Dank PISA streitet Deutschland wieder über Bildung. Ja, geradezu als ein Schlag ins Gesicht des deutschen Bildungssystems wurden vielerorts die Ergebnisse der im Mai 2000 begonnenen internationalen PISA-Studie gewertet. Deutschland, einer der größten Industriestaaten dieser Erde, geschätzt für seine Qualitätsarbeit, berüchtigt für seine Tugenden und geschichtlich mit einer Vielzahl an Nobelpreisträgern bestückt, soll es nun Anfang des 21. Jahrhunderts scheinbar nicht mehr verstehen, seine nächste Generation in einer Phase der immer mehr voranschreitenden Globalisierung im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu machen. Nicht einmal mehr Mittelmaß seien laut Studie die deutschen Schüler im weltweiten Vergleich. Da muss man was machen! So ist es dann auch kaum verwunderlich, dass gedüngt von dieser Erhebung in unserem Lande wieder eine alte Diskussion aufkeimt, denn gute und qualitativ hochwertige Bildung, dass ist für viele zunächst einmal eine direkte Folge des herrschenden Schulsystems. In Deutschland stellt sich dabei die Situation so dar, dass es seit Ende der sechziger Jahre ein Nebeneinander zweier Schulformen gibt, nämlich des traditionellen dreigliedrigen Systems und der Gesamtschulen, welche sich je nach Region in unserem Land mittlerweile zu einer echten Alternative entwickelt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Organisationsform Gesamtschule
3. Das Schulsystem in der aktuellen politischen Diskussion
4. Erfolgreiche Gesamtschule? Ein-Blick in aktuelle Statistiken
5. Pro und Contra Gesamtschule im Blick unterschiedlicher Interessensverbände
5.1. Die Sicht der Wirtschaft
5.2. Die Sicht der Lehrer
5.3. Die Sicht der Eltern
5.4. Die Sicht der Schüler
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die kontroverse Debatte um das Gesamtschulsystem in Deutschland im Kontext aktueller bildungspolitischer Diskussionen und empirischer Studien. Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der Gesamtschule aus verschiedenen Perspektiven (Wirtschaft, Lehrerschaft, Eltern, Schüler) darzustellen und zu prüfen, ob die Schulform den Anspruch auf ein zukunftsweisendes und chancengerechtes Bildungssystem erfüllt.
- Struktur und Organisationsformen der Gesamtschule
- Politische Standpunkte der Parteien zum Schulsystem
- Evaluation durch PISA-, LAU- und BIJU-Studien
- Interessenkonflikte verschiedener gesellschaftlicher Akteure
- Pädagogische Herausforderungen und Leistungsaspekte
Auszug aus dem Buch
5.2. Die Sicht der Lehrer
Dieser Erörterungspunkt soll weniger die Einstellung der Lehrerschaft zum Schulsystem Gesamtschule wiedergeben, welche nur individuell zu erfassen wäre, als sich vielmehr die Frage stellen, welche Gesichtspunkte einen Lehrer sich für oder gegen den Arbeitsplatz Gesamtschule entscheiden lassen. Die Gesamtschule mit ihrem pädagogischen Anspruch bringt nämlich eine Menge Gesichtspunkte mit in den Schulalltag ein, die von der Lehrerbildung an den Hochschulen nicht oder nur peripher berücksichtigt werden.
Sicher ist wohl, dass die Gesamtschule, zumindest die integrative Form, ein engeres Schüler-Lehrer Verhältnis einfordert, ja darüber hinaus auch die Eltern stärker mit in die Schule einbringt. Dies wird nicht zuletzt aus den vielen Konferenzen mit Einbeziehung von Schülern und Elternschaft im Jahresplan einer Gesamtschule deutlich. Hier muss sich jeder Lehrer fragen, ob er eine so enge Bindung an seine Schützlinge und deren familiäres Umfeld wünscht. Zweifellos erhält der Lehrer damit einen besseren Einblick in das Umfeld des Schülers, und kann ihn als Persönlichkeit mit seinem Hintergrundwissen besser fördern. Auf der anderen Seite muss er sich zwingend auch mit Problemen auseinandersetzten, die für viele zunächst einmal in der Bildungsinstitution Schule nichts zu suchen haben. Auch werden sein Handeln und sein Unterricht somit transparenter, was sicherlich nicht jedem behagen wird. Dass das Ganze mit einem zusätzlichen zeitlichen Aufwand verbunden ist, wird zudem viele abschrecken.
