (Schritt 2) und im letzten Schritt können wir dann Behauptungen über ihn aufstellen (Schritt 3).
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Autor erläutert den Entstehungskontext der "Logischen Untersuchungen" und definiert den Fokus der Analyse auf den Aufsatz "Der Gedanke".
1. Gottlob Frege und seine Hinwendung zum logischen Lehrbuch: Dieses Kapitel skizziert Freges wissenschaftlichen Werdegang sowie das Scheitern seines Logizismusprogramms und den daraus resultierenden Übergang zu einer rein philosophischen Logik.
2. Der Gedanke: Hier werden die Kernkonzepte Wahrheit, logische Gesetze und die Natur des Gedankens innerhalb Freges Spätwerk detailliert erörtert.
2.1 Die Aufgabe der Logik: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit, Logik als Wissenschaft der Gesetze des Wahrseins strikt vom Psychologismus und subjektiven Denkvorgängen abzugrenzen.
2.2 Der Wahrheitsbegriff: Der Autor untersucht die Korrespondenztheorie der Wahrheit, zeigt deren Zirkularität auf und erläutert Freges Schlussfolgerung, dass Wahrheit undefinierbar ist.
2.3 Der Behauptungssatz als die Quelle des Gedankens: Hier wird dargelegt, warum nur Behauptungssätze als Träger von Gedanken und Wahrheitswerten fungieren können, während andere Satzarten ausgeschlossen werden.
2.3 Der Gedanke als Sinn eines Satzes: Dieses Kapitel vertieft das Verständnis des Gedankens als intersubjektive, objektive Einheit und führt Freges These eines "Dritten Reiches" ein.
Resümee: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Objektivität der Gedanken und das Scheitern einer formalen Wahrheitsdefinition zusammen.
Schlüsselwörter
Gottlob Frege, Der Gedanke, Logik, Wahrheit, Logizismus, Behauptungssatz, Sinn, Bedeutung, Intersubjektivität, Drittes Reich, Psychologismus, Korrespondenztheorie, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Urteilsakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Freges späte philosophische Auseinandersetzung mit der Logik, insbesondere in seinem Aufsatz "Der Gedanke" von 1918.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernpunkten gehören die Definition der Logik, die Natur des Wahrheitsbegriffs und die Abgrenzung des Gedankens von subjektiven Vorstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die philosophische Position Freges aufzuzeigen, die ihn dazu führte, den Gedanken als eine von subjektiven Akten unabhängige, objektive Einheit zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse und Interpretation der Originalschriften von Gottlob Frege unter Berücksichtigung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Abgrenzung der Logik vom Psychologismus, die Widerlegung der klassischen Wahrheitsdefinition und die Charakterisierung des Gedankens als Sinn eines Satzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Logik, Wahrheit, Sinn, Gedanke und das "Dritte Reich" definiert.
Warum lehnt Frege eine psychologische Fundierung der Logik ab?
Frege argumentiert, dass die Logik einen normativen Charakter besitzt, während psychologische Gesetze lediglich faktische Abläufe beschreiben und somit die notwendige Allgemeinheit vermissen lassen.
Was genau versteht Frege unter dem "Dritten Reich"?
Das Dritte Reich beschreibt eine objektive Sphäre, in der Gedanken existieren, die weder zu den sinnlich wahrnehmbaren Dingen der Außenwelt noch zu den subjektiven Vorstellungen der Innenwelt gehören.
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- Benedikt Bärwolf (Author), 2009, Die Entfaltung des Gedankens bei Gottlob Frege, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156429