In der heutigen Gesellschaft sind Kinder der großen Anforderung ausgesetzt, mit vielfälti-gen Belastungen und schwierigen Lebensbedingungen bewältigen zu müssen. Sie werden mit Armut, der elterlichen Trennung oder Scheidung, Verlust von nahen Verwandten, Ar-beitslosigkeit, Migration, Missbrauch oder Kriegserlebnissen direkt oder indirekt konfron-tiert. Es erstaunt, dass trotz dieser schwierigen Umstände zahlreiche Kinder die Belastun-gen erfolgreich meistern und sich positiv entwickeln.
In den letzten Jahren nahm das Forschungsinteresse daran, was diese Kinder „stark“ macht und wie sie Bewältigungskompetenzen entwickeln können, enorm zu – das Forschungsfeld „Resilienz“ entstand. Damit einher geht die Abkehr von der bloßen Defizitorientierung, was also Kinder krank und schwach macht, hin zur Ressourcenorientierung. Das Hauptau-genmerk liegt nun darauf welche Stärken und Kompetenzen dabei helfen können, Risikosi-tuationen zu bewältigen und wie diese Kompetenzen aufgebaut bzw. gezielt gefördert wer-den können . Das Resilienzkonzept ist daher auch eng mit der Risiko- und Schutzfaktoren-Forschung verknüpft.
In Anbetracht der Tatsache, dass gegenwärtig viele Kinder extrem belastenden Situationen ausgesetzt sind, erscheint mir die Frage nach Möglichkeiten des Konzepts der „Resilienz“ für eine wissenschaftliche Ausarbeitung besonders interessant. Ausgehend von dem Stand-punkt, dass Kinder das Recht auf Wahrnehmung ihrer Interessen und Verbesserung ihrer Lebenssituation haben, sollen in dieser Arbeit zunächst mögliche Risikofaktoren beleuch-tet werden, um das Ausmaß gefährdender Lebensbedingungen zu klären. Darauf aufbauend wird das Resilienzkonzept in seinen Grundsätzen vorgestellt, neben den Charakteristika werden schützende Faktoren vorgestellt sowie Schlussfolgerungen für die pädagogische Praxis zur Förderung dieser Faktoren gezogen.
Als eine weitere Möglichkeit, die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu stärken und sie resi-lient gegenüber belastenden Situationen zu machen, wird im dritten Teil (auszugsweise) die Montessori-Pädagogik vorgestellt, die sich dadurch auszeichnet das Kind zu befähigen, selbständig zu denken und zu handeln sowie Schwierigkeiten gegenüber zu treten .
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 RISIKOEINFLÜSSE
2.1 VULNERABILITÄT DES KINDES
2.2 RISIKOFAKTOREN
2.3 TRAUMATISCHE ERLEBNISSE
3 DAS RESILIENZKONZEPT
3.1 RESILIENZ – WAS IST DAS ÜBERHAUPT? CHARAKTERISTIKA DES KONZEPTS
3.2 SCHUTZFAKTOREN
3.2.1 Lebensbegünstigende Eigenschaften des Kindes
3.2.2 Protektive Faktoren in der Familie
3.2.3 Positive Erfahrungen im außerfamiliären sozialen Umfeld
3.3 RESILIENZFÖRDERUNG IN DER PRAXIS
4 MONTESSORI - PÄDAGOGIK
4.1 DAS KIND ALS AKTIVER GESTALTER – DER INNERE BAUPLAN
4.2 „HILF MIR, ES SELBST ZU TUN“- FÖRDERUNG DER SELBSTÄNDIGKEIT
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Kinder durch ressourcenorientierte Ansätze widerstandsfähiger gegenüber belastenden Lebensbedingungen gemacht werden können, mit besonderem Fokus auf das Resilienzkonzept und die Montessori-Pädagogik als unterstützende Erziehungsansätze.
- Identifikation von Risikofaktoren und Vulnerabilität bei Kindern
- Grundlagen und Charakteristika des Resilienzkonzepts
- Analyse protektiver Schutzfaktoren auf Kindes-, Familien- und Umfeldebene
- Methoden der Resilienzförderung in der pädagogischen Praxis
- Montessori-Pädagogik als Mittel zur Stärkung der Selbständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.1 Resilienz – Was ist das überhaupt? Charakteristika des Konzepts
Selbst eine Anhäufung von Risikobelastungen führt also nicht zwingend dazu, dass das Kind Entwicklungsauffälligkeiten zeigen wird. Daher liegt die Vermutung nahe, dass Schutzfaktoren in den Kinder selber bzw. der Umwelt bestehen, die das Auftreten von Entwicklungsauffälligkeiten minimieren können.
