Diese Arbeit will die treibenden Kräfte der Europäischen Integration in den 1980er Jahren benennen. Dafür werden die Konzeptionen über die zentralen Akteure in den Theorien des Neofunktionalismus nach Ernst B. Haas und des Liberalen Intergouvernementalismus nach Andrew Moravcsik herangezogen. Geprüft werden ihre Aussagen am Beispiel des Prozesses des Zustandekommens der Einheitlichen Europäischen Akte. Abschließend wird festgestellt welche der beiden Theorien regionaler Integration sich besser zur Feststellung der zentralen Akteure im spezifischen Falle eignet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neofunktionalismus
3. Liberaler Intergouvernementalismus
4. Zusammenfassung
5. Die Einheitliche Europäische Akte
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zustandekommen der Einheitlichen Europäischen Akte, um zu ermitteln, welche der beiden Integrationstheorien – Neofunktionalismus oder Liberaler Intergouvernementalismus – die Akteurskonstellationen und den Integrationsprozess treffender analysiert.
- Grundannahmen und Konzeptionen des Neofunktionalismus
- Methodik und Argumentationsweise des Liberalen Intergouvernementalismus
- Vergleichende Analyse der Rolle von Regierungen, Kommission und Interessengruppen
- Empirische Untersuchung des Entscheidungsprozesses zur Einheitlichen Europäischen Akte
- Evaluation der theoretischen Erklärungsstärke in Bezug auf supranationale Einflussnahme
Auszug aus dem Buch
Die Kommission
Die Kommission ist ein von den Mitgliedsstaaten unabhängiges, supranationales Organ der Europäischen Gemeinschaften. Sie wird traditionell als Agenda- Setter in der Europäischen Gemeinschaft gesehen (Moravcsik 1991: 23). Ihre Mitglieder werden vom Europäischen Rat ernannt und sie ist mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, die sie formell einer Regierung gleichstellen (Ross: 26). War die Kommission vor den 1980er Jahren eher ein passiver Akteur, so tritt sie unter ihrem Präsidenten Delors und dem Kommissar für den Binnenmarkt Cockfield selbstbewusst und aktiv auf. Ross identifiziert zwei Möglichkeiten, die zu einer Einschränkung der Handlungsfähigkeit der Kommission führen können. Erstens, eine Blockade durch die Mitgliedsstaaten und zweitens eine Selbstblockade durch Mangel an Führungspersönlichkeiten (Ross: 27). Letzteres ist unter Delors nicht der Fall gewesen, da selbst Vertreter von Theorien, die den Einfluss der Kommission größtenteils negieren, die „Geschicklichkeit“ Delors’ und die „Kühnheit“ Cockfields anerkennen (Moravcsik 1991: 46).
Bemerkenswert ist, dass bei der EEA die Initiative nicht wie sonst von den Regierungen, also aus dem nationalen Rahmen, sondern von der Kommission kam (Moravcsik 1991: 24). Delors suchte einen Weg die Gemeinschaft neu zu beleben. Er entschied sich seine erste Amtszeit dem Ziel des gemeinsamen Marktes zu widmen. Indem er den gemeinsamen Markt als Mittel dafür nahm, wählte er das am ehesten zu bewerkstelligende Ziel. (Keohane: 24). Dies war ein Bereich, in dem sich die Staaten relativ einig waren. Weitere Spannungen, wie durch die Frage des britischen Beitrags zum Haushalt der EG konnten dadurch vermieden werden (Dinan: 110). Bevor Delors sich zu diesem Schritt entschied, bot er den Regierungen mehrere Optionen an und entschied sich letztlich für diejenige, die auf den geringsten Widerstand stieß (Ross: 30). Der BRD wäre ein Schritt in Richtung einer politischen Union lieber gewesen. Die Briten achteten penibel darauf, möglichst wenig elementare Bereiche ihrer Souveränität in Verhandlungen zur Disposition zu stellen. Zumindest aber einer weiteren wirtschaftlichen Ausdehnung der Gemeinschaft und der Liberalisierung des Marktes standen aber weder sie noch die Franzosen ablehnend gegenüber (Moravcsik 1991: 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die zentralen Akteure des europäischen Einigungsprozesses anhand zweier Schlüsseltheorien zu identifizieren und zu vergleichen.
2. Neofunktionalismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der neofunktionalistischen Theorie, insbesondere die Rolle supranationaler Akteure und das Konzept des „Spill-over“.
3. Liberaler Intergouvernementalismus: Hier werden die Kernpunkte der Theorie von Andrew Moravcsik dargestellt, welche den Nationalstaat und innerstaatliche Präferenzen in den Mittelpunkt stellt.
4. Zusammenfassung: Die Kernaussagen beider Theorien werden gegenübergestellt, wobei die unterschiedlichen Gewichtungen von staatlichen und supranationalen Akteuren hervorgehoben werden.
5. Die Einheitliche Europäische Akte: Dieses Kapitel liefert eine empirische Analyse des Zustandekommens der EEA unter besonderer Berücksichtigung der aktiven Rolle der Kommission.
6. Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit ab, dass der Neofunktionalismus für den konkreten Fall der Einheitlichen Europäischen Akte die schlüssigere analytische Perspektive bietet.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Neofunktionalismus, Liberaler Intergouvernementalismus, Einheitliche Europäische Akte, Kommission, Spill-over, Nationalstaat, Präferenzbildung, Supranationalität, Interessenverbände, Verhandlungsprozess, Jacques Delors, Europäische Gemeinschaften, Politische Steuerung, Integrationsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rollen zentraler Akteure im Prozess der europäischen Integration anhand der theoretischen Konzepte des Neofunktionalismus und des Liberalen Intergouvernementalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Einigungsprozesse der Europäischen Union, das Zusammenspiel zwischen nationalen Regierungen, supranationalen Institutionen wie der Kommission und organisierten Interessenverbänden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche der beiden genannten Integrationstheorien die Entstehung der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) und die Machtverhältnisse der involvierten Akteure treffender erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine theoretisch geleitete, empirische Fallstudienanalyse an, bei der die theoretischen Annahmen auf das historische Beispiel der Verhandlungen zur EEA angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der beiden Ansätze sowie eine detaillierte Untersuchung der Rolle der Kommission und der Regierungen während der Verhandlungen zur EEA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Supranationalität, Spill-over, Intergouvernementalismus, Präferenzbildung und institutionelle Dynamik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Kommission in den beiden Theorien?
Während der Neofunktionalismus der Kommission eine initiierende und treibende Rolle bei der Integration zuschreibt, betrachtet der Liberale Intergouvernementalismus sie primär als technokratisches Instrument zur Senkung von Transaktionskosten.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Einheitlichen Europäischen Akte?
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass der Neofunktionalismus die Rolle der Kommission und den Integrationsdruck besser erklären kann, da die Kommission maßgeblich die Agenda der EEA vorgab.
- Arbeit zitieren
- Martin Ahrens (Autor:in), 2008, Akteure der Europäischen Integration, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/156134