Maurizio Viroli ist Professor für Politikwissenschaft an der Princeton Universität, New Jersey. Er ist gebürtiger Italiener. In seinen bisherigen Publikationen befasst er sich hauptsächlich mit Fragen der Freiheit und der Beziehung zwischen Mensch und Staat.
Hier sind zum Beispiel For Love of Country, From Politics to Reason of State und Republicanism zu nennen!. Bisher auf Deutsch erschienen sind lediglich Das Lächeln des Niccolo - Machiavelli und seine Zeit und Die Idee der republikanischen Freiheit - Von Machiavelli bis heute.
Viroli selbst kann als Anhänger der Republik, wie sie Machiavelli in seinem Werk Discorsi beschreibt, gesehen werden. In der Idee der republikanischen Freiheit verteidigt und erläutert Viroli die Machiavell'schen Prinzipien weitestgehend. Nur in zwei Punkten weicht er von Machiavellis Vorschlägen ab, dem Staatszweck und der Rolle der Religion im Staat. Einen Gedankengang entwickelt er weitestgehend unabhängig von Machiavelli, das ist die Kritik an dem Freiheitsbegriff moderner Demokratien. Dieser Freiheitsbegriff in für Viroli unmittelbar mit dem Staatzweck verbunden.
Bevor ich Virolis Ansichten über die republikanische Freiheit, und damit verbunden dass Gedankengerüst der Republik, die ihm vorschwebt, wiedergebe, werde ich auf die mit dem Begriff Republik verbundene Verständnissproblematik eingehen.
Viroli verfolgt mit seinem Essay zwei spezielle politische Ziele. Das eine ist eine politische alternative zu den gegenwärtigen politischen Gegebenheiten in Italien zu bieten, das Andere ist die Einigung Europas unter republikanischen Ansätzen voranzutreiben. Diese Ziele werde ich darlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Republikanismus
2.1 Begriffsproblematik
2.2 Klassischer Republikanismus
2.3 Virolis Beitrag zum Republikanismus
3. Der Republikanische Beitrag zur gegenwärtigen politischen Landschaft
3.1 Berlusconis Italien
3.2 Der Fürst in Die Idee der republikanischen Freiheit
4. Die republikanische Elite
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Maurizio Virolis Konzept der republikanischen Freiheit und dessen Anwendung auf aktuelle politische Entwicklungen, insbesondere im Kontext von Italien und Europa, wobei kritisch hinterfragt wird, ob eine republikanische Führungselite mit den Idealen der Chancengleichheit vereinbar ist.
- Analyse des republikanischen Freiheitsbegriffs bei Maurizio Viroli
- Abgrenzung des klassischen Republikanismus zu modernen politischen Strömungen
- Diskussion der Bedeutung von Patriotismus gegenüber religiöser Legitimation
- Kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Machtpolitik in Italien
- Reflektion über die Rolle einer Elite in einem republikanischen Staatsmodell
Auszug aus dem Buch
2.3 Virolis Beitrag zum Republikanismus
Während sich Viroli zum größten Teil den Ausführungen Machiavellis anschließt, gibt es zwei Bereiche, in denen sich Viroli von Machiavelli abgrenzt. Dies ist zum einen die Rolle der Religion im Staat und zum anderen der Zweck des Staates.
