Hört man den Begriff "Parkour", drängt sich schnell das Bild amerikanischer Actionfilme auf, in denen die Filmhelden elegant und mühelos scheinbar unüberwindbare Hindernisse bezwingen und sich wilde Verfolgungsjagden liefern. Es scheint daher weit hergeholt, sich diesen Begriff mit den eben beschriebenen Assoziationen für Heranwachsende im Kontext „Hort“ vorzustellen. Basierend auf einschlägiger Fachliteratur liegen jedoch gerade positive Erfahrungswerte hinsichtlich des Einsatzes zur Wertevermittlung dieser komplexen Sportart vor. Die Community ParkourONE hat dazu 2008 ein Wertemodell nach TRuST entwickelt, wodurch das Grundbedürfnis nach Bewegung mit Parkour-Sport eine Möglichkeit bietet, dieses Werteverständnis aktiv erlebbar zu vermitteln.
Doch was steckt hinter dieser Wertephilosophie nach TRuST und schafft Parkour-Sport im Rahmen eines Ganztagsangebotes einen Beitrag zur Wertevermittlung? Diesen Gedanken geht der Verfasser in seiner Facharbeit nach und stellt sich im Speziellen die Frage: Kann Parkour-Sport nach TRuST einen Beitrag zur Wertevermittlung bei Hortkindern leisten? Diese Fragen will die vorliegende Arbeit beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung
2.1 Werte
2.2 Wertewandel
2.3 Wertevermittlung
2.4 Werteverständnis bei Hortkindern
3 Bewegungskunst Parkour
3.1 Parkour
3.2 ParkourONE
3.3 Parkour nach TRuST
4 Bildungsziele nach TRuST
4.1 Potenzialentfaltung
4.2 Wertehaltung
4.3 Gesundheitsförderung
5 Wertemodell nach TRuST
5.1 Konkurrenzfreiheit
5.2. Vorsicht
5.3. Respekt
5.4 Vertrauen
5.5 Bescheidenheit
5.6 Mut
6 Ziel des Bildungsinstrument TRuST
7 Handlungsempfehlung zur Parkour-Einheit nach TRuST
7.1 Einführende Phase
7.2 Einleitende Phase
7.3 Hauptphase
7.4 Abschließende Phase
8 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Facharbeit untersucht, ob Parkour-Sport unter Anwendung des Bildungsinstruments TRuST einen Beitrag zur Wertevermittlung bei Kindern im Hortalter leisten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Verknüpfung von Bewegungserziehung mit der Vermittlung essenzieller sozialer Orientierungswerte.
- Bedeutung der Wertevermittlung für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung
- Grundlagen der Bewegungskunst Parkour und der Philosophie von ParkourONE
- Analyse der TRuST-Methodik (Training und Standards) als Bildungsinstrument
- Strukturierung einer praktischen pädagogischen Handlungsempfehlung für Parkour-Einheiten
- Förderung sozialer Kompetenzen wie Respekt, Vertrauen und Konkurrenzfreiheit durch Sport
Auszug aus dem Buch
3.1 Parkour
Parkour ist eine kreative Bewegungskunst, bei der Hindernisse schnell und effizient überwunden werden. In ihrer Umsetzung fließen physische und psychische Aspekte zusammen. Diese Menschen, die Parkour und deren Philosophie praktizieren, werden Traceur genannt. Sie finden dabei ihren eigenen Weg, Hindernisse in der Natur oder der Stadt effizient zu überwinden. Dies geschieht ohne zusätzliche Hilfsmittel, lediglich durch eigene geistige und körperliche Fähigkeiten. Der Konkurrenz- oder Rivalitätsgedanke spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Denn kooperatives Verhalten und gegenseitige Wertschätzung sind im Parkour-Sport eine Grundvoraussetzung. Entscheidend sind die Fähigkeiten und Ressourcen jedes einzelnen Traceurs, gemessen an sich selbst und seiner Umgebung.
David Belle, einer der Begründer von Parkour, sieht darin eine Bewegungsform, welche die körpereigenen Fähigkeiten nutzt, um effizient Hindernisse in der Umgebung zu überwinden. Eine Aneignung oder Vertiefung von Ausdauer, Kraft, Körperbewusstsein, Selbstvertrauen, Schnelligkeit und grundlegende Anpassungsfähigkeit an Hindernisse sowie Durchhaltevermögen, Willensstärke und Bescheidenheit sind Grundeigenschaften des Parkour-Sports. Diese Fähigkeiten lassen sich auf den Lebensalltag des Menschen übertragen, denn sie ermöglichen, Herausforderungen selbstsicherer und vielfältiger zu meistern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Wertevermittlung in einer sich wandelnden Kindheit und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Wirksamkeit von Parkour-Sport als pädagogisches Instrument.