Diese Annahme speist sich insbesondere aus Forschungsergebnissen der sogenannten Kauai-Längsschnittstudie von Werner und Smith, die auf der Hawaii-Insel Kauai Kinder über 40 Jahre begleiteten und untersuchten, die 1955 geboren wurden. Obwohl bei ca. 30% der Kinder ein erhebliches Risikopotenzial bestand, entwickelte sich ein Drittel der Kinder zu leistungsfähigen und zuversichtlichen Erwachsenen. Daraus wird gefolgert, dass bestimmte Eigenschaften der Kinder bzw. soziale Einflüsse im Umfeld protektive Kräfte bilden können, das Ergebnis dieser Faktoren nennt man „resiliency“ bzw. im Deutschen „Resilienz“.
Resilienz wird demnach als Fähigkeit verstanden, erfolgreich mit Risikosituationen und negativen Folgen von Stress umzugehen. Der Begriff bezeichnet „eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“. Trotz widriger Lebensumstände zeichnen sich resiliente Kinder also durch psychische Gesundheit aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Belastungen von Kindern in der modernen Gesellschaft und führt in das Forschungsfeld der Resilienz sowie die Relevanz der Montessori-Pädagogik ein.
2 RISIKOEINFLÜSSE: Dieses Kapitel definiert Vulnerabilität und beschreibt verschiedene Risikofaktoren sowie traumatische Erlebnisse, die die kindliche Entwicklung gefährden können.
3 DAS RESILIENZKONZEPT: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Resilienz, die Bedeutung von Schutzfaktoren sowie praktische Ansätze zur Resilienzförderung erläutert.
4 MONTESSORI - PÄDAGOGIK: Dieses Kapitel analysiert, wie Konzepte wie der „innere Bauplan“ und die Förderung der Selbständigkeit Kindern dabei helfen, resilienter zu werden.
5 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass eine ressourcenorientierte Erziehung, gestützt durch Resilienzforschung und Montessori-Pädagogik, wesentlich zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern beiträgt.
Schlüsselwörter
Resilienz, Montessori-Pädagogik, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Kinder, Selbständigkeit, Ressourcenorientierung, Vulnerabilität, Erziehung, Psychische Widerstandsfähigkeit, Entwicklung, Pädagogik, Bewältigungskompetenzen, Selbstwirksamkeit, Persönlichkeitsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, wie Kinder trotz belastender Lebensumstände durch gezielte Erziehungsansätze zu starken und widerstandsfähigen Persönlichkeiten heranreifen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Resilienzkonzept, die Risiko- und Schutzfaktorenforschung sowie die Anwendung der Montessori-Pädagogik in der Erziehung.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über Resilienz aufzuarbeiten und pädagogische Wege aufzuzeigen, wie Kinder in ihrer Stärke und Widerstandsfähigkeit gefördert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsarbeiten, wie beispielsweise der Kauai-Längsschnittstudie, sowie auf die theoretische Ausarbeitung der Montessori-Pädagogik.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Fundierung des Resilienzkonzepts, die Analyse protektiver Faktoren und die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse durch die Montessori-Pädagogik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Resilienz, Schutzfaktoren, Ressourcenorientierung und Selbständigkeit definiert.
Was versteht man unter dem „inneren Bauplan“ bei Montessori?
Dieser Begriff beschreibt die Annahme, dass in jedem Kind von Geburt an ein natürlicher Plan für die eigene geistige Entwicklung liegt, den der Erzieher unterstützen, aber nicht durch Bevormundung stören sollte.
Warum ist das Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun“ für die Resilienz wichtig?
Es fördert die Selbstwirksamkeit und Eigenaktivität des Kindes, was grundlegend ist, damit das Kind auch in schwierigen Situationen Vertrauen in die eigenen Problemlösungsfähigkeiten entwickeln kann.
- Arbeit zitieren
- Britta Wehen (Autor:in), 2007, Wie man Kinder zu Stärke und Widerstandsfähigkeit befähigen kann , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154462