Das deutsche Universalbankensystem besteht aus drei Sektoren, dem Kreditbankensektor, dem Sektor der öffentlich rechtlichen Kreditinstitute und dem Genossenschaftsbankensektor. Die Hypothekenkrise in den USA hat vielen großen Banken sehr viel Geld gekostet. Darunter auch Banken aus Deutschland. Große Kreditbanken wie die Deutsche Bank oder die Dresdner Bank mussten Milliarden Beträge abschreiben. Sogar Landesbanken verspekulierten sich und verloren sehr viel Geld. Genossenschaftsbanken blieben hingegen vollkommen verschont.
Warum partizipierten Genossenschaftsbanken nicht auch an solchen Geschäften? Die Antwort liegt in der historisch gewachsenen Struktur des Sektors. Die Grundprinzipien der Genossenschaften gelten auch für genossenschaftliche Kreditinstitute. Die Arbeitsweise im Finanzverbund und in den ebenfalls bestehenden Verbänden ist geprägt durch diese Grundsätze. Die Entwicklung der Genossenschaftsbanken vom Ursprung, Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute ist Gegenstand des 2. Kapitels. Die Struktur und Arbeitsweise innerhalb des Sektors ist Gegenstand des 3. Abschnitts. Im 4. Kapitel werden dann noch die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den anderen Sektoren des deutschen Universalbankensystems herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Genossenschaftswesen in Deutschland
2.1 Die Genossenschaft
2.1.1 Die Rechtsform der Genossenschaft
2.1.2 Entstehung und Entwicklung der Genossenschaften
3. Der Genossenschaftsbankensektor in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Einordnung in den Deutschen Bankenmarkt
3.2 Aufbau des Genossenschaftsbankensektors
3.2.1 Kreditgenossenschaften auf der Ortsebene (1. Stufe)
3.2.1.1 Die atypischen Genossenschaftsbanken
3.2.2 Genossenschaftliche Spitzeninstitute (2. Stufe)
3.2.3 Die weiteren Unternehmen des horizontalen Finanzverbundes
3.2.4 Das Verbandswesen
3.2.4.1 Die regionalen Verbände
3.2.4.2 Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken
3.3 Die Marktposition des Genossenschaftsbankensektors
4. Vergleich der drei Sektoren des Deutschen Universalbankensektors
4.1 Charakteristika des Kreditbankensektors
4.2 Charakteristika des Sektors der öffentlich rechtlichen Kreditinstitute
4.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem Genossenschaftsbankensektor
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die spezifische Struktur und die Funktionsweise des genossenschaftlichen Bankensektors in Deutschland, um zu ergründen, warum dieser Sektor resilient gegenüber den Auswirkungen der US-Hypothekenkrise blieb.
- Strukturelle Analyse der Organisation von Primärgenossenschaften bis zu den Spitzeninstituten.
- Untersuchung der Grundprinzipien Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.
- Darstellung der Rolle des Finanzverbundes und der genossenschaftlichen Verbände.
- Vergleichende Betrachtung mit dem Kreditbankensektor und öffentlich-rechtlichen Instituten.
- Beurteilung der Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsposition der Genossenschaftsbanken.
Auszug aus dem Buch
2.1.2Entstehung und Entwicklung der Genossenschaften
Die Idee einer solchen Gesellschaftsform entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch die Industrialisierung und Liberalisierung der Wirtschaft erlangten die Handwerker, Kleingewerbetreibende und Bauern ihre Selbstständigkeit (Bokelmann2006, S. 17 ff.).Die wirtschaftlichen Veränderungen durch die Stein-Hardenbergschen Reformen und die industrielle Revolution gefährdeten vor allem die Existenzen der Landwirte und der Kleingewerbetreibenden (Brückner 2007, S.74).Das Einführen der Gewerbefreiheit erhöhte den Wettbewerbsdruck massiv auf die kleinen Handwerksbetriebe. Großer Finanzierungsbedarf entstand durch die Notwendigkeit von Investitionen in neue Produktionsanlagen und durch die Vorfinanzierung von Rohstoffen und Endprodukten um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die durch die Bauernbefreiung erworbene Unabhängigkeit der Landwirte hatte Ablösezahlungen zur Folge, die durch die Bauern an die Lehnsherren zu leisten waren. Mit diesen Zahlungen wurden die Lehnsherren für den Verlust der Ländereien entschädigt. Die Eigenkapitalausstattung der kleinen Handwerkbetriebe und der Landwirte war sehr schlecht.
