Der Intelligenzforscher James Flynn stellte fest, dass die Menschen immer höhere Werte bei IQ-Tests erlangten. Mit der Fragestellung, warum dies so ist, wird dieses Phänomen, der "Flynn-Effekt", mit Georg Simmel auf die Geldwirtschaft und ihre Wirkung auf den Menschen zurückgeführt. Konstatiert werden muss jedoch, dass die Menschen zwar intelligenter werden, aber nicht klüger - beide Begriff werden definitorisch voneinander abgegrenzt. Diese Entwicklung führt letztendlich zur Entselbstständigung des Menschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Charakter der Intelligenz nach Simmel
3. Vergleich der Flynn-Testergebnisse mit Simmels Intelligenzbeschreibung
4. Folgen der steigenden Intelligenz auf den Menschen
5. Trennung von Klugheit und Intelligenz
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des "Flynn-Effekts" im Kontext der soziologischen Theorie von Georg Simmel, um die Differenz zwischen steigender Intelligenz und praktischer Klugheit in einer zunehmend durch Geldwirtschaft geprägten Welt kritisch zu beleuchten.
- Wirkung der Geldwirtschaft auf kognitive Strukturen
- Analyse teleologischer Mittelreihen nach Georg Simmel
- Kritische Einordnung des Flynn-Effekts (IQ-Gewinne)
- Unterscheidung zwischen logisch-abstraktem Denken und konkreter Klugheit
- Entselbständigung durch technologischen Fortschritt
Auszug aus dem Buch
Der Charakter der Intelligenz nach Simmel
Nach Simmel verfügt die kognitive Fähigkeit des Intellekts über keine intrinsische Zielvorstellung. Sein Inhalt ist quasi leer. Es handelt sich bei ihm um eine leere Hülse, vergleichbar vielleicht mit einem Schienennetz, das einem zum Ziel bringen kann – sofern ein Zug fährt. Simmel sieht den Intellekt dadurch in Nachbarschaft mit dem Sollen und dem Hoffen. Ohne Inhalt sind diese psychologischen Formen Sollen, Hoffen und eben Intellekt leer. Ihnen fehlt das Telos, die Zwecksetzung. Diese Hülsen können in Anspruch genommen werden, vornehmlich vom Wollen. Ist es dazu gekommen, so wird die Hülse des Intellekts zum Mittel des Zwecks. Der Wille sorgt für ein Ziel, dem sich das Wollen mittels der Lok des Intellekts nähern kann. Der Intellekt ist nun das kausalverbindende Mittel und das Erreichen des Ziels geschieht über seine Kanäle und Bahnen. Die Berechnung der Mittel wird zentral. Was und in welcher Reihenfolge muss ich alles tun, um mein Ziel zu erreichen (Simmel 1989 [1900]: 455f.)? Simmel nennt die Gesamtheit der verschiedenen Zwischenhalte und Punkte auf der langen Linie der verschiedenen Mittel zum Ziel „teleologische Mittelreihen“ (ebd.: 457). Diese Reihen werden laut Simmel immer länger. Bevor das Ziel erreicht wird, müssen immer mehr Zwischenstationen erfüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob die Menschheit durch den Flynn-Effekt tatsächlich intelligenter wird und wie sich dies von wahrer Klugheit abgrenzen lässt.
2. Der Charakter der Intelligenz nach Simmel: Dieses Kapitel erläutert Simmels Verständnis des Intellekts als zweckfreie Hülse, die durch das Geldwesen in zunehmend längere teleologische Mittelreihen eingebettet wird.
3. Vergleich der Flynn-Testergebnisse mit Simmels Intelligenzbeschreibung: Hier werden empirische Daten von James Flynn mit der soziologischen Theorie verknüpft, um die Zunahme an abstraktem, logischem Denken zu belegen.
4. Folgen der steigenden Intelligenz auf den Menschen: Es wird analysiert, wie die Entfremdung vom Konkreten und die technologische Abhängigkeit das menschliche Leben und die kognitiven Fähigkeiten prägen.
5. Trennung von Klugheit und Intelligenz: Das abschließende Kapitel argumentiert für eine notwendige begriffliche Unterscheidung zwischen abstrakt-logischer Intelligenz und erfahrungsbasiertem, praktischem Wissen.
Schlüsselwörter
Intelligenz, Klugheit, Flynn-Effekt, Georg Simmel, Geldwirtschaft, teleologische Mittelreihen, Kognition, Abstraktion, Alltagswissen, Entselbständigung, Soziologische Theorie, Logik, Erfahrung, Problemlösung, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Intelligenz und Klugheit unter dem Einfluss der modernen Geldwirtschaft und nutzt dafür die soziologische Theorie Georg Simmels in Verbindung mit dem sogenannten Flynn-Effekt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, die Auswirkungen einer monetarisierten Lebenswelt auf das menschliche Denken sowie die Differenzierung zwischen theoretischer Abstraktion und praktischem Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die moderne Gesellschaft zwar die Intelligenz (als abstraktes Problemlösungspotenzial) fördert, dabei jedoch die alltagsrelevante Klugheit und den Bezug zum Konkreten gefährdet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Analyse, die soziologische Theoriebildung (Simmel) mit empirischen psychologischen Forschungsdaten (Flynn) synthetisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Geld als abstraktes Mittel teleologische Reihen verlängert, was den Intellekt stärker fordert, und wie dies durch IQ-Testergebnisse (WISC) empirisch untermauert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intelligenz, Klugheit, Flynn-Effekt, teleologische Mittelreihen, Abstraktion und der Verlust des konkreten Alltagswissens.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Intelligenz und Klugheit?
Intelligenz wird als Fähigkeit definiert, sich in abstrakten oder neuen Situationen durch logische Denkleistung zurechtzufinden, während Klugheit das Wissen darüber bezeichnet, wann und wie man etwas konkret im Leben anwendet.
Welche Rolle spielt die Geldwirtschaft bei der kognitiven Entwicklung?
Laut Simmel zwingt die Geldwirtschaft den Menschen dazu, Angelegenheiten auf einer abstrakten Verstandesebene zu bearbeiten, was zur Verlängerung von Mittelreihen führt und somit das logisch-abstrahierende Denken fördert.
- Arbeit zitieren
- Jochen Rehmert (Autor:in), 2010, Warum die Menschen immer intelligenter, aber nicht klüger werden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/153151