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Bolschewistische Religionspolitk gegenüber dem Islam von 1917 bis 1928: Von der Religionskritik zur politischen Praxis

Title: Bolschewistische Religionspolitk gegenüber dem Islam von 1917 bis 1928: Von der Religionskritik zur politischen Praxis

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 22 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Benjamin Beutler (Author)

Politics - Region: Russia

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Summary Excerpt Details

[...] Die größte Gruppe stellte mit über
14 Millionen Menschen, das waren etwa elf Prozent der russischen Gesamtbevölkerung,
die islamische Bevölkerung Zentralasiens, des Kaukasus, des Wolgagebietes und der
Krim.1 Demnach war der Islam nach der Russisch-Orthodoxen-Kirche die zweitgrößte
Religionsgemeinschaft innerhalb des Herrschaftsbereiches der neuen Machthaber. Er
musste daher als ein ernstzunehmender und wichtiger gesellschaftlicher Faktor angesehen
werden.
Zu Beginn der Zwanziger Jahre ergab sich folgende Situation:
Auf der einen Seite waren die Bolschewisten besonders kurz nach ihrer Machtübernahme
vor das Problem gestellt, im Kampf um die Macht und ihrer Erhaltung politische
Verbündete zu finden.2 Ein solcher Verbündeter konnten insbesondere Völker sein, die
sich zum Islam bekannten. Gerade diese hatten unter dem Kolonialismus des Russischen
Zarenreiches schwere Repressionen hinzunehmen, und versprachen sich nun von den
neuen Machthabern eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Auf der anderen Seite
bestand das Ziel der bolschewistischen Oktoberrevolution in der Errichtung einer
atheistisch-kommunistischen Gesellschaft, in der die Religion aus ideologischen Gründen
keinen Platz hatte. Demnach musste der Islam als ein Gegner des Kommunismus
betrachtet werden.
Doch was genau machte den Islam zu einem Gegner des Kommunismus? Wie
legitimierten die Bolschewisten den Kampf gegen ihn ideologisch? Wie gestaltete sich
der politische Umgang mit dem Islam kurz nach der Oktoberrevolution? Ein Verbündeter
oder ein Gegner? Auf diese Fragen soll im Rahmen dieser Arbeit eine Antwort gefunden
werden.
Im ersten Teil dieser Arbeit werden die zunächst die ideologischen Wurzeln der
bolschewistischen Religionspolitik dargelegt, um sich im zweiten Teil die konkrete
bolschewistische Religionspolitik der Jahre 1918 bis 1928 zu betrachten.
1 Siehe Kappeler, Andreas: Die zaristische Politik gegenüber den Muslimen des Russischen Reiches, S.117, In:
Die Muslime in der Sowjetunion und Jugoslawien, Markus Verlagsgesellschaft, Köln 1989.
2 Siehe Filippow, Boris F.: Ideologische und machtpolitische Determinanten der sowjetischen Religionspolitik
von 1917 bis zum Ende der Sowjetunion, S.97, In: Religionspolitik zwischen Cäsaropapismus und Atheismus,
P. Koslowski/W. F. Fjodorow, Wilhelm Fink Verlag, München 1999.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Begriffsbestimmung

