In Deutschland hat das Leasing als Finanzierungsalternative in den letzten Jahrzehnten stetig an Bedeutung gewonnen. Wie die unten stehende Abbildung zeigt, ist die Lea-singquote von 5,4% im Jahre 1979 auf 18,0% im Jahre 2007 gestiegen. Mit einem Neugeschäftsvolumen von 57,4 Milliarden Euro war die Leasingbranche im Jahre 2007 der größte Investor in Deutschland.
Leasinggeschäfte ermöglichen einer Vielzahl von Unternehmen, ohne eine Verschlechterung ihrer Bilanzkennzahlen zu erwirken, zusätzliche Investitionen zu tätigen. Neben dieser Finanzierungsfunktion werden dem Leasing weitere Vorteile zugesprochen:
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
1.1. PROBLEMSTELLUNG
1.2. GANG DER UNTERSUCHUNG
2. FORMEN UND KLASSIFIZIERUNG VON LEASINGVERHÄLTNISSEN
1.1 BEGRIFF UND FORMEN DES LEASINGS
2.2. BILANZIELLE BEHANDLUNG VON LEASINGVERHÄLTNISSEN
2.3. KLASSIFIZIERUNG VON LEASINGVERHÄLTNISSEN
3. BEWERTUNG VON OPTIONEN IN LEASINGVERHÄLTNISSEN
3.1. Bewertung günstiger Kaufoptionen / Bargain purchase option test
3.2. KRITISCHE BETRACHTUNG DER BEWERTUNG GÜNSTIGER KAUFOPTIONEN
3.3. BEWERTUNG GÜNSTIGER MIETVERLÄNGERUNGSOPTIONEN
3.4. KRITISCHE BETRACHTUNG DER BEWERTUNG GÜNSTIGER MIETVERLÄNGERUNGSOPTIONEN
3.5. KRITISCHE BETRACHTUNG VON KAUF- UND MIETVERLÄNGERUNGSOPTIONEN ALS BEURTEILUNGSHILFE ZUR LEASINGKLASSIFIKATION
3.6. REFORMVORSCHLÄGE DER G4+1-WORKING GROUP
4. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Bewertung von Kauf- und Mietverlängerungsoptionen in Leasingverträgen nach IFRS, um die durch unpräzise Bilanzierungshilfen entstehenden Gestaltungsspielräume bei der Klassifizierung von Leasingverhältnissen zu beleuchten.
- Klassifizierung von Leasingverhältnissen nach IAS 17
- Analyse von Bewertungsspielräumen bei Kaufoptionen
- Kritische Betrachtung von Mietverlängerungsoptionen
- Auswirkung von Ermessensspielräumen auf die Bilanzierung
- Reformansätze der G4+1-Working Group
Auszug aus dem Buch
3.2. Kritische Betrachtung der Bewertung günstiger Kaufoptionen
Im Sinne des IAS 17.4 ist unter dem beizulegenden Zeitwert der Betrag zu verstehen, „zu dem zwischen Sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte“. Der IAS 17 gibt der bilanzierenden Vertragspartei jedoch keinen konkreten Grenzwert vor, ab wann der beizulegende Zeitwert des Leasinggegenstandes „deutlich“ unterschritten wird, wodurch Ermessensspielräume eröffnet werden.
