Im Aufarbeiten des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes entdeckte ich immer wieder die Annahme, Sexualität müsse als Forschungsgegenstand der Queer Studies angesehen werden. So wenig ich dem zu widersprechen gedenke, impliziert besagte Annahme doch oftmals, die Gender Studies hätten ihrerseits keinen Anspruch auf jenes Forschungsfeld. Meines Erachtens herrscht jedoch nicht nur ein interdependentes Verhältnis zwischen den Kategorien "Geschlecht" und "Sexualität", sondern letztere muss auch notwendiger Weise interdisziplinär betrachtet werden.
Die folgende Hausarbeit befasst sich daher mit der Frage, in wieweit Sexualität als Diskursbegriff zwischen den Wissenschaften Queer Studies und Gender Studies zu verhorten ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Operationalisierung der zentralen Begriffe
2.1 Gender Studies
2.2 Sexualität
3 Verstrickungen der Trilogie „sex – gender – sexuality“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Sexualität als Diskursobjekt zwischen den Forschungsfeldern der Queer Studies und der Gender Studies verortet werden kann und inwiefern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen diesen Disziplinen notwendig und sinnvoll ist.
- Grundlagendefinition von Gender Studies und Sexualität
- Analyse der Interdependenz zwischen den Kategorien Geschlecht und Sexualität
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der Heteronormativität in den Gender Studies
- Plädoyer für eine inter- bzw. transdisziplinäre Forschungspraxis
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die folgende Hausarbeit befasst sich mit der Frage, in wieweit Sexualität als Diskursbegriff zwischen den Wissenschaften Queer Studies und Gender Studies zu verhorten ist.
„Queer Theory und ihre Anwendung in den Queer Studies zielen, um vorerst nur einige Schlagwörter zu nennen, auf die Denaturalisierung normativer Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit, die Entkoppelung der Kategorien des Geschlechts und der Sexualität, die Destabilisierung des Binarismus von Hetero- und Homosexualität sowie die Anerkennung eines sexuellen Pluralismus, der neben schwuler und lesbischer Sexualität auch Bisexualität, Transsexualität und Sadomasochismus einbezieht“ (Kraß 2003, 18 – Hervorhebung A.W.).
„Lesbisch/schwule Forschung geht für Sex und Sexualität ungefähr so in Einsatz, wie die Women’s Studies dies für Gender tun“ (zit. nach Butler 2006, 118).
Im Aufarbeiten des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes entdeckte ich immer wieder die Annahme, Sexualität müsse als Forschungsgegenstand der Queer Studies angesehen werden. So wenig ich dem zu widersprechen gedenke, impliziert besagte Annahme doch oftmals, die Gender Studies hätten ihrerseits keinen Anspruch auf jenes Forschungsfeld. In diesem Zusammenhang ist häufig vom Vorwurf der „Reproduktion heteronormativer Verhältnisse“ die Rede. Gender, so resümiert Sabine Hark den Diskurs, werde als implizit heteronormativ verfasst begriffen und stelle als Teil der feministischen Theorie keine adäquaten Instrumente zur Analyse von Sexualität bereit (vgl. Hark 2009).
Meines Erachtens herrscht jedoch nicht nur ein interdependentes Verhältnis zwischen den Kategorien Geschlecht und Sexualität, sondern letztere muss auch notwendiger Weise interdisziplinär betrachtet werden. Daher beginne ich meine Ausführungen mit einer genaueren Definition der einzelnen Begrifflichkeiten, um mein Verständnis von Sexualität, aber auch von gender Forschung, zu verdeutlichen. Im Anschluss daran gehe ich explizit auf die enge Verstrickung von „sex“, „gender“ und „sexuality“ ein und hoffe verdeutlichen zu können, dass Gender- und Queer Studies nicht zu einander in Konkurrenz treten müssen, da Sexualität als ein von zahlreichen Wissenschaften durchdrungenes Objekt betrachtet werden kann und meines Erachtens muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert das Forschungsinteresse an der Verortung von Sexualität im Spannungsfeld zwischen Queer Studies und Gender Studies und begründet die Notwendigkeit einer interdisziplinären Betrachtungsweise.
2 Operationalisierung der zentralen Begriffe: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Gender Studies und Sexualität theoretisch und grenzt sie konzeptionell voneinander ab, wobei Sexualität als facettenreiches menschliches Wesensmerkmal verstanden wird.
3 Verstrickungen der Trilogie „sex – gender – sexuality“: Dieser Abschnitt analysiert die komplexen Wechselbeziehungen und Interdependenzen zwischen den drei Begriffen und plädiert gegen eine disziplinäre Trennung der Forschungsthemen.
Schlüsselwörter
Sexualität, Gender Studies, Queer Studies, Interdisziplinarität, Transdisziplinarität, Geschlechterforschung, Heteronormativität, Diskurs, Forschungsgegenstand, Geschlecht, Diskursobjekt, Interdependenz, Sexualpädagogik, Sexualsoziologie, Grenzmengen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die disziplinäre Zuordnung von Sexualität als Forschungsgegenstand zwischen den Gender Studies und den Queer Studies.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Operationalisierung von „Gender“ und „Sexualität“ sowie die methodische Verzahnung beider Disziplinen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Annahme zu entkräften, Sexualität sei ausschließlich ein Thema der Queer Studies, und stattdessen eine produktive interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse bestehender Diskurse aus der Geschlechterforschung und der Sexualsoziologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Begriffsdefinition sowie der Analyse der Verstrickungen zwischen den Konzepten „Sex“, „Gender“ und „Sexuality“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interdisziplinarität, Heteronormativität, Gender Studies und Diskursobjekt bestimmt.
Warum wird der Vorwurf der „Reproduktion heteronormativer Verhältnisse“ diskutiert?
Der Vorwurf wird diskutiert, um die Kritik an den Gender Studies aufzugreifen, wonach diese angeblich keine adäquaten Instrumente zur Analyse von Sexualität besitzen würden.
Welche vier Sinnaspekte von Sexualität nennt Sielert?
Sielert differenziert zwischen dem lebensschöpferischen Aspekt, dem Lustaspekt, dem Beziehungsaspekt und dem Identitätsaspekt.
Warum schlägt die Autorin vor, von „Grenzmengen“ statt von „Grenzlinien“ zu sprechen?
Der Begriff „Grenzmengen“ betont die gemeinsamen Wurzeln und die Schnittmengen beider Disziplinen, anstatt durch „Grenzlinien“ eine strikte Trennung zu suggerieren.
Welchen Stellenwert nimmt die Interdisziplinarität im Fazit ein?
Die Autorin sieht in der interdisziplinären Zusammenarbeit eine große Chance für gegenseitige Reflexion und erkennt den Vorteil, voneinander zu lernen, als zentral für den wissenschaftlichen Fortschritt.
- Arbeit zitieren
- Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, B.A. Angela Wolter (Autor:in), 2010, Sexualität als Diskursobjekt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155495