Etwa 75% der mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind als
Familienunternehmen zu bezeichnen, da sie von Eigentümern selbst und/oder von
den Familienangehörigen geleitet werden. Untersuchungen zeigen aber, dass
etwa 50% dieser Unternehmen nicht innerhalb der Familie übertragen, sondern an
Dritte veräußert werden.
Hieraus lässt sich ableiten, dass ein Großteil der in Deutschland jährlich
verkauften Unternehmen von Familien oder Einzelpersonen veräußert werden, die
im Regelfall nur einmal im Leben als Verkäufer auftreten und somit keine
Erfahrung im Verkauf eines Unternehmens aufweisen. Das benachteiligt den
Verkäufer gegenüber den Käufern wie zum Beispiel Konzernen oder
Finanzinvestoren, die über eine langjährige Erfahrung im Kauf und Verkauf von
Unternehmen verfügen. Es entsteht eine Informationsasymmetrie, welcher der
Verkäufer mit Hilfe von M&A-Beratern versucht entgegenzuwirken. Die meisten
M&A-Transaktionen finden jedoch in der Praxis ohne Berater statt.
Diese Arbeit beschreibt die M&A vor dem Hintergrund dieser Problematik
insbesondere bei der Unternehmensbewertung und -akquisition. Im ersten Teil der
Arbeit werden die Begriffe Mittelstand und M&A definiert. Es werden die Motive
für eine M&A-Transaktion und die Relevanz für mittelständische Unternehmen
aufgezeigt. Im zweiten Teil wird der M&A-Prozess ausführlich beschrieben,
dabei wird speziell auf die Besonderheiten im Mittelstand eingegangen.
Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer Schlussbemerkung und Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 M&A BEI MITTELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN
2.1 DEFINITION MITTELSTAND
2.2 DEFINITION MERGERS & ACQUISITIONS
2.3 FORMEN VON MERGERS & ACQUISITIONS
2.4 MOTIVE FÜR EINE M&A-TRANSAKTION IM MITTELSTAND
2.4.1 Motive aus der Sicht des Käufers
2.4.2 Motive aus der Sicht des Verkäufers
2.5 BESONDERHEITEN EINER M&A-TRANSAKTION IM MITTELSTAND
3 ABLAUF EINER M&A-TRANSAKTION IM MITTELSTAND
3.1 ANALYSE- & VORBEREITUNGSPHASE
3.2 TRANSAKTIONSPHASE
3.2.1 Selektion der Vertragspartner und Ansprache
3.2.2 Aufnahme von Gesprächen
3.2.3 Due Diligence im Mittelstand
3.2.4 Bewertung und Kaufpreisermittlung mittelständischer Unternehmen
3.2.5 Kaufpreisangebot/ Absichtserklärung (Letter of Intent)
3.2.6 Vertragsverhandlungen und Abschlussphase
4 SCHLUSSBEMERKUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und den spezifischen Ablauf von Mergers & Acquisitions (M&A) bei mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, die Problematiken bei der Unternehmensbewertung und -akquisition im Mittelstand aufzuzeigen, da diese aufgrund mangelnder Erfahrung der Verkäufer und besonderer Unternehmensstrukturen oft komplexer verlaufen als bei Großkonzernen.
- Grundlagen der Definition von Mittelstand und M&A-Transaktionen
- Motive für Käufer und Verkäufer bei Unternehmenstransaktionen
- Die kritische Bedeutung einer strukturierten Transaktionsphase
- Besonderheiten bei der Unternehmensbewertung im Mittelstand
- Die Rolle der Due Diligence als Basis für die Kaufpreisbildung
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Due Diligence im Mittelstand
Sobald ein Kaufinteressent ein zweites indikatives Angebot abgibt, das für den Verkäufer attraktiv ist, wird ihm die Möglichkeit eingeräumt, das Unternehmen im Detail zu prüfen.90 Hierzu wird im Rahmen einer Transaktion ein so genanter Datenraum eingerichtet, welcher eine komplette Dokumentation über die wesentlichen finanziellen, rechtlichen und steuerlichen Verhältnisse, Informationen über Kunden- und Lieferantenbeziehungen, Personalstruktur, Produkte bzw. Dienstleistungen des Unternehmens und schließlich über Markt bzw. Wettbewerbssituation etc. enthält.91 Ein Datenraum umfasst meist mehrere Ordner mit Unterlagen, die dem potentiellen Kaufinteressenten normalerweise an einem neutralen Ort eventuell auch in elektronischer Form für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.92
Dieser Prozess einer Unternehmensanalyse wird auch Due Diligence genannt. Die Due Diligence bildet die Basis für eine verbindliche Definition des Kaufpreises.93
Die grundlegenden Ziele einer Due Diligence lassen sich wie folgt darstellen:94
- Beschaffen möglichst umfangreicher genauer Informationen über das Kaufobjekt,
- Das Prüfen von Risiken und Schwachstellen des Zielobjektes, um daraus mögliche vom Käufer zu fordernde Garantien und Gewährleistungen abschätzen zu können,
- Dokumentation der offen gelegten Informationen für spätere Beweiszwecke im Falle von Schadensersatzansprüche,
- Informationen für die Vertragsgestaltung und
- Das Vorbereiten eines erfolgreichen Integrationsmanagement.