Ein weiterer Punkt ist der, dass an integrativen Gesamtschulen häufig in Lehrerteams unterrichtet wird. Ein Team von Lehrern betreut dabei eine ganz bestimmte Jahrgangsstufe. Dies eröffnet dem einzelnen vermehrt die Möglichkeit, sich mit Kollegen über seinen Unterricht auszutauschen, Probleme zu besprechen und sich neue Anregungen zu holen, sowie selber Hilfe bei anderen zu leisten. Sprich die von den Schülern als Schlüsselqualifikation geforderte Teamfähigkeit ist nun auch von den Lehrern gefordert. Ein Punkt, dem man als engagierter und kompromissbereiter Lehrer eigentlich nur gutes abgewinnen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch die PISA-Studie ausgelösten Bildungsdiskurs und hinterfragt die Effektivität des gegliederten Schulsystems gegenüber der Gesamtschule.
2. Die Organisationsform Gesamtschule: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Ausprägungen der Gesamtschule (additiv, kooperativ, integrativ) und deren Zielsetzung der Leistungsförderung und sozialen Integration.
3. Das Schulsystem in der aktuellen politischen Diskussion: Hier werden die unterschiedlichen bildungspolitischen Positionen der Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP) anhand ihrer Wahlprogramme in Niedersachsen 2003 gegenübergestellt.
4. Erfolgreiche Gesamtschule? Ein-Blick in aktuelle Statistiken: Dieses Kapitel analysiert die Problematik einer eindeutigen Evaluation anhand von Vergleichsstudien wie PISA, TIMMS, LAU und BIJU.
5. Pro und Contra Gesamtschule im Blick unterschiedlicher Interessensverbände: Dieser Abschnitt beleuchtet die Argumentationen von Wirtschaft, Lehrern, Eltern und Schülern bezüglich der Vor- und Nachteile des Gesamtschulmodells.
6. Resümee: Das Resümee fasst die Debatte zusammen, plädiert gegen starre "Entweder-Oder"-Positionen und fordert eine inhaltliche Reform der Lernkultur statt reiner Strukturdebatten.
Schlüsselwörter
Gesamtschule, dreigliedriges Schulsystem, PISA-Studie, Chancengleichheit, Leistungsheterogenität, Bildungspolitik, Binnendifferenzierung, Schullaufbahn, Reformpädagogik, LAU-Studie, BIJU-Studie, Lehrerteams, Schlüsselqualifikationen, Ganztagsschule, Leistungsdruck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kontroverse Auseinandersetzung zwischen dem traditionellen dreigliedrigen Schulsystem und der Gesamtschule in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Organisationsformen der Gesamtschule, die politischen Parteistandpunkte, die Evaluation durch empirische Bildungsstudien sowie die Interessenlagen von Wirtschaft, Lehrkräften, Eltern und Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine geordnete Darstellung der Debatte, um nach Abwägung der Argumente ein pädagogisches Fazit für die Zukunft des deutschen Bildungssystems zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematische Literaturanalyse und wertet aktuelle bildungspolitische Programme, Statistiken und empirische Studien (PISA, LAU, BIJU) aus.
Was ist der Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Analyse der politischen Standpunkte sowie eine differenzierte Aufarbeitung der Vor- und Nachteile aus der Sicht der verschiedenen Interessensverbände.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gesamtschule, PISA-Studie, Chancengleichheit, Leistungsheterogenität und Reformpädagogik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die integrative Gesamtschule von anderen Formen?
Die integrative Gesamtschule hebt die formale Trennung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium vollständig auf und verzichtet auf eine frühe Selektion nach Schulzweigen.
Welche Rolle spielt die BIJU-Studie in dieser Arbeit?
Die BIJU-Studie wird als Gegenpol zur LAU-Studie angeführt, da sie gesamtschulkritische Ergebnisse lieferte, insbesondere hinsichtlich des Leistungsrückstands von Gesamtschülern im Vergleich zu Gymnasiasten.
Was ist das zentrale Fazit des Autors?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die "Entweder-Oder"-Debatte um Schulstrukturen nicht zum Ziel führt und eine neue Lernkultur sowie inhaltliche Reformen wichtiger sind als der bloße Strukturwechsel.
Warum wird im Text das "Konvoi-Prinzip" erwähnt?
Dieser Begriff beschreibt die Kritik, dass in leistungsheterogenen Lerngruppen der Gesamtschulen das Unterrichtstempo oftmals auf die schwächsten Schüler ausgerichtet wird.
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- Markus Frieling (Author), 2003, Gesamtschulen: Pro und Contra, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154635