Für eine Annäherung an das im Nordosten des afrikanischen Kontinents gelegene „MISR“, so der arabische Name der „Arabischen Republik Ägypten“, eignen sich Wasserwege vortrefflich. Ich behaupte keinesfalls, dass Kreuzfahrten oder auch ein längeres Verweilen in einer Stadt wie Kairo einen mehrwöchigen, gar berufsbedingten Aufenthalt im Land ersetzen. Dennoch: lassen Sie uns gemeinsam, von Kreuzfahrten ausgehend, das „Land der Nofretete und des Tut-ench-Amun“ – so das Klischee – anders erfahren. Ich möchte mit dieser Reisebeschreibung – und es ist kein Reiseführer – interessierten Lesenden zeithistorische, historische und aktuelle Bezüge näherbringen. Auf unserer „Reise“ geht es um alltagskulturelles Hinschauen jenseits der bekannten Daten und Fakten, jenseits des Klischees also. Wir bekommen einen Einblick in politische, kulturelle, ökonomische und soziale Zusammenhänge des „alten“ und aktuellen Ägypten. So: Welche rühmliche oder unrühmliche Rolle spielen die europäischen Ausgräber der weltberühmten Pharaonengräber? Wie kommt es, dass die einzige Pharaonin, Hatschepsut, vor drei Jahren anhand eines Backenzahns „identifiziert“ werden kann oder – ein Sprung in die Neuzeit: Was hat der Nasser-Stausee bei Assuan mit der Suezkrise (1956) zu tun? Interessant auch, warum die Oper „AIDA“ nicht zur Kanaleröffnung komponiert und uraufgeführt wurde und was hat der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 mit der Verzögerung der Uraufführung in Kairo zu tun? Wie positioniert sich die Selbstdarstellung und der Außenblick z.B. zur Geschlechterfrage oder zum Umweltschutz? Dies sind alltägliche Erfahrungen, die wir als Reisende sehr schön „erfahren“ können. Die Reihung liese sich fortsetzen, doch fahren Sie einfach mit durch dieses widersprüchliche und wunderbar faszinierende Land.
Den Kreuzfahrten liegen Lektorate mit eigenen Recherchen und teilnehmender Beobachtung des Alltags zugrunde. Für das Erkunden Unterägyptens habe ich zwei Kreuzfahrten, von Genua über Alexandria nach Venedig unternommen. Auch eine Weltreise hat durch die Durchfahrt des Suezkanals und das Ankern in Port Said den Erfahrungsschatz vergrößert. Ein mehrtägiger Aufenthalt in Kairo bringt weitere wichtige Erkenntnisse.
Zwei Nil-„Kreuzfahrten“, von Luxor nach Assuan, runden das Bild ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine landeskundliche Einführung
3. Von der geschichtsträchtigen Stadt Alexandria nach Kairo, der kontrastreichen Metropole
3.1 Alexandria, der große Seehafen am Mittelmeer
3.2 Das berühmt-berüchtigte Nildelta
4. Kairo, die widersprüchliche Metropole
4.1 Das Ägyptische Museum: bekannte und unbekannte Perspektiven
4.2 Ein „touristisches Muss“: Die Zitadelle
4.3 Die Al-Azhar-Moschee und die Universität: Mittelpunkt des islamischen Kairo
4.4 Alltagserfahrungen und mehr im Koptischen Viertel und Alt-Kairo
4.5 Gizeh: Pyramiden und Kamele
4.6 Bummel durch die Innenstadt
5. Von der Hauptstadt in die Kolonialzeit nach Port Said
5.1 „Aida“- mehr als eine Oper
5.2 Der begehrte Kanal
5.3 Belle Époque am Kanalufer in Port Said
6. Kreuzfahrten um Nilinseln Geschichte und Gegenwart am oberen Nil
6.1 Luxor und Karnak – Ost-Theben ein strahlender und gebeutelter Ort
6.2 West-Theben – Von Grabräubern und dem Backenzahn der Hatschepsut
6.3 Impressionen auf dem Nil – zwischen Faszination und Kritik
6.4 Assuan, die freundlich pulsierende Universitätsstadt zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert
7. Abschied
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit bietet eine tiefgehende alltagskulturelle Auseinandersetzung mit dem modernen Ägypten. Jenseits gängiger Klischees und touristischer Daten vermittelt die Autorin durch eigene Reiseerfahrungen und teilnehmende Beobachtungen Einsichten in die komplexen politischen, kulturellen, ökonomischen und sozialen Zusammenhänge des Landes, wobei historisch-politische Bezüge stets in die aktuelle Analyse einfließen.
- Analyse politischer und sozialer Strukturen in Ägypten
- Kulturelle und historische Kontexte von Städten wie Kairo, Alexandria und Assuan
- Kritische Auseinandersetzung mit Tourismus und Alltagssituationen
- Untersuchung von historischen Artefakten und zeitgenössischen Entwicklungen
- Reflexion über Umweltschutz und gesellschaftliche Transformationsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.2 Ein „touristisches Muss“: Die Zitadelle
Die Zitadelle und die islamische Altstadt werden uns von einer gut deutschsprechenden, kopftuchtragenden Guide, nach eigenen Angaben „sehr gläubig“, gezeigt. Sie war es übrigens auch, die uns durch das Ägyptische Museum geführt hat und – zu meiner Verwunderung – „die Bierbrauerin“ nicht kannte.
