Am Anfang des 17. Jahrhunderts befand sich Spanien an der Schwelle zu einer der bedeutesten Epoche seiner kulturellen Geschichte – dem Goldenen Zeitalter. Autoren wie Cervantes, Lope de Vega, Góngora und viele andere waren im Begriff ihre Werke zu erschaffen, welche später als Höhepunkte der spanischen Literatur und Kultur gelten würden. Das war auch die Zeit, in der die Ideen der Renaissance weite Verbreitung unter den Denkern, Literaten und Wissenschaftlern nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa gefunden haben.
In außenpolitischer Hinsicht war die Eroberung Amerikas schon abgeschlossen und die Werke der ersten Chronisten über die Neue Welt waren seit einiger Zeit auf dem alten Kontinent bekannt.
Genau zu diesem Zeitpunkt wurde auch das Geschichtswerk über Peru, Comentarios reales, auf der Halbinsel veröffentlicht. Kennzeichnend für seinen Autor, der in Peru geborene Mestize Garcilaso de la Vega, war nicht nur seine Abstammung, die ihn im Gegensatz zu den spanischen Geschichtsschreibern gestellt hat, sondern viel mehr seine erst spät begonnene literarische und zugleich humanistische Formation als Renaissanceautor. Der Einfluss der Epoche bestimmte seinen Stil, seine Denk- und Ausdrucksweise, sein ganzes Werk.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist Comentarios reales als Renaissancewerk zu untersuchen. In dem ersten Kapitel werden die wichtigsten Faktoren, die für die humanistische Formation des Autors bedeutend waren, so wie seine Interessen kurz ausgeführt. Im zweiten Kapitel werden die Motive und die Intention Garcilasos für das Entstehen des Werkes in Betracht gezogen. Als wichtige Renaissancemerkmale des Werkes werden die idealisierte Darstellung der inkaischen Zivilisation, das Menschenbild und die Bedeutung der „religión del Sol“ untersucht. Im letzten Kapitel wird der literarische Stil des Autors, als typisches Merkmal für die Epoche, näher ausgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 RENAISSANCEBILDUNG VON GARCILASO DE LA VEGA
2.1 ERSTER KONTAKT MIT DER RENAISSANCEKULTUR IN SPANIEN
2.2 DIE BÜCHERSAMMLUNG VON GARCILASO DE LA VEGA
2.3 DIE ÜBERSETZUNG VON DIÁLOGOS DE AMOR
3 MOTIVE UND INTENTION FÜR DAS ENTSTEHEN VON COMENTARIOS REALES
3.1 MOTIVE DES AUTORS
3.2 INTENTION DES AUTORS
4 DARSTELLUNG UND IDEALISIERUNG DER INKAISCHEN ZIVILISATION
5 DAS MENSCHENBILD IN DEN COMENTARIOS REALES
6 DIE RELIGION DER INKAS UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE CHRISTIANISIERUNG PERUS.
7 LITERARISCHER STIL DES AUTORS
8 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschichtswerk Comentarios reales des in Peru geborenen Mestizen Garcilaso de la Vega unter dem Gesichtspunkt seiner Prägung durch die europäische Renaissance. Dabei wird analysiert, wie humanistische Bildung, spezifische Motive und die literarische Ausdrucksweise des Autors zu einer Interpretation der inkaischen Geschichte führten, die diese Kultur vor dem Vergessen bewahren und gleichzeitig in einen europäischen Kontext einordnen sollte.
- Die humanistische Formation und Bildung von Garcilaso de la Vega.
- Motive und Absichten für die Veröffentlichung der Comentarios reales.
- Die idealisierte Darstellung des Inkareiches als politische Utopie.
- Die Parallelen zwischen inkaischer Religion und dem Christentum.
- Die Rolle des literarischen Stils als typisches Merkmal des Renaissance-Humanismus.
Auszug aus dem Buch
Die Büchersammlung von Garcilaso de la Vega
Als Beweis für seine humanistische Bildung und Kultur dienen die zahlreichen Bücher, die in Garcilasos Bibliothek nach seinem Tod gefunden wurden. Diese Büchersammlung war Objekt der Untersuchung vieler Autoren, weil durch diese Lektüre seine intellektuelle Entwicklung geprägt wurde und später Anklang in seinen eigenen Werken gefunden hat.
Anhand dieser Bücherkollektion stellt auch Miró Quesada fest, dass Garcilaso, im Sinne eines wahren Renaissancemenschen, sich gerne mit den klassischen Werken der griechischen und römischen Autoren beschäftigt hat. Unter den Exemplaren von Aristoteles, Ovid, Seneca und vielen anderen verdient besondere Aufmerksamkeit das Werk von Julius Caesar Comentarii de bello gallico. Garcilaso zeigt sich mehrmals von ihm inspiriert und nennt auch sein Lebenswerk Jahre später Comentarios reales.
