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Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“

Titel: Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“

Seminararbeit , 2007 , 13 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Ina Brandenburg (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der DDR- Autor Stephan Hermlin gehört zu den bedeutendsten Dichtern seiner Generation, dies beweist er auch in seiner scharf kritisierten Novelle „Die Kommandeuse“ (1954), welche vermutlich auf einer wahren Begebenheit beruht.
Die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte Hedwig Weber wird im Rahmen der Aufstände des 17. Juni 1953 von Anhängern der NS- Diktatur nach sieben Monaten Haft aus dem Gefängnis Saalstedt befreit. Die ehemalige Lagerführerin des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück soll als „Opfer des kommunistischen Terrors“ auf einer Kundgebung sprechen. Voller Hoffnung propagiert sie immer noch nationalsozialistisches Gedankengut, woraufhin sie verhaftet wird. Nachdem zuerst angesetzten Strafmaß von 15 Jahren, wird sie nun unwiderruflich zum Tode verurteilt.

„Der Tod in Rom“ hingegen erschien in einer Trilogie des BRD- Schriftstellers Wolfgang Koeppen, die mit „Tauben im Gras“ (1951) begann und sich in den Romanen „Das Treibhaus“ (1953) und „Der Tod in Rom“ (1954) fortsetzte. In einem Zitat von Gotthold Ephraim Lessing heißt es: „Einen elenden Dichter tadelt man nicht; mit einem mittelmäßigen verfährt man gelinde; gegen einen großen ist man unerbittlich.“ Auch Koeppen muss sich dieser Wahrheit aussetzen und erfährt zur damaligen Zeit von der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik eher Ablehnung als Zuspruch für seine Werke.
Zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders treffen der ehemalige SS- General Gottlieb Judejahn, seine Frau Eva, sein Sohn Adolf und die Familie seines Schwagers, die Pfaffraths, in Rom aufeinander. Koeppen lässt in seiner Geschichte ungleiche Einstellungen zum Nationalsozialismus aufeinanderprallen. Judejahns Sohn hat sich in die Religion geflüchtet, sein Neffe Siegfried Pfaffrath ist Tonsetzer und homosexuell. Gottlieb selbst ist jedoch immer noch tief von der Ideologie des dritten Reiches überzeugt und so gipfelt die Geschichte mit dem Mord an Ilse Kürenberg. Sie wird von Judejahn erschossen, weil sie vor ihrer Badewanne stehend in ihm alte Erinnerungen an die vielen nackten Frauen vor dem Leichengraben hervorruft.

Im weiteren Verlauf werden nun die Darstellungen der beiden Hauptfiguren Gottlieb Judejahn und Hedwig Weber, die Anhänger des Nationalsozialismus sind, verglichen. Dazu sollen der Romananfang und die Novelle genauer untersucht werden. Darauffolgend sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Beschreibung von Tätern des 2. Weltkrieges aufgezeigt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Kommandeuse bei Hermlin

3. Darstellung Judejahns in Koeppens “Der Tod in Rom“

4. Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn

5. Unterschiede in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn

5. Koeppen und Hermlin in der Zeitkritik

Zielsetzung & Themen

Die Hausarbeit vergleicht die literarische Darstellung von nationalsozialistischen Tätern in der Nachkriegsliteratur, um aufzuzeigen, wie Autoren wie Stephan Hermlin und Wolfgang Koeppen mit dem Erbe des Nationalsozialismus und der Verdrängung der Vergangenheit umgehen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche psychologischen und ideologischen Merkmale die Figuren Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn prägen und wie diese zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte beitragen.

  • Literarische Aufarbeitung des Nationalsozialismus
  • Vergleich der Täterdarstellung bei Hermlin und Koeppen
  • Psychologische Charakterisierung von NS-Überzeugungstätern
  • Die Rolle von Ideologie und Verdrängung in der Nachkriegsgesellschaft
  • Zeitkritische Einordnung der gewählten Werke

Auszug aus dem Buch

Darstellung der Kommandeuse bei Hermlin

Stephan Hermlins „Kommandeuse“ ist ein viel kritisierter Versuch sich mit den Geschehnissen des 2.Weltkriegs auseinander zu setzen. Hedwig Weber steht vollkommen hinter den Ideologien des Naziregimes, wie es aus einem Brief an ihren Vater hervorgeht, in dem sie schreibt „bis endgültig unsere Fahne weht“.