2 Begriffserklärung: Definiert grundlegende Konzepte wie Werte, Wertewandel und Wertevermittlung und erörtert den spezifischen Entwicklungsstand des Werteverständnisses bei Kindern im Hortalter.
3 Bewegungskunst Parkour: Beleuchtet die Ursprünge des Parkour-Sports, die Entstehung der Gemeinschaft ParkourONE und die Philosophie hinter Parkour nach TRuST.
4 Bildungsziele nach TRuST: Fokussiert auf die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung durch Potenzialentfaltung, Wertehaltung und Gesundheitsförderung innerhalb der TRuST-Methodik.
5 Wertemodell nach TRuST: Stellt das Fünf-Finger-Modell vor, das zentrale Werte wie Konkurrenzfreiheit, Vorsicht, Respekt, Vertrauen, Bescheidenheit und Mut als pädagogische Kompassnadeln nutzt.
6 Ziel des Bildungsinstrument TRuST: Erläutert den Nutzen von TRuST als pädagogisches Werkzeug zur Förderung von Vertrauen, Miteinander und sicherem Handeln im Hortalltag.
7 Handlungsempfehlung zur Parkour-Einheit nach TRuST: Liefert einen detaillierten Leitfaden zur praktischen Durchführung, unterteilt in die vier Phasen: Einführende, einleitende, Haupt- und abschließende Phase.
8 Fazit: Resümiert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt, dass Parkour-Sport nach TRuST ein wirksames Instrument zur Wertevermittlung darstellt, sofern die pädagogische Begleitung authentisch erfolgt.
Schlüsselwörter
Parkour, TRuST, Wertevermittlung, Hortkinder, Bewegungskunst, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialkompetenz, Wertehaltung, Sportpädagogik, Konkurrenzfreiheit, Respekt, Vertrauen, Gesundheitsförderung, Ganzheitliche Bildung, Handlungsempfehlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz des Parkour-Sports als Methode für pädagogische Fachkräfte, um bei Hortkindern Werte zu vermitteln und ihre soziale Entwicklung zu fördern.
Welches Bildungsinstrument steht dabei im Mittelpunkt?
Das Bildungsinstrument "TRuST" der Community ParkourONE, welches Training und Standards mit einer ausgeprägten Wertephilosophie verknüpft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Parkour nach TRuST einen wirksamen Beitrag zur Wertevermittlung bei Hortkindern leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung in Verbindung mit einer praxisorientierten Handlungsempfehlung, gestützt durch Fachliteratur und Expertenwissen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Werten und Parkour, das Wertemodell nach TRuST sowie eine detaillierte Anleitung zur Durchführung von Parkour-Einheiten im pädagogischen Kontext.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Respekt, Vertrauen, Konkurrenzfreiheit, Bewegungskunst, TRuST-Modell, Wertevermittlung und Hortpädagogik.
Warum ist gerade das Alter der Hortkinder (7-12 Jahre) für dieses Thema relevant?
Laut Robert James Havighurst durchlaufen Kinder in diesem Alter eine entscheidende Entwicklungsphase, in der ein erstes bewusstes Werteverständnis geformt wird.
Inwiefern unterscheidet sich die TRuST-Methode von klassischem Wettbewerbssport?
Das TRuST-Modell lehnt den Konkurrenzgedanken explizit ab und fördert stattdessen gegenseitiges Helfen, individuelles Tempo und eine stressfreie Lernumgebung.
Was bedeutet das "Fünf-Finger-Modell" in diesem Zusammenhang?
Es dient als Hand-Metapher, bei der jeder Finger für einen zentralen Wert des Parkour-Sports steht, um diese den Kindern anschaulich und merkbar zu vermitteln.
Wie ist eine typische Parkour-Einheit nach dieser Methode strukturiert?
Sie besteht aus vier festen Phasen: einer einführenden Begrüßung, einer einleitenden Mobilisation, einer Hauptphase mit Fokus auf Technik und einer abschließenden Feedbackrunde mit Ritual.
- Arbeit zitieren
- Silvio Rädisch (Autor:in), 2024, Parkour-Sport nach TRuST. Ein Beitrag zur Wertevermittlung bei Hortkindern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1558493