In seinem Buch „Lob der Disziplin“ desavouiert Bernhard Bueb die antiautoritären Bestrebungen der Pädagogik der APO (außerparlamentarische Opposition) der „68er“ Generation. Ob er mit seiner stellenweise etwas polemischen Kritik auf den (unfreiwilligen) Begründer dieser Pädagogik zielt oder auf das was die Kinderläden der antiautoritären Protestbewegung daraus gemacht haben, bleibt weitgehend spekulativ. Er fordert jedenfalls eine Rückkehr zu einer hierarchisch strukturierten Beziehung zwischen Erzieher und Edukand auf Kosten des dialogischen Konfliktlösungsmodells. In wie weit die Ansichten A.S. Neills und Bernhard Buebs auseinanderklaffen und ob eventuell sogar ein gewisser Konsens besteht, soll das vorliegende Essay anhand einiger ausgewählter Passagen aus Buebs Buch beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anti-antiautoritär vs. „romantisch“
3. Autorität vs. Selbstregulation
4. Hierarchisch vs. dialogisch
5. Zurück in die Zukunft?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay analysiert kritisch das Werk "Lob der Disziplin" von Bernhard Bueb im Kontext der pädagogischen Theorien von A.S. Neill. Ziel ist es, die Diskrepanzen zwischen dem Plädoyer für eine hierarchische Erziehung und dem Modell der antiautoritären Erziehung zu beleuchten und mögliche Konsenspunkte zu prüfen.
- Kritik an antiautoritären Erziehungsansätzen
- Verhältnis von Autorität, Disziplin und Selbstbestimmung
- Gegenüberstellung von hierarchischen und dialogischen Erziehungsstilen
- Historische Einordnung pädagogischer Konzepte
- Rolle der Macht in der Lehrer-Schüler-Beziehung
Auszug aus dem Buch
Autorität vs. Selbstregulation
„Wer Selbstbestimmung lernen will, muss Unterordnung gelernt haben.“ (Bueb, 2006: S. 55). Diese Aussage löst allzu sehr Assoziationen an Adornos „Autoritären Charakter“ aus, dessen Autoritäre Unterwürfigkeit/Autoritäre Aggression Konstellation (vgl. Dubiel, 2001: S. 56) Erich Fromm als Voraussetzung für autoritäre Dispositionen erkannt hat und auf eine sadomasochistische Charakterstruktur zurückführt (vgl. Fromm, 1949). Sie erinnert an das Ethos des wilhelminischen Bürgertums in dem Schlüsselworte wie „Disziplin“ und „Unterordnung“ ähnlich eng miteinander verschränkt waren wie bei Bernhard Bueb und er begeht den Fehler unserer Vorväter wenn er „nun aus solchen Symbolen einer selbstverständlichen Tradition […] Symbole reflektierter Prinzipien, Mittel der expliziten ideologischen Argumentation“ (Elias, 1989: S. 272) macht, wie Norbert Elias es formulierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die kontroversen Standpunkte von Bernhard Bueb und A.S. Neill ein und skizziert das Ziel der Untersuchung.
2. Anti-antiautoritär vs. „romantisch“: Es wird untersucht, ob Buebs Kritik an der antiautoritären Pädagogik als bloße Ablehnung von „Romantik“ gerechtfertigt ist.
3. Autorität vs. Selbstregulation: Dieses Kapitel hinterfragt die von Bueb geforderte Unterordnung als notwendige Bedingung für Selbstbestimmung.
4. Hierarchisch vs. dialogisch: Die Abkehr von dialogischen Konfliktlösungen zugunsten einer hierarchischen Machtstruktur wird problematisiert.
5. Zurück in die Zukunft?: Die Analyse befasst sich mit der Forderung nach einer Rückbesinnung auf traditionelle Autoritätswerte und deren historischen Implikationen.
6. Fazit: Die abschließende Betrachtung bewertet das Missbrauchspotential von Buebs Thesen und arbeitet einen latenten Konsens zur Liebe am Kind heraus.
Schlüsselwörter
Bernhard Bueb, A.S. Neill, Pädagogik, Autorität, Disziplin, Selbstregulation, Antiautoritäre Erziehung, Macht, Erziehungswissenschaft, Hierarchie, Dialog, Unterordnung, Sozialisation, Pädagogische Konzepte, Summerhill
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Bernhard Buebs Werk „Lob der Disziplin“ auseinander und vergleicht dessen Thesen mit den Ansätzen der antiautoritären Erziehung, insbesondere von A.S. Neill.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen Disziplin und Selbstbestimmung, der Legitimität von Macht in der Erziehung sowie der historischen Verantwortung pädagogischer Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beleuchtung der inhaltlichen Differenzen zwischen Bueb und Neill sowie die Untersuchung, ob ein pädagogischer Konsens zwischen den scheinbar gegensätzlichen Positionen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine textkritische Analyse von Schlüsselpassagen aus dem Werk „Lob der Disziplin“ unter Einbezug soziologischer und pädagogischer Theorien (z.B. von Adorno, Fromm, Weber und Elias).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Begriffe „Autorität“, „Hierarchie“ und „Selbstregulation“ und prüft die Validität von Buebs Forderungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und historischer Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Pädagogik, Autorität, Disziplin, Selbstregulation, Antiautoritäre Erziehung und Macht strukturieren.
Wie bewertet der Autor Buebs Begriff der „Unterordnung“?
Der Autor sieht in Buebs Forderung nach Unterordnung die Gefahr, autoritäre Dispositionen zu fördern und zieht Parallelen zu historischen, problematischen Erziehungsidealen.
Gibt es laut dem Essay Gemeinsamkeiten zwischen Bueb und Neill?
Trotz der gegensätzlichen Ansätze erkennt der Autor einen gemeinsamen Nenner: das tiefe Engagement beider Erzieher für das Wohl und die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
- Quote paper
- Richard Grünert (Author), 2009, Buebs Streitschrift zwischen den Zeilen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155301