Darüber hinaus ermöglichen der IAS 17 weitere Auslegungsmöglichkeiten zur Ermittlung des Zeitwertes, da der Standard-Setter keine Abschätzungsverfahren zur deren Bewertung definiert bzw. festlegt. Grundsätzlich ist der beizulegende Zeitwert als marktorientierter Wertmaßstab zu interpretieren. Im Regelfall handelt es sich bei Leasinggegenständen jedoch um gebrauchte Objekte, so dass eine Marktpreisorientierung lediglich bedingt möglich ist. Zur Bewertung wird daher in der Literatur ein hierarchisches Dreistufenbewertungskonzept (Stufenprinzip) vorgeschlagen:
Erste Stufe: Ist ein aktiver Markt für das Leasingobjekt vorhanden, wird der Marktpreis direkt als beizulegender Zeitwert verwendet. Falls nicht
Zweite Stufe: Ist kein unmittelbarer Marktpreis vorhanden, ist auf Marktpreise wirtschaftlich nahezu identischer Vermögenswerte abzustellen. Falls nicht möglich
Dritte Stufe: Es ist eine Schätzung des beizulegenden Zeitwertes auf Basis anerkannter Bewertungsverfahren vorzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung des Leasings als Finanzierungsinstrument in Deutschland und skizziert die Problematik unpräziser Bilanzierungsvorschriften.
2. FORMEN UND KLASSIFIZIERUNG VON LEASINGVERHÄLTNISSEN: Das Kapitel definiert Leasingformen und beschreibt den „Risk and Reward Approach“ des IAS 17 als Grundlage für die Zuordnung in Finanzierungs- oder Operating-Leasing.
3. BEWERTUNG VON OPTIONEN IN LEASINGVERHÄLTNISSEN: Der Hauptteil analysiert kritisch die Kriterien für günstige Kauf- und Mietverlängerungsoptionen und deren Einfluss auf die Leasingklassifizierung unter Berücksichtigung der Ermessensspielräume.
4. FAZIT UND AUSBLICK: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die derzeitigen IFRS-Regelungen aufgrund ihrer qualitativen Natur erhebliche bilanzpolitische Spielräume zulassen, weshalb Reformen im Sinne eines Nutzungsrechtsansatzes notwendig erscheinen.
Schlüsselwörter
Leasing, IFRS, IAS 17, Finanzierungsleasing, Operating-Leasing, Kaufoption, Mietverlängerungsoption, Bilanzierung, beizulegender Zeitwert, Risk and Reward Approach, Ermessensspielraum, G4+1-Working Group, Nutzungsrechtsansatz, Leasingklassifizierung, Leasingnehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Betrachtung, wie Optionen in Leasingverträgen nach IFRS bewertet werden und welche Probleme sich daraus für die korrekte Klassifizierung von Leasingverhältnissen ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Abgrenzung zwischen Finanzierungs- und Operating-Leasing, die Handhabung von Kauf- und Mietverlängerungsoptionen sowie die Suche nach einem verlässlichen Bewertungsansatz unter den Bedingungen des IAS 17.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die unpräzisen qualitativen Kriterien des IAS 17 erhebliche Gestaltungsspielräume für Unternehmen eröffnen, die eine verlässliche Bilanzierung erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Standardtexten der IFRS, ergänzt durch die Auswertung relevanter Fachliteratur und Diskussionspapiere internationaler Gremien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Kaufoptionen, Mietverlängerungsoptionen, den damit verbundenen Stufenmodellen der Bewertung und der Rolle dieser Optionen als Indikatoren für die Leasingklassifizierung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Begriffe wie Leasingquote, Risk and Reward Approach, beizulegender Zeitwert, Bargain purchase option test und Nutzungsrechtsansatz sind für das Verständnis der Arbeit zentral.
Warum stellt die Bewertung von Kaufoptionen eine Herausforderung dar?
Da der Standard-Setter keine quantitativen Grenzwerte für Begriffe wie "günstig" vorgibt, entstehen Ermessensspielräume, die eine einheitliche und objektive Bilanzierung in der Praxis verhindern.
Was schlägt die G4+1-Working Group als Lösungsansatz vor?
Die Gruppe schlägt den sogenannten Nutzungsrechtsansatz vor, bei dem Leasingoptionen als eigenständige Komponenten gesondert zum Fair Value bilanziert werden, unabhängig von der Wahrscheinlichkeit ihrer Ausübung.
- Arbeit zitieren
- Timm Witt (Autor:in), 2010, Kritische Betrachtung der Bewertung von Optionen in Leasingverträgen nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154506