Die Zitadelle liegt auf einem großen Kalksteinfelsen am Ostrand der Stadt. Der älteste Teil des aus diversen Palästen und Moscheen bestehenden Areals stammt von 1176 n.u.Z. Sie dient über 700 Jahre als Herrschersitz und soll u.a. vor dem Ansturm von Kreuzfahrern(!) schützen. Danach wird sie zur Kaserne, in der während des Zweiten Weltkriegs Teile der britischen Armee stationiert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt dar, dass die vorliegende Reisebeschreibung als Ausgangspunkt für eine kritische Betrachtung des modernen Ägypten dient und den Fokus auf soziale und politische Hintergründe jenseits touristischer Klischees legt.
2. Eine landeskundliche Einführung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die staatliche Struktur Ägyptens, eingebettet in einen Rückblick auf die historische Entwicklung seit der Revolution von 1952.
3. Von der geschichtsträchtigen Stadt Alexandria nach Kairo, der kontrastreichen Metropole: Die Überfahrt und die Ankunft bilden den Rahmen für eine erste Auseinandersetzung mit der Geschichte Alexandrias und dem Nildelta als landwirtschaftlichem Kernraum.
4. Kairo, die widersprüchliche Metropole: Dieses Hauptkapitel beleuchtet verschiedene Aspekte der ägyptischen Hauptstadt, von Museen und historischen Bauwerken bis hin zu alltagskulturellen Herausforderungen im Straßenverkehr und im Koptischen Viertel.
5. Von der Hauptstadt in die Kolonialzeit nach Port Said: Der Fokus liegt hier auf der historischen Bedeutung des Suezkanals, verknüpft mit einer Analyse der kulturellen Rezeption durch die Oper Aida.
6. Kreuzfahrten um Nilinseln Geschichte und Gegenwart am oberen Nil: Die Autorin reflektiert über Kreuzfahrten als Methode der Feldforschung und analysiert historische Stätten in Luxor und Assuan im Kontext ihrer sozioökonomischen Realität.
7. Abschied: Das Kapitel schließt die Reise ab und fasst die kritischen Eindrücke zur Selbst- und Fremdwahrnehmung Ägyptens zusammen.
8. Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Quellen und Bildnachweise übersichtlich aufgelistet.
Schlüsselwörter
Ägypten, Kairo, Kreuzfahrt, Nil, Hatschepsut, Tut-ench-Amun, Suezkanal, Tourismus, Alltagskultur, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Religion, Ägyptologie, Postkolonialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist eine subjektive Reisebeschreibung, die auf eigenen Beobachtungen und Recherchen basiert und versucht, das moderne Ägypten jenseits der üblichen Touristenpfade zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf politischen Entwicklungen, alltagskulturellen Beobachtungen, historischen Hintergründen von Städten und Monumenten sowie einer kritischen Reflexion über den Tourismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Lesenden zeithistorische und soziale Bezüge näherzubringen, um ein differenzierteres Verständnis für die Widersprüche des heutigen Ägyptens zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der teilnehmenden Beobachtung (Lektorate mit eigenen Recherchen) in Kombination mit einer historisch-politischen Analyse der bereisten Orte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Etappen einer Reise durch Unter- und Oberägypten, darunter Kairo, das Nildelta, Port Said am Suezkanal sowie Luxor und Assuan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Ägypten, Kreuzfahrt, politische Geschichte, Alltagskultur, postkoloniale Aspekte und ägyptische Altertümer.
Warum wird die ägyptische Regierungsform als Präsidialdiktatur bezeichnet?
Aufgrund der Menschenrechtssituation, der Medienzensur, der Einschränkungen für Oppositionelle und der Anwendung von Notstandsgesetzen, die in der Arbeit detailliert thematisiert werden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Tourismus?
Die Autorin kritisiert sowohl die Kommerzialisierung durch „Abzocke“ als auch die oberflächliche Inszenierung kultureller Erlebnisse, beispielsweise in nubischen Dörfern.
Welche Bedeutung kommt dem Assuan-Staudamm in der Arbeit zu?
Er wird als ambivalentes Prestigeobjekt beschrieben, das einerseits ökonomische Vorteile bringt, andererseits jedoch gravierende ökologische und soziale Folgeschäden verursacht hat.
Warum ist die Darstellung von Frauen im Werk so präsent?
Die Autorin thematisiert die Geschlechterfrage sowohl in der historischen Darstellung (z.B. Hatschepsut) als auch in der aktuellen Gesellschaft (Kopftuchfrage, Berufstätigkeit) als Ausdruck der gesellschaftlichen Widersprüche.
- Arbeit zitieren
- Gabriele Steckmeister (Autor:in), 2010, Es ist nicht alles Bohne in Ägypten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/153513