Für die humanistische Bildung des Autors waren auch die Werke der zeitgenossischen italienischen Autoren von Belang. Vertreter der Renaissanceliteratur wie Dante, Petrarca, Bembo, León Hebreo und andere haben ihm die Ideen des Humanismus und Neoplatonismus näher gebracht und sein Weltbild geprägt.
Garcilaso hat sich auch für Bücher, die die Geschichte der Neuen Welt behandelt haben, interessiert. Die historischen Werke von Oviedo, Cieza de León, Gómara und José de Acosta haben ihm später als Quelle und Stützpunkt für seine Comentarios reales gedient und zusammen mit den klassischen Geschichtswerken zu seiner Formation als Historiker beigetragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit führt in den historischen Kontext des Goldenen Zeitalters ein und definiert das Ziel, die Comentarios reales als Renaissancewerk zu untersuchen.
2 RENAISSANCEBILDUNG VON GARCILASO DE LA VEGA: Dieses Kapitel beleuchtet Garcilasos intellektuelle Entwicklung durch seine Kontakte zu europäischen Humanisten, seine Bibliothek und seine übersetzerische Tätigkeit.
3 MOTIVE UND INTENTION FÜR DAS ENTSTEHEN VON COMENTARIOS REALES: Es wird analysiert, warum Garcilaso schrieb, wobei sowohl persönliche Anerkennung als auch der Wunsch nach historischer Richtigstellung und Wahrheit im Vordergrund stehen.
4 DARSTELLUNG UND IDEALISIERUNG DER INKAISCHEN ZIVILISATION: Das Kapitel untersucht, wie Garcilaso das Inkareich unter Einfluss humanistischer Idealstaatskonzepte als perfekt organisierte Gesellschaft darstellt.
5 DAS MENSCHENBILD IN DEN COMENTARIOS REALES: Hier wird Garcilasos Sicht auf die Inkas als patriarchalische, gütige Herrscher sowie die Theorie des uniformismo thematisiert.
6 DIE RELIGION DER INKAS UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE CHRISTIANISIERUNG PERUS.: Das Kapitel behandelt die Parallelen zwischen Inka-Glauben und Christentum und die Sicht der Inka-Epoche als spirituelle Vorbereitung auf die Missionierung.
7 LITERARISCHER STIL DES AUTORS: Die Untersuchung zeigt auf, wie Garcilaso klassische rhetorische Mittel, wie die Paarung von Synonymen, nutzt, um eine elegante und abwechslungsreiche Prosa zu schaffen.
8 SCHLUSS: Ein Fazit zur wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Werkes und eine abschließende Einordnung des Autors in sein kulturelles Zeitalter.
Schlüsselwörter
Garcilaso de la Vega, Comentarios reales, Renaissance, Humanismus, Inkareich, Peru, Neoplatonismus, Historiographie, Utopia, religiöse Parallelen, literarischer Stil, Mestize, kulturelle Identität, Christianisierung, Uniformismo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Geschichtswerk Comentarios reales von Garcilaso de la Vega und ordnet es in den kulturellen und intellektuellen Kontext der europäischen Renaissance ein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die humanistische Bildung des Autors, die idealisierte Darstellung der Inka-Kultur, die Motive des Autors sowie die literarische Analyse seines Stils.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Garcilasos Werk nicht nur als historische Quelle, sondern maßgeblich als Produkt seiner humanistischen Formation und der Renaissance-Ideale zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, gestützt auf die Auswertung relevanter Sekundärliteratur zu Garcilaso de la Vega und den humanistischen Diskursen seiner Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Bildung Garcilasos, seinen Motiven für das Schreiben, dem idealisierten Menschen- und Staatsbild der Inkas sowie der Interpretation ihrer Religion und seinem literarischen Stil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Renaissance, Humanismus, Comentarios reales, Inka-Zivilisation, kulturelle Identität und historiographische Interpretation.
Wie beeinflusste das Konzept des "Uniformismo" Garcilasos Menschenbild?
Das Konzept geht von einer fundamentalen psychologischen Gleichheit aller Menschen aus, was Garcilaso dazu veranlasste, die Sitten der Inkas als den europäischen Vorbildern ähnlich darzustellen.
Warum wurde Garcilaso im 19. Jahrhundert kritisiert?
Kritiker des 19. Jahrhunderts warfen ihm Plagiate und die bewusste Schaffung einer "utopischen" und zu idealisierten Darstellung der Inka-Vergangenheit vor.
- Arbeit zitieren
- Valentina Slaveva (Autor:in), 2007, Untersuchung der "Comentarios reales" von Garcilaso de la Vega als Werk der Renaissance, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154570