Arbeit befindet sich im Wandel. Normalarbeitsverhältnisse, sprich
unbefristete Anstellungen in Vollzeit, werden vor allem in Zeiten von
Wirtschaftsrezessionen seltener. Parallel dazu werden dann atypische
Beschäftigungsverhältnisse, worunter auch die Leiharbeit fällt, häufiger
angeboten.
Das Thema Leiharbeit ist in den letzten Jahren zu einem umstrittenen
Diskurs in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geworden. Die eine
Perspektive dabei betrachtet Leiharbeit als deutliche Benachteiligung und
Sackgasse für die Arbeitnehmer, welche kurz- oder mittelfristig keine
Aussicht auf ein Normalarbeitsverhältnis haben. Die andere Sichtweise
erkennt in der Leiharbeit unter anderem eine Möglichkeit zum Abbau von
Arbeitslosigkeit und zuvor Erwerbslose wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt
zu integrieren. Ebenso positiv wird die Auswirkung von Leiharbeit auf die
Betriebe, die diese einsetzen, angesehen. Damit könnten dann letztendlich
auch konjunkturelle Aufschwünge verbunden seien.
Bei der Diskussion um Leiharbeit gilt es allerdings auch zu beachten, dass in
Deutschland mittlerweile eine Diskrepanz zwischen der gefühlten Signifikanz
von Leiharbeit und ihrer tatsächlichen, die sich im Anteil von
Leiharbeitnehmern an den Erwerbstätigen äußert, existiert. Die gefühlte
Bedeutung der Leiharbeit, bzw. auch die Empörung darüber, ist zur ihrer
tatsächlichen nämlich unverhältnismäßig höher. Auch wenn die Statistiken
dann doch den Eindruck erwecken können, dass Leiharbeit insgesamt relativ
unsignifikant ist, ist die starke Zunahme von Leiharbeit in den letzten
Jahrzehnten in Deutschland ein nicht von der Hand zuweisender Fakt.
Die Frage, was Leiharbeit für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den
Arbeitsmarkt denn letztendlich konkret bedeutet, ob sie sich fördernd oder
hemmend auf diese auswirkt, bleibt jedoch bestehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leiharbeit – Definitionen und Zahlen
2.1 Was ist Leiharbeit?
2.2 Situation in Deutschland
3. Vorteile von Leiharbeit
3.1 Flexibilisierungen und Absicherungen für die Einsatzbetriebe
3.2 Disziplinierung der Belegschaft
3.3 Rückkehrchance zu einem Normalarbeitsverhältnis
3.4 Abbau von Arbeitslosigkeit
4. Nachteile von Leiharbeit
4.1 Unsicherheit des Arbeitsplatzes
4.2 Lohneinbußungen
4.3 Konflikte innerhalb der Belegschaft
4.4 Geringe betriebliche Partizipation der Leiharbeiter
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Leiharbeit in Deutschland kritisch auf ihre positiven und negativen Aspekte. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, ob Leiharbeit tatsächlich eine Chance zur Integration in den Arbeitsmarkt darstellt oder primär zu einer Prekarisierung der Arbeitnehmer führt.
- Definition und statistische Einordnung der Leiharbeit in Deutschland
- Analyse der betriebswirtschaftlichen Vorteile für Entleihbetriebe
- Bewertung der Disziplinierungseffekte auf die Belegschaft
- Untersuchung der Übernahmechancen in ein Normalarbeitsverhältnis
- Kritische Beleuchtung der Auswirkungen auf Lohnniveau und Arbeitsplatzsicherheit
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Arbeit befindet sich im Wandel. Normalarbeitsverhältnisse, sprich unbefristete Anstellungen in Vollzeit, werden vor allem in Zeiten von Wirtschaftsrezessionen seltener. Parallel dazu werden dann atypische Beschäftigungsverhältnisse, worunter auch die Leiharbeit fällt, häufiger angeboten.
Das Thema Leiharbeit ist in den letzten Jahren zu einem umstrittenen Diskurs in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geworden. Die eine Perspektive dabei betrachtet Leiharbeit als deutliche Benachteiligung und Sackgasse für die Arbeitnehmer, welche kurz- oder mittelfristig keine Aussicht auf ein Normalarbeitsverhältnis haben. Die andere Sichtweise erkennt in der Leiharbeit unter anderem eine Möglichkeit zum Abbau von Arbeitslosigkeit und zuvor Erwerbslose wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ebenso positiv wird die Auswirkung von Leiharbeit auf die Betriebe, die diese einsetzen, angesehen. Damit könnten dann letztendlich auch konjunkturelle Aufschwünge verbunden seien.
