Gewalt im Geschlechterverhältnis ist bereits seit den 1970er Jahren ein weit verbreitetes Thema, bisher beschränkt sich dieses jedoch überwiegend auf Frauen als Opfer. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass in den 70er und 80er Jahren Feministinnen auf häusliche Gewalt mit Hilfe von Demonstrationen und Debatten aufmerksam machten. Auf Grund dessen richtete sich der Fokus jedoch nicht nur auf die Frau als Opfer sondern auch auf den Mann als Täter. Obwohl mittlerweile umfangreiche Studien und Publikationen veröffentlicht wurden, änderte sich nichts an der Ausrichtung. Erst in den letzten Jahren wurde der Mann auch zunehmend als Opfer betrachtet und in verschiedenen Studien wurden Ursachen, Auswirkungen und Prävention ermittelt. Dennoch werden Männer überwiegend als Täter von Gewalttaten thematisiert und selten als Opfer. Daher soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, warum Männer gesellschaftlich nicht als Opfer von Gewalt anerkannt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Gesellschaftliche Wahrnehmung von Gewaltopfern
2.1 Herausforderungen bei der Offenlegung
2.2 Sozialisation und Geschlechterrollen
3. Männlichkeit und das Mythos der Unverletzlichkeit
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Ursachen, warum Männer trotz statistischer Betroffenheit kaum als Opfer von Gewalt anerkannt werden, und analysiert den Einfluss normativer Geschlechterrollen auf diese Wahrnehmung.
- Sozialisation des männlichen Geschlechts und Auswirkungen auf das Opferverständnis
- Einfluss der medialen Berichterstattung auf die Wahrnehmung von Gewalt
- Die Rolle der kulturellen Definition von „Männlichkeit“
- Barrieren bei der Offenlegung von Gewalterfahrungen durch Männer
Auszug aus dem Buch
Sozialisation des männlichen Geschlechts
Grund hierfür ist die Sozialisation des männlichen Geschlechts. Bereits in jungen Jahren sollen Männer in der Lage sein sich zu wehren, ihre Frau und Familie zu beschützen und dominanter sein. Sie gelten als nicht verletzlich (vgl. Lenz, 2006, S. 98). Das „stärkere“ Geschlecht kann nicht vom „schwächeren“ verletzt werden. In jedem Fall werden Männer also in erster Linie nicht als Opfer angesehen, sondern zuerst als Mann der von einer Frau geschlagen wurde und damit als Mann degradiert wird (vgl. Gloor/Meier, 2003, S. 541). Ein verletzter Mann ist weder politisch noch gesellschaftlich interessant.
Es wird vorausgesetzt, dass ein Mann sich wehren kann und Gewalt gleichzeitig aber auch einstecken muss. Folgt man Lenz Erläuterungen wird klar, dass dies eine Eigenschaft ist, die die Geschlechter voneinander unterscheidet (vgl. Lenz, 2006, S. 98) und so normative Geschlechterrollen aufrechterhalten werden. Grund für die geringfügige Anerkennung des Mannes als Opfer ist zudem, dass Gewalt in gewissem Rahmen zum alltäglichen Handlungsrepertoire von Männern gehört/ gehören soll. Dies wird auch medial so transportiert. Der Mann als Held der gegen das Böse kämpft, Gangs die überwiegend aus Männern bestehen und sich gegenseitig bekämpfen usw. (vgl. Lenz, 2006, S. 98). Wenn Männer gegen Männer kämpfen wird das also in erster Linie nicht als bedrohlich empfunden sonder als normaler Kampf, um die Rangordnung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Thema Gewalt im Geschlechterverhältnis ein und begründet das wissenschaftliche Interesse an der bisher vernachlässigten Gruppe männlicher Gewaltopfer.
2. Gesellschaftliche Wahrnehmung von Gewaltopfern: Hierbei werden die Hürden bei der Offenlegung von Gewalt durch Männer sowie die Auswirkungen der Sozialisation auf die Wahrnehmung männlicher Opfer analysiert.
3. Männlichkeit und das Mythos der Unverletzlichkeit: Dieses Kapitel erläutert, wie durch kulturelle und mediale Konstruktionen der unverletzliche Mann das Bild des Opfers verunmöglicht.
4. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der normativen Geschlechterrollen und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Gewalt, Männer, Opfer, Geschlechterrollen, Sozialisation, Dunkelziffer, Männlichkeit, Häusliche Gewalt, Viktimisierung, Mediale Darstellung, Geschlechterverhältnis, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen Sichtweise auf Männer als Gewaltopfer und den Gründen, warum diese Rolle oft tabuisiert oder ignoriert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Sozialisation von Männern, die kulturelle Unverletzlichkeitsmythos des Mannes und die statistische sowie mediale Diskrepanz bei der Opferthematisierung.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Warum werden Männer in der Gesellschaft nicht als Opfer von Gewalt anerkannt?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literaturarbeit und der Auswertung bestehender Studien sowie Statistiken zur Gewaltproblematik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Geschlechterrollen, mediale Berichterstattung und die Definition von Männlichkeit das Opferverständnis beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Geschlechterrollen, Gewalt, Opferstatus und Sozialisation beschreiben.
Warum spielt die Sozialisation eine so zentrale Rolle bei der Opfererfahrung?
Die Sozialisation vermittelt Jungen, dass Wehrhaftigkeit und Dominanz essenziell für Männlichkeit sind, wodurch Schwäche oder das Eingeständnis einer Opferrolle mit dem Verlust des "Männlichkeits-Labels" gleichgesetzt wird.
Gibt es einen Unterschied in der Berichterstattung bei Frauen- und Männeropfern?
Ja, laut Text berichten Medien bei Männern bevorzugt über extreme Gewalt wie Mord oder schwere Körperverletzungen, während bei Frauen auch leichtere Gewaltformen eher thematisiert werden.
Wie wirkt sich die Angst vor Degradierung auf die Anzeige von Gewalt aus?
Männer fürchten, als "unmännlich" oder "Petze" wahrgenommen zu werden, was die Dunkelziffer bei Gewaltanzeigen massiv erhöht.
- Arbeit zitieren
- S. Fritschler (Autor:in), 2020, Männer als Opfer von Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1563150