Die vorliegende Hausarbeit betrachtet den Einfluss der HIPC-Initiative und die Schuldensituation in Entwicklungsländern und versucht zu beurteilen, ob diese Initiative ein effektives Mittel zur Armutsbekämpfung
in diesen Ländern darstellt. Heutzutage leben ca. 18% der Weltbevölkerung in extremer Armut. Das heißt, dass sie über weniger als 1 $ pro Tag verfügen. Weitere 40% müssen mit weniger als 2 $ pro Tag auskommen. Unter anderem
daraus resultiert, dass weltweit ca. 840 Millionen Menschen unter Hunger leiden (vgl. Collier:2007).
Der Prozentsatz der extrem Armen ist zwar prozentual weltweit leicht zurückgegangen, aber diese Entwicklung ist fast ausschließlich auf die wirtschaftliche Entwicklung in Südostasien und China zurückzuführen. In den Regionen, in denen kein ökonomischer Aufschwung stattfand, ist die Zahl der
Armen nach Informationen der Global Economic Prospects der Weltbank weiter steigend. Ebenso nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich im weltweiten Vergleichsmaßstab stetig zu. Allein zwischen 1988 bis 1993 stieg der Gini-Index um 4,4 Punkte; eine Tendenz, die in den folgenden Jahren
nur geringfügig abnahm (vgl. HDR 2008).
Armut ist ein Problem, das nicht von den betroffenen Ländern allein gelöst werden kann. Die vergangenen Jahrzehnte haben verschiedenartige Konzepte der Armutsbewältigung hervorgebracht, die sich in punkto der angenommen Ursachen von Armut gegeneinander abgrenzen und auf dieser Grundlage in unterschiedlichen Vorgehensweisen zur Bekämpfung von Elend mündeten.
In den Millennium Development Goals der Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde die Armutsbekämpfung als oberstes Ziel für das neue Jahrtausend angegeben. Bis 2015 soll im Vergleich zu 1990 die Zahl der Armen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, weltweit
um die Hälfte zurückgegangen sein.
Ein hemmender Faktor für die Entwicklung eines Landes ist die große Schuldenlast, die viele Entwicklungsländer dazu zwingt, ihre Einnahmen für Schuldentilgungen anstatt für benötigte Entwicklungsprojekte auszugeben.
Im Rahmen der globalen Strukturpolitik sieht die Bundesregierung, in ihrer Vertretung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ihren Auftrag darin, einen Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten. In diesem Zusammenhang wird die HIPC-Initiative als wirkungsvolles Instrument verstanden, dieses Ziel zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Begriff Armut
1.1 Absolute Armut
1.2 Relative Armut
1.3. Erweiterte Armutsdefinitionen
2. Die Schuldensituation im subsaharischen Afrika
3. Die HIPC-Initiative
3.1 Initiatoren und Akteure
3.2 Das Konzept und die Durchführung
3.2.1 Die Poverty Reduction Strategy Papers
3.3 Verlauf und Schwächen der HIPC-Initiative
4. Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der HIPC-Initiative auf die Schuldensituation in Entwicklungsländern und bewertet, inwiefern dieses Instrument einen effektiven Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten kann.
- Multidimensionale Definition von Armut
- Ursachen und Auswirkungen der Verschuldung im subsaharischen Afrika
- Konzept, Durchführung und Schwachstellen der HIPC-Initiative
- Analyse der Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP)
- Wirkungsgrad der Entschuldung auf Sozialausgaben
Auszug aus dem Buch
3. Die HIPC-Initiative
In Zusammenarbeit von Weltbank, IWF und Regierungen der Industrienationen wurde die HIPC-Initiative 1996 ins Leben gerufen. HIPC steht für "highly indebted poor countries". Das sind die Länder, die ein nicht tragfähiges Level an Schulden haben – zumindest aus Sicht der Weltbank und des IWF. "The HIPCs in general are characterized by extreme poverty, poor social development indicators and human resources, poorly diversified economies, a high concentration of export earnings in a few primary commodities, and dependance on official aid as well as high debt overhang" (UN 2000: S.3). Diese Definition zeigt, dass die Probleme in den HIPCs weitaus größer sind, als die bloße Schuldenlast.