Bei der Diskussion um Leiharbeit gilt es allerdings auch zu beachten, dass in Deutschland mittlerweile eine Diskrepanz zwischen der gefühlten Signifikanz von Leiharbeit und ihrer tatsächlichen, die sich im Anteil von Leiharbeitnehmern an den Erwerbstätigen äußert, existiert. Die gefühlte Bedeutung der Leiharbeit, bzw. auch die Empörung darüber, ist zur ihrer tatsächlichen nämlich unverhältnismäßig höher. Auch wenn die Statistiken dann doch den Eindruck erwecken können, dass Leiharbeit insgesamt relativ unsignifikant ist, ist die starke Zunahme von Leiharbeit in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ein nicht von der Hand zuweisender Fakt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den Wandel der Arbeitswelt sowie die umstrittene Rolle der Leiharbeit und formuliert das Ziel der Arbeit, diese kritisch auf ihre Auswirkungen zu untersuchen.
2. Leiharbeit – Definitionen und Zahlen: Dieses Kapitel liefert eine Definition des Leiharbeits-Dreiecksverhältnisses und gibt einen Überblick über die Entwicklung der Leiharbeitsbranche sowie die Struktur der Beschäftigten in Deutschland.
3. Vorteile von Leiharbeit: Hier werden die betriebswirtschaftlichen Motive der Entleihbetriebe, wie Flexibilisierung und Kostenersparnis, sowie die von Befürwortern angeführten Chancen für Arbeitnehmer beleuchtet.
4. Nachteile von Leiharbeit: Dieses Kapitel analysiert die Schattenseiten, insbesondere das Prekaritätsrisiko, die Unsicherheit der Arbeitsplätze, Lohnnachteile, soziale Konflikte und die mangelnde Partizipation der Leiharbeiter.
5. Fazit: Die abschließenden Ausführungen verifizieren die These, dass Leiharbeit für Arbeitnehmer primär eine prekäre Beschäftigungssituation darstellt und selten den Weg in ein gesichertes Normalarbeitsverhältnis ebnet.
Schlüsselwörter
Leiharbeit, Zeitarbeit, Prekarisierung, Normalarbeitsverhältnis, Arbeitsmarkt, Flexibilisierung, Einsatzbetrieb, Arbeitnehmerüberlassung, Lohnunterschiede, Arbeitsplatzunsicherheit, Entleihbetrieb, Beschäftigungsstabilität, Deregulierung, Gewerkschaften, Facharbeitermangel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen der Leiharbeit in Deutschland und hinterfragt deren sozioökonomische Folgen für die Arbeitnehmer und den Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die Definition der Leiharbeit, die betriebswirtschaftlichen Vorteile für Unternehmen, die Risiken der Prekarisierung sowie die Debatte um die Funktion als "Brücke" in den Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die These zu überprüfen, ob Leiharbeit tatsächlich als "Chance" fungiert oder ob sie primär zu einer prekären Beschäftigungssituation der Arbeitnehmer führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Auswertung aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur, Statistiken und Studien zur Leiharbeit in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition der Leiharbeit sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Vorteile für die Unternehmen und der Nachteile für die Leiharbeiter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Leiharbeit, Prekarisierung, Flexibilisierung, Normalarbeitsverhältnis, Lohndumping und Arbeitsplatzunsicherheit.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Klebeeffekt"?
Der Klebeeffekt beschreibt die Hoffnung, dass Leiharbeit als Sprungbrett für eine feste Übernahme in den Einsatzbetrieb dient. Die Arbeit kommt jedoch zu dem Schluss, dass dieser Effekt in der Realität nur selten eintritt.
Warum führt Leiharbeit laut Autor zu Konflikten in der Belegschaft?
Konflikte entstehen durch Lohnunterschiede bei gleichen Tätigkeiten, Konkurrenzdruck und eine mangelnde kollegiale Integration, was das Betriebsklima und die Solidarität belasten kann.
- Arbeit zitieren
- Martin Philipp Wiesert (Autor:in), 2010, Leiharbeit - Chance oder Prekarisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156374