Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der philosophischen Elemente und Einflüsse auf den 1916 erschienenen Roman "Petersburg" von Andrej Belyj. Neben "A Reader’s Guide to Andrei Bely’s Petersburg", einer englischsprachigen Veröffentlichung der University of Wisconsin ist das literaturwissenschaftliche Forschungsmaterial zu dem Werk sehr dünn.
Diese Arbeit versucht unter Einbindung der genannten Publikation, sowie mit Primärwerken von Philosophen, das Thema rund um die Philosophie im Belyjs Roman zu untersuchen und eine Erklärung zu ihrem Verhältnis zur Anthroposophie Rudolf Steiners zu liefern.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kantianismus und Neukantianismus
Nikolaj Apollonowitsch
Einfluss auf das Gesamtwerk
Einflüsse der Lehre Nietzsches
Henri Bergsons spirituelle Philosophie
Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Elemente und Einflüsse im Roman „Petersburg“ von Andrej Belyj, mit einem besonderen Fokus auf deren Anknüpfungspunkte zur Anthroposophie. Es wird analysiert, inwieweit Kantianismus, Nietzscheanismus und die Philosophie Henri Bergsons das Werk durchdringen und als Wegbereiter für Belyjs Hinwendung zur Mystik und Theosophie fungieren.
- Kantianismus und die neukantianische Erkenntnistheorie im Roman
- Die Figur des Nikolaj Apollonowitsch und das Scheitern als Philosoph
- Nietzsches Philosophie als Grundlage für ästhetische Umwertungen
- Henri Bergsons Intuitionslehre und deren spirituelle Rezeption
- Die Synthese aus literarischer Form und philosophischem Gehalt
Auszug aus dem Buch
Nikolaj Apollonowitsch
Belyj zeichnet die Figur Nikolajs als intellektuellen, philosophisch interessierten jungen Studenten, der oft in philosophischen oder vielmehr pseudo philosophischen Gedanken schwelgt. Denn obwohl Nikolai selbst die Philosophie im Mittelpunkt seines Lebens sieht, wird dessen Erscheinen oft süffisant oder ironisch von der Erzählinstanz geschildert. Und auch sonst zeigt sich Nikolaj durch seine Handlung und seine Gespräche nicht als fundiert philosophisch bewandert, wie auch Langen konstatiert: „Prone to confusion and not particularly verbally gifted, Nikolai Apollonovich would hardly be an exemplary representative for any philosophical school.“ Dies wird bei einem Gespräch zwischen Nikolaj und seinem Vater im dritten Kapitel unter der Überschrift „Comt! — Comt! — Comt!“ deutlich. Zwar entscheidet sich Nikolaj, nach einigen gescheiterten Versuchen ein Gespräch zu beginnen, über seine aktuelle Lektüre von der „Theorie der Erfahrung“ des deutschen Philosophen und Neukantianers Hermann Cohen zu sprechen, sein Vater versteht allerdings anstelle von „Kantianer“ „Comtianer“ also Anhänger des französischen Philosophen Auguste Comte, der für einen nicht unbedeutenden Interessensabschwung der Philosophie in Russland verantwortlich gemacht werden kann. Wäre hiermit durch die Nennung zweiter Philosophen mit zwei verschiedenen Lehren eine Grundlage für ein philosophisches Gespräch geschaffen, bleibt es nur bei der Korrektur Nikolajs seines Vaters: „Aber Kant ist unwissenschaftlich...“ - „Comte ist unwissenschaftlich...“ darauf folgt eine Zäsur und weiter unten dann: „das Gespräch über Cohen war ein höchst neutrales Gespräch“. Man könnte also sagen, dass in seinem Handeln und seinem Sprechen Nikolaj nicht seinem philosophischen Vorbild nahekommt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Romans „Petersburg“ und Einführung in die Fragestellung nach den philosophischen Prägungen durch Autoren wie Kant, Nietzsche und Bergson.
Kantianismus und Neukantianismus: Analyse des Einflusses der kantischen Erkenntnistheorie auf die Struktur des Romans und die Darstellung der Hauptfigur Nikolaj.
Nikolaj Apollonowitsch: Untersuchung der spezifischen philosophischen Pseudo-Gelehrsamkeit und des Identitätskonflikts der Romanfigur Nikolaj.
Einfluss auf das Gesamtwerk: Zusammenführung der kantianischen Einflüsse und deren theoretische Überdehnung hin zum Mystischen und Anthroposophischen.
Einflüsse der Lehre Nietzsches: Erörterung der Wirkung nietzscheanischer Konzepte wie des Übermenschen sowie des Apollinischen und Dionysischen auf die Romanhandlung.
Henri Bergsons spirituelle Philosophie: Betrachtung der Rolle von Intuition und Lebensphilosophie bei Belyj und deren Verbindung zur Theosophie.
Konklusion: Zusammenfassende Bewertung, dass Belyjs Umgang mit Philosophie primär als Vorstufe oder Anknüpfungspunkt für sein anthroposophisches Weltbild diente.
Schlüsselwörter
Andrej Belyj, Petersburg, Philosophie, Kantianismus, Neukantianismus, Friedrich Nietzsche, Henri Bergson, Anthroposophie, Theosophie, Symbolismus, Russische Literatur, Erkenntnistheorie, Nikolaj Apollonowitsch, Mystik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Einflüsse im Roman „Petersburg“ von Andrej Belyj und analysiert, wie diese Denksysteme das Werk prägen und auf Belyjs Hinwendung zur Anthroposophie vorausdeuten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Felder sind die Wirkung des Kantianismus, die Bedeutung von Friedrich Nietzsches Philosophie und die Einflüsse von Henri Bergsons Denken auf die Romanfiguren und die Erzählstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Belyjs Verwendung philosophischer Konzepte in „Petersburg“ oft eine parodistische oder vorbereitende Funktion für seine spätere spirituelle Weltanschauung ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text mittels Sekundärliteratur auf philosophische Verweise hin untersucht und mit dem historisch-biografischen Kontext des Autors vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung explizit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kant, Nietzsche und Bergson, wobei jeweils spezifische Romanabschnitte und Figurenkonstellationen analysiert werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Schlüsselbegriffe sind Symbolismus, Erkenntnistheorie, Anthroposophie sowie die spezifischen Namen der behandelten Philosophen wie Kant, Nietzsche und Bergson.
Warum spielt die Figur des Nikolaj Apollonowitsch eine so zentrale Rolle?
Nikolaj dient als Paradebeispiel für die Diskrepanz zwischen philosophisch-theoretischem Anspruch und praktischem Handeln, an dem Belyj seine kritische Distanz zur rationalen Philosophie illustriert.
In welchem Verhältnis stehen Erkenntnistheorie und Halluzination im Roman?
Die Arbeit zeigt auf, dass Belyj durch die Instrumentalisierung kantianischer Erkenntnistheorie die Grenze zwischen Realität, Traum und Halluzination gezielt auflöst, um die Unsicherheit des Wissens zu betonen.
Welche Rolle spielt die Anthroposophie für das Verständnis des Werkes?
Die Anthroposophie fungiert als der endgültige Zielpunkt oder Sammelbecken für Belyjs philosophische Interessen, die der Autor zum Zeitpunkt der Niederschrift bereits intensiv verfolgte.
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- Josua Heitkamp (Author), 2023, Untersuchung der philosophischen Elemente und Einflüsse auf Andrej Belyjs Roman "Petersburg", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1558820