Was die Religion in der Republik betrifft, so ist Machiavelli der Ansicht, dass sie einen wichtigen Beitrag zu Stabilität des Staates und zur Gehorsamswilligkeit der Bürger leistet: "Allerdings erleichterte ihm der religiöse Sinn der Zeit und die Roheit der damaligen Menschen die Ausführung seiner Pläne bedeutend, denn er konnte ihnen jede neue Form ohne Mühe aufprägen. [...] Wie aber die Gottesfurcht die Ursache für die Größe der Staaten ist, so ist ihr Schwinden die Ursache ihres Verfalls. Denn wo die Gottesfurcht fehlt, da muss ein Reich im Verfall geraten, oder die Furcht vor dem Fürsten muss den Mangel an Religion ersetzen. Da aber die Fürsten ein kurzes Leben haben, muss ein Reich sofort verfallen, wenn der starke Arm seines Fürsten fehlt." Auch wenn Machiavelli zu gibt, dass ein Staat ohne Religion auskommt, befürchtet er das dieser Staat von kurzer Dauer sei. Die Religion hat hierbei die Aufgabe die Staatsbürger zu moralischen Menschen zu erziehen, um den nationalen Frieden zu gewährleisten. Hierbei ist Machiavelli nicht wesentlich, dass es sich um eine bestimmte Religion handelt. Entscheidend ist, dass sich der Klerus an die Grundlagen der jeweiligen Religion hält, weil sie sich sonst am Ende selbst vernichtet und ihre Funktion, den Staat zu stabilisieren, nicht mehr ausüben kann.
Viroli setzt dem entgegen, dass es zwar richtig ist, dass die Religion diese Funktion übernehmen kann, dass sie aber nicht das Einzige ist, was dessen fähig wäre: "Solange es keine andere Kraft gibt, die an die innere Motivation des Handelns rührt, muss man deshalb die Vorstellung von der Notwendigkeit der Religion akzeptieren. Doch diese Kraft existiert im Patriotismus."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt Maurizio Viroli als Wissenschaftler vor und führt in die zwei Hauptanliegen der Arbeit ein: die politische Alternative für Italien sowie die Einigung Europas durch republikanische Ansätze.
2. Republikanismus: Hier werden die Begriffsproblematik, der klassische Republikanismus und Virolis spezifischer theoretischer Beitrag, insbesondere die Rolle des Patriotismus, detailliert erarbeitet.
3. Der Republikanische Beitrag zur gegenwärtigen politischen Landschaft: Dieses Kapitel beleuchtet die praktische Relevanz von Virolis Thesen anhand der italienischen Politik unter Berlusconi und analysiert die Verwendung von Machiavellis Fürst-Thematik.
4. Die republikanische Elite: Der Autor setzt sich kritisch mit Virolis These zur notwendigen Rolle einer Leistungselite auseinander und reflektiert das Spannungsfeld zur demokratischen Chancengleichheit.
Schlüsselwörter
Maurizio Viroli, Republikanismus, Freiheit, Machiavelli, Patriotismus, Italien, Politik, Staat, Elite, Demokratie, Religion, Staatszweck, Chancengleichheit, politische Philosophie, Europa
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert Maurizio Virolis Verständnis der republikanischen Freiheit und prüft, wie diese Theorie auf zeitgenössische politische Probleme anwendbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition von Republikanismus, der Abgrenzung von Patriotismus zu Nationalismus und der Rolle von Eliten in modernen Demokratien.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, Virolis republikanische Vision zu interpretieren und kritisch zu hinterfragen, ob die Forderung nach einer Führungselite mit dem Prinzip der Chancengleichheit korrespondiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, die zentrale Werke Virolis und Machiavellis theoretisch auswertet und auf aktuelle politische Ereignisse bezieht.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Republikanismus, eine Fallstudie zu Italien und eine kritische Reflexion zur Elitenbildung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie republikanische Freiheit, Patriotismus, Machtpolitik, Elite und das Spannungsverhältnis zwischen Staat und Bürger charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Virolis Patriotismus-Begriff von Nationalismus?
Viroli versteht Patriotismus als Liebe zur Republik und deren Werten, die unabhängig von rassistischen oder nationalistischen Privilegien existiert und die Vielfalt der Gesellschaft als Chance begreift.
Warum hinterfragt der Autor Virolis Konzept einer republikanischen Elite?
Der Autor sieht in der Etablierung einer Elite einen potenziellen Widerspruch zur demokratischen Chancengleichheit, da dies zu einer Abkehr von der notwendigen Partizipation aller Bürger führen könnte.
- Quote paper
- Benjamin Lohse (Author), 2010, Zu Maurizio Virolis "Die Idee der republikanischen Freiheit", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155192