Die Kreditinstitute verlangten zur Absicherung von Krediten Sicherheiten, die durch die Handwerker und Kleingewerbetreibenden nicht gestellt werden konnten. Die Landwirte hätten Sicherheiten in Form ihrer Ländereien vorzuweisen gehabt, aber im ländlichen Bereich waren Kreditinstitute nicht vertreten. Die eher städtische Konzentrierung der Institute machte es den Bauern nur unter großen Anstrengungen möglich sich um die Kreditbeschaffung zu kümmern. Die Kreditvergabe an Landwirte, Kleingewerbetreibende und Handwerker war für die bestehenden Kreditinstitute mit einem hohen Aufwand für Informationsbeschaffung verbunden und somit unrentabel. Die einzig verbleibende Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung waren lokale Geldverleiher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die drei Sektoren des deutschen Universalbankensystems ein und stellt die Forschungsfrage, warum Genossenschaftsbanken im Vergleich zu anderen Banken resilienter gegenüber der Hypothekenkrise waren.
2. Das Genossenschaftswesen in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen sowie die historische Entstehung der Genossenschaften durch Pioniere wie Raiffeisen und Schulze-Delitzsch.
3. Der Genossenschaftsbankensektor in der Bundesrepublik Deutschland: Hier wird der Aufbau des Sektors in Primärstufen, Spitzeninstitute und Verbundorganisationen detailliert beschrieben sowie dessen Marktposition analysiert.
4. Vergleich der drei Sektoren des Deutschen Universalbankensektors: Das Kapitel kontrastiert die Charakteristika des genossenschaftlichen Sektors mit denen des Kreditbankensektors und der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Stärken und Schwächen der dezentralen Struktur des genossenschaftlichen Bankensektors und dessen Anpassungsbedarf an zukünftige Wettbewerbssituationen.
Schlüsselwörter
Genossenschaftsbanken, Universalbankensystem, Volks- und Raiffeisenbanken, Finanzverbund, DZ Bank, Subsidiaritätsprinzip, Kreditgenossenschaft, Bankensektor, Förderauftrag, Genossenschaftsgesetz, Selbsthilfe, Marktposition, Strukturwandel, Bankenmarkt, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur, der Geschichte und der besonderen Marktstellung des genossenschaftlichen Bankensektors in Deutschland innerhalb des Universalbankensystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entstehung der Genossenschaftsidee, der organisatorische Aufbau in Stufen, die Funktionsweise des Finanzverbundes und ein Vergleich mit anderen Bankensektoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die strukturellen Besonderheiten aufzuzeigen, die es Genossenschaftsbanken ermöglicht haben, stabil durch Krisenzeiten zu navigieren, und deren Wettbewerbsfähigkeit zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer deskriptiven Auswertung der sektoralen Struktur, inklusive der Einbeziehung von Kennzahlen und rechtlichen Grundlagen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des genossenschaftlichen Sektors, dessen hierarchischen Aufbau inklusive der Spitzeninstitute und Verbände sowie eine vergleichende Analyse zu privaten und öffentlich-rechtlichen Banken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Genossenschaftsbanken, Finanzverbund, Subsidiaritätsprinzip, Förderauftrag und Universalbankensystem sind essentiell für das Verständnis der Arbeit.
Was sind sogenannte "atypische" Genossenschaftsbanken?
Dies sind Institute wie Kirchenbanken, Sparda- oder PSD-Banken, die zwar genossenschaftlich organisiert sind, aber in der Regel eine andere berufsständische Herkunft haben und teilweise Sonderrollen im Verband einnehmen.
Welche Rolle spielt die DZ Bank innerhalb des Sektors?
Die DZ Bank fungiert als überregionales Spitzeninstitut, welches als "Liquidity Manager" und Holdinggesellschaft für Verbundunternehmen dient, um die Primärbanken zu unterstützen.
Warum wird das Prinzip der Subsidiarität in der Arbeit hervorgehoben?
Das Subsidiaritätsprinzip ist zentral, da es sicherstellt, dass die lokalen Genossenschaftsbanken autonom handeln und nur dann auf übergeordnete Strukturen des Verbundes zurückgreifen, wenn dies wirtschaftlich oder qualitativ notwendig ist.
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- Maik Rösler (Author), 2008, Der Genossenschaftliche Bankensektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155351