In der Vergangenheit war sie Lagerführerin des Konzentrationslagers Ravensbrück und noch immer fühlt sie sich in eben dieser Rolle verwurzelt. Sie bedauert ihre grausamen Taten zu keiner Zeit, im Gegenteil die Erinnerung an ihre Verbrechen machen sie glücklich und helfen ihr, die Hoffnung an die Wiederkehr des Nationalsozialismus nicht zu verlieren. So stellt sie sich gern vor „wie ihre Hand die unsichtbare Gerte pfeifen ließ [und] sie wünschte plötzlich, die Leute in den Häusern und Vorgärten vor sich zu haben, den Blick in ihre Gesichter zu zwängen wie auf dem Appellplatz von Ravensbrück.“

Die Exposition der Erzählung spielt in ihrer Gefängniszelle, aus der sie von zwei weiteren Anhängern des Nationalsozialismus befreit wird. In diesem Moment „lief [in ihr] eine rasende Folge von Glaubenwollen und Nichtglaubenkönnen ab“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden Werke vor und erläutert die Bedeutung einer aktiven historischen Auseinandersetzung im Gegensatz zur gesellschaftlichen Verdrängung der Nachkriegszeit.

2. Darstellung der Kommandeuse bei Hermlin: Dieses Kapitel analysiert Hedwig Webers unbeirrte Festhaltung an nationalsozialistischer Ideologie sowie ihre Rolle als Täterin, die keine Reue zeigt.

3. Darstellung Judejahns in Koeppens “Der Tod in Rom“: Die Analyse konzentriert sich auf die Figur Gottlieb Judejahn, seine moralische Verkommenheit und seine Rolle als unverbesserlicher SS-General im Nachkriegs-Rom.

4. Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn: Es werden die Parallelen aufgezeigt, insbesondere ihre ideologische Verankerung, die Unfähigkeit zur Reue und das Festhalten an menschenverachtenden Mustern.

5. Unterschiede in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn: Dieses Kapitel beleuchtet die divergierenden Darstellungsweisen, etwa durch das Geschlecht der Protagonisten und die erzählerischen Mittel der jeweiligen Autoren.

5. Koeppen und Hermlin in der Zeitkritik: Abschließend wird die zeitgenössische und heutige Kritik an den Werken reflektiert, wobei die literarische Auseinandersetzung mit der Schuldfrage im Vordergrund steht.

Schlüsselwörter

Nachkriegsliteratur, Nationalsozialismus, Stephan Hermlin, Wolfgang Koeppen, Die Kommandeuse, Der Tod in Rom, Täterdarstellung, Vergangenheitsbewältigung, Ideologie, Ravensbrück, NS-Regime, Schuld, Literaturanalyse, SS, Zeitkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?

Die Arbeit vergleicht die literarische Darstellung zweier NS-Täterfiguren in der deutschen Nachkriegsliteratur, um die unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen an das Thema Schuld und Verdrängung zu verdeutlichen.

Welche Autoren und Werke stehen im Mittelpunkt?

Untersucht werden die Novelle „Die Kommandeuse“ von Stephan Hermlin sowie der Roman „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Beschreibung von Tätern des Zweiten Weltkriegs herauszuarbeiten und die zeitkritische Relevanz dieser Literatur zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Textvergleich zwischen zwei Primärquellen nutzt, um ideologische und charakterliche Muster der Figuren zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Einzelanalyse der Figuren, den direkten Vergleich von Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie eine Reflexion der zeitgenössischen Kritik an den Werken.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?

Zu den zentralen Begriffen gehören Nachkriegsliteratur, Täterdarstellung, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung und die spezifischen Werktitel der beiden Autoren.

Warum wählt Hermlin ausgerechnet eine Frau als Hauptfigur?

Der Autor bricht mit dem gängigen Stereotyp der Frau als bloße Ehefrau und Mutter im Nationalsozialismus, um eine eiskalte Täterin darzustellen, die vollkommen in ihrer Rolle als Lagerführerin verwurzelt bleibt.

Wie unterscheidet sich die Charakterisierung von Gottlieb Judejahn bei Koeppen?

Judejahn wird durch eine indirekte Charakterisierung durch seinen Neffen Siegfried und durch die auktoriale Einordnung als „Henker“ oder „Todesbringer“ als eine groteske, aber gefährliche Figur des Nachkriegsalltags entlarvt.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die neuere Literaturgeschichte: Nachkriegsliteratur
Note
1,3
Autor
Ina Brandenburg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V154565
ISBN (eBook)
9783668330313
ISBN (Buch)
9783668330320
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich darstellung kriegsverbrechern nachkriegsliteratur wolfgang koeppen stephan hermlin kommandeuse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ina Brandenburg (Autor:in), 2007, Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154565
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Leseprobe aus  13  Seiten
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