Das Ziel der Initiative aber war und ist, eine Ausgangsstrategie für untragbare Schuldenlasten aufzuzeigen. Angeknüpft wurde an die "Neapel Bedingungen" des Pariser Clubs, die einen Schuldenerlass von 67% vorsehen. Da sich die erste Initiative aber als unzureichend herausstellte, kamen die G7 Länder 1999 in Köln zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Ergebnis war HIPC II; das Abschluss-Motto war "broader, deeper, faster debt relief" (vgl. Weltbank 2008). Die Beschlüsse wurden unter den so genannten "Köln Bedingungen" zusammengefasst. Dabei sollte der Schuldenerlass deutlich erhöht werden, sogar bis auf 90% der Netto-Gegenwarts-Schulden. Des Weiteren wurde die Initiative nun ganz explizit um das Ziel der Armutsbekämpfung erweitert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Verschuldung von Entwicklungsländern ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Effektivität der HIPC-Initiative.
1. Der Begriff Armut: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen theoretischen Ansätze zur Definition von Armut, von absoluter und relativer Armut bis hin zu erweiterten, multidimensionalen Konzepten.
2. Die Schuldensituation im subsaharischen Afrika: Das Kapitel analysiert die internen und externen Ursachen für die Schuldenkrise in dieser Region und deren negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung.
3. Die HIPC-Initiative: Hier werden Entstehung, Akteure, das konzeptionelle Vorgehen sowie die Schwachstellen der Initiative detailliert beleuchtet.
4. Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung: Der Abschnitt bewertet, ob der durch die Initiative erreichte Schuldenerlass tatsächlich zu einer verbesserten Armutsbekämpfung führt.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Initiative zwar ein unterstützender, aber für sich allein unzureichender Ansatz zur effektiven Armutsbekämpfung ist.
Schlüsselwörter
HIPC-Initiative, Armutsbekämpfung, Schuldenerlass, Entwicklungspolitik, Weltbank, IWF, Verschuldung, Subsahara-Afrika, Poverty Reduction Strategy Papers, PRSP, Millennium Development Goals, Strukturanpassung, Handelshemmnisse, Sozialausgaben, Entwicklungsländer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Wirksamkeit der HIPC-Initiative als Instrument zur Entschuldung von Entwicklungsländern und deren Beitrag zur Armutsbekämpfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Armut, die Ursachen der Verschuldung in Afrika, die Mechanismen des internationalen Schuldenerlasses und die Verknüpfung von ökonomischen Reformen mit sozialen Zielen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu beurteilen, ob die HIPC-Initiative ein wirksames Mittel darstellt, um hochverschuldete arme Länder zu entlasten und so nachhaltige Fortschritte in der Armutsbekämpfung zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literatur- und Diskursanalyse, die aktuelle Berichte internationaler Institutionen mit entwicklungspolitischen Konzepten abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung des Armutsbegriffs, eine Ursachenanalyse der Verschuldung, die detaillierte Darstellung der HIPC-Phasen und eine kritische Bewertung der konkreten Auswirkungen auf die betroffenen Staaten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der HIPC-Initiative insbesondere das "Ownership-Prinzip", die PRSPs (Poverty Reduction Strategy Papers) sowie die makroökonomische Tragfähigkeit von Schulden.
Welche Kritik wird an den "Poverty Reduction Strategy Papers" (PRSP) geübt?
Kritiker bemängeln insbesondere das fehlende echte "Ownership", da die Papiere stark durch Weltbank und IWF geprägt sind, sowie die oft einseitige Fokussierung auf Wirtschaftswachstum ohne ausreichende Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten.
Warum wird die Wirksamkeit der Initiative für die ärmste Bevölkerung infrage gestellt?
Die Arbeit weist darauf hin, dass staatliche Sozialausgaben häufig primär städtischen Mittelschichten zugutekommen, während die ländliche und wirklich arme Bevölkerung oft keinen direkten Zugang zu den durch Schuldenerlass freigewordenen Ressourcen hat.
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- Sebastian Schmelzer (Author), 2009, Möglichkeiten und Grenzen von Entwicklungspolitk am Beispiel der HIPC-Initiative, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/155180