Über die rechtlichen Aspekte hinaus sollen daher insbesondere die Chancen und Risiken als Folge einer Transaktion geklärt werden.95 Die Informationsasymmetrie zwischen Verkäufer und Käufer sollen somit beseitigt werden.96
Die Due Diligence teilt sich in verschiedene Bereiche auf wie z. B. Commercial, Technical, Market, Legal und Tax.97 Die Abbildung 3 zeigt wie die möglichen Teilbereiche der Due Diligence in einem Unternehmen aussehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Nachfolge bei mittelständischen Familienunternehmen und die damit verbundene Informationsasymmetrie bei Transaktionen.
2 M&A BEI MITTELSTÄNDISCHEN UNTERNEHMEN: Dieses Kapitel definiert den Mittelstand sowie M&A-Begrifflichkeiten und analysiert die verschiedenen Motive sowie Besonderheiten bei mittelständischen Unternehmen.
3 ABLAUF EINER M&A-TRANSAKTION IM MITTELSTAND: Hier wird der Prozess von der Analyse- und Vorbereitungsphase bis hin zur eigentlichen Transaktionsphase mit Due Diligence und Vertragsabschluss detailliert beschrieben.
4 SCHLUSSBEMERKUNG UND AUSBLICK: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit professioneller Beratung für Mittelständler bei der Durchführung komplexer M&A-Transaktionen.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, M&A, Mittelstand, Familienunternehmen, Unternehmensbewertung, Due Diligence, Kaufpreisermittlung, Nachfolgeproblematik, Unternehmensnachfolge, Transaktionsphase, Share Deal, Asset Deal, Informationsasymmetrie, Unternehmenskauf, KMU
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Besonderheiten und Herausforderungen von Mergers & Acquisitions (M&A) speziell im Kontext mittelständischer Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Mittelstandes, die Motive für Unternehmenskäufe und -verkäufe, den strukturierten M&A-Prozess sowie spezifische Bewertungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den M&A-Prozess im Mittelstand vor dem Hintergrund der Nachfolgeproblematik und der Informationsasymmetrie zu beschreiben und die Relevanz einer fundierten Vorbereitung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Aufarbeitung theoretischer Ansätze zur Unternehmensbewertung und Transaktionsgestaltung im Mittelstand.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Motive für M&A im Mittelstand, eine Analyse der Besonderheiten für diesen Sektor sowie eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Transaktionsphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mittelstand, M&A, Due Diligence, Unternehmensnachfolge und Unternehmensbewertung charakterisiert.
Warum ist die Nachfolgeproblematik für M&A im Mittelstand so wichtig?
Da viele Inhaber von Familienunternehmen im Laufe ihres Lebens vor der Herausforderung stehen, keinen geeigneten Nachfolger innerhalb der Familie zu finden, wird der Unternehmensverkauf oft zur existentiellen Notwendigkeit.
Welche Rolle spielt die Due Diligence in diesem Prozess?
Die Due Diligence dient als Basis für eine fundierte Kaufpreisermittlung und hilft dabei, Risiken des Zielobjekts zu identifizieren und die Informationsasymmetrie zwischen Käufer und Verkäufer abzubauen.
- Quote paper
- Natalia Borger (Author), 2008, M&A bei mittelständischen Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/154148