passer Catulli
Am Beispiel des verschollenen Gemäldes „Lesbia mit dem Sperling“ von Anselm Feuerbach wird gezeigt, dass es nicht nur einen Weg in die Moderne nach der Abspaltung der Kunst von der offiziellen gab, der bekanntlich zu ihrer vollkommenen Autonomie führte. Ein zweiter Weg begann schon mit dem deutschen Künstlerbund der Nazarener in Rom und verzweigte sich zu den englischen Präraffaeliten. Kennzeichnend ist die Abkehr von akademischen Paradigmen wie naturalistische und illusionistische Raumkonstruktion und Farbgebung. Im Gegensatz zu Künstlern der beginnenden Moderne - wie die des Impressionismus -, die sich auch von den ‚klassischen’ Themen der Malerei aus Mythologie und Geschichte verabschiedeten, blieb ein anderer Teil beim alten Themenrepertoire. Die englischen Maler des viktorianischen Zeitalters verfeinerten auf der Grundlage der französischen Salonmalerei dieses Repertoire und führten es zu einem ‚Hyper-Illusionismus“. Die Nazarener, die Präraffaeliten und die späten Deutsch-Römer hielten ebenso weiterhin am klassischen Repertoire fest, durchbrachen jedoch - besonders Marées und Feuerbach - die akademischen Paradigmen und wurden zu „Suchern des Innern im Äußeren“ (Kandinsky). Ihre Werke sind gekennzeichnet durch den Willen, die Sachinhalte nicht gänzlich zugunsten der Forminhalte aufzugeben. Diese in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit aller Macht aufbrechende Diskrepanz löst sich im 20. Jahrhundert erst im Werk von Paul Klee auf.
Inhaltsverzeichnis
passer Catulli
Anselm Feuerbachs „Lesbia mit dem Sperling“ (1868), Lawrence Alma-Tademas „Lesbia weeping over a sparrow“ (1866) und einige Aspekte der viktorianischen Malerei
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das verschollene Gemälde „Lesbia mit dem Sperling“ von Anselm Feuerbach im Kontext zeitgenössischer europäischer Malerei, insbesondere der viktorianischen Kunst, und analysiert die künstlerische Auseinandersetzung des Malers mit dem Modell Nanna sowie die abstrakten Tendenzen in seinem Werk, die ihn als Vorläufer der Moderne kennzeichnen.
- Analyse des Werks „Lesbia mit dem Sperling“ im europäischen Kontext.
- Untersuchung der Beziehung zwischen Feuerbach und seinem Modell Nanna.
- Vergleich mit viktorianischen Künstlern wie Lawrence Alma-Tadema.
- Interpretation der abstrakten, formelhaften Bildsprache als Wegbereiter der Moderne.
Auszug aus dem Buch
passer Catulli
Es gehört zu den besonders bedauerlichen Tatsachen in der Überlieferung des Oeuvres von Anselm Feuerbach, dass sein im Sommer 1866 begonnenes (und 1868 signiertes) Gemälde „Lesbia mit dem Sperling“ bis heute verschollen und seine Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in Berlin, wo es aus der Kunsthandlung Nicolai in Privatbesitz gelangte, wahrscheinlich ist.
Feuerbachs „Lesbia“ gehört zu denjenigen römischen Bildern mit Darstellungen seiner römischen Modelle Anna Risi, genannt Nanna, und, im Fall der „Lesbia“, Lucia Brunacci, die er teils in historischer Gestalt als Bilderpaare konzipiert hat. „Lesbia“ dürfte sogar das erste Gemälde sein, in dem er sein erst kurz zuvor gefundenes neues Modell dargestellt hat.
Der Kupferstecher und spätere Fotograph, Freund und Biograph Feuerbachs, Julius Allgeyer, hat in der zweiten von Carl Neumann herausgegebenen Feuerbach-Biographie behauptet, der Künstler sei zum Thema der „Lesbia“ durch den Philologen Theodor Heyse, Onkel des Dichters Paul, und dessen 1855 erstmals erschienene Übersetzung der Gedichte Catulls angeregt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
passer Catulli: Einleitung in die Problematik des verschollenen Gemäldes und kritische Würdigung der Überlieferungen zu dessen Entstehungsgeschichte.
Anselm Feuerbachs „Lesbia mit dem Sperling“ (1868), Lawrence Alma-Tademas „Lesbia weeping over a sparrow“ (1866) und einige Aspekte der viktorianischen Malerei: Vergleich von Feuerbachs Werk mit dem Schaffen zeitgenössischer viktorianischer Künstler unter Berücksichtigung des gemeinsamen Einflusses der italienischen Moderne und der klassischen Antike.
Schlüsselwörter
Anselm Feuerbach, Lesbia mit dem Sperling, Nanna, Catull, viktorianische Malerei, Lawrence Alma-Tadema, Moderne, Abstraktion, Vorbilder, Julius Allgeyer, Kunstgeschichte, Modell, Historienmalerei, Idealismus, Formensprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des verschollenen Gemäldes „Lesbia mit dem Sperling“ von Anselm Feuerbach und dessen Einordnung in die europäische Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rezeption antiker Literatur in der Malerei, das Verhältnis von Künstler und Modell sowie die stilistische Entwicklung weg von der klassischen Illusion hin zu abstrakten Bildformeln.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Feuerbachs Stellung innerhalb der europäischen Malerei zu bestimmen und aufzuzeigen, wie er durch seine Abkehr von naturalistischen Konventionen den Weg in die Moderne bereitete.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine kunsthistorische Analyse angewandt, die sich auf Werkvergleiche, die Auswertung zeitgenössischer Quellen und biographischer Dokumente sowie formanalytische Untersuchungen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Vergleich mit britischen Historienmalern, die Rolle von Modellen wie Nanna und die dialektische Struktur von Feuerbachs Bildkonzeptionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Moderne, Abstraktion, Historienmalerei, Antike und Feuerbach-Rezeption charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt dem Modell Nanna in Feuerbachs Schaffen zu?
Nanna fungierte nicht nur als wiederkehrendes Modell, sondern beeinflusste Feuerbachs künstlerische Obsession und seine spezifische Art der menschlichen und künstlerischen Auseinandersetzung mit der Figur.
Wie unterscheidet sich Feuerbachs Auffassung von der seiner Zeitgenossen?
Im Gegensatz zu den streng akademisch arbeitenden Viktorianern entwickelte Feuerbach eine abstraktere, flächenorientierte Formensprache, die über die bloße Naturimitation hinausging.
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- Dr. Daniel Kupper (Author), 2009, Passer Catulli , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154244