2.1. Der Begriff Religionspolitik

2.2. Der Begriff „bolschewistisch“

2.3. Die Abgrenzung Islam

2.4. Periodisierung

III. Die Theorie der Religionskritik als ideologische Grundlage bolschewistischer Religionspolitik

3.1.1. Die Religionskritik bei Karl Marx

3.1.2. Die erste Phase

3.1.3. Die zweite Phase

3.1.4. Die dritte Phase

3.1.5. Zusammenfassung

3.2.1. Die Religionskritik bei Friedrich Engels

3.2.2. Die Wegbereitung der antireligiösen Propaganda

3.2.3. Die Schärfung der Religionskritik zu einem Mittel des Klassenkampfes

3.2.4. Der Konkurrenzkampf der proletarischen Weltanschauung versus Religion

3.2.5. Zusammenfassung

3.3.1. Die Religionskritik bei V.I. Lenin

3.3.2. Die Wegbereitung einer Politik der aktiven Religionsverfolgung

3.3.3. Die Wegbereitung einer taktischen Flexibilität in der Religionspolitik

3.3.4. Zusammenfassung

3.4. Die ideologische Einordnung des Islam

3.5. Zusammenfassung

IV. Die praktische bolschewistische Religionspolitik gegenüber dem Islam

4.1. Orientierung an der Religionspolitik gegenüber der Russisch-Orthodoxen-Kirche

4.2.1. Legislative Grundlagen der Religionspolitik

4.2.2. Verbot der šarīُ a-Gerichtsbarkeit

4.2.3. Verstaatlichung des waqf-Besitzes

4.3.1.1. Die Phase der Politik der relativen Duldung von des Islam von 1917 bis 1928

4.3.1.2. Vertrauensstiftende Maßnahmen

4.3.2.1. Die Integration der šarīُ a-Gerichtsbarkeit

4.3.2.2. Die „Gesellschaft der Gerichte der šarīُ a“

4.3.3.1. Die teilweise Rückgabe von waqf-Besitz

4.3.3.2. Die staatlich-islamische Mischverwaltung durch die „Shuhurayi Ulema“

4.4. Zusammenfassung

V. Schlussbemerkung

VI. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit analysiert die bolschewistische Religionspolitik gegenüber dem Islam in der frühen Sowjetzeit (1917–1928), um aufzuzeigen, wie ideologische Konzepte in praktische, machtpolitisch motivierte Strategien übersetzt wurden.

  • Ideologische Grundlagen der Religionskritik (Marx, Engels, Lenin)
  • Spannungsfeld zwischen atheistisch-kommunistischem Staatsziel und praktischer Notwendigkeit zur Duldung
  • Legislative Instrumente zur Schwächung islamischer Institutionen
  • Umgang mit Scharia-Gerichtsbarkeit und Waqf-Besitz
  • Strategiewechsel und Phasen der bolschewistischen Religionspolitik

Auszug aus dem Buch

4.3.1.1. Die Phase der Politik der relativen Duldung des Islam von 1917 bis 1928

Die realpolitische Wirklichkeit in Bezug auf die Umsetzung der offensichtlich religionsfeindlichen Dekrete sah in Bezug auf den Islam im Vergleich zum Umgang mit der Russisch-Orthodoxen-Kirche jedoch anders aus. Gefordert war anfangs eine Rücksichtnahme gegenüber der islamischen Bevölkerungsschicht, welche auf Grund der kolonialen Vergangenheit traditionell starke antirussische Ressentiments hegte. Auch hatten sich die Machtverhältnisse erst Mitte der 20iger Jahre zu Gunsten der neuen bolschewistischen Machthaber entwickelt, wenn auch noch nicht endgültig stabilisiert. Vor allem in Mittelasien, wo der Grossteil der muslimischen Bevölkerung innerhalb Russlands ansässig war, stieß die bolschewistische Politik auf große Gegenwehr. Zu nennen ist hier vor allem die so genannte Basmatschi-Bewegung.

Als weiteren Grund für die Politik einer relativen Duldung ist der offensichtliche Konflikt zwischen bolschewistischer Religionspolitik und Nationalitätenpolitik zu nennen. Laut bolschewistischer Theorie muss die Überwindung der Benachteiligung nichtrussischer Völker ebenso zu den ersten Aufgaben der Revolution gehören wie die Überwindung der Religion. Das Selbstverständnis der islamischen Bevölkerung macht aber gerade hier eine saubere Trennung, nämlich zwischen nationaler Identität und religiöser Identität, so gut wie unmöglich. Bis zum Beginn der zweiten Periode der bolschewistischen Religionspolitik im Jahre 1929 wurde die islamische Geistlichkeit demnach noch weitgehend geschont und das religiöse Leben der Moslems kaum substanziell beeinträchtigt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung der historischen Ausgangslage nach 1917 und der Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Islam als gesellschaftlichem Faktor.

II. Begriffsbestimmung: Definition der für die Arbeit zentralen Begriffe wie Religionspolitik, Bolschewismus und die Abgrenzung zum Islam.

III. Die Theorie der Religionskritik als ideologische Grundlage bolschewistischer Religionspolitik: Analyse der theoretischen Wurzeln bei Marx, Engels und Lenin sowie deren Adaption als Grundlage für die praktische Politik.

IV. Die praktische bolschewistische Religionspolitik gegenüber dem Islam: Detaillierte Untersuchung der konkreten Maßnahmen, Gesetze und der taktischen Phasen der Duldung und Kontrolle zwischen 1917 und 1928.

V. Schlussbemerkung: Resümee über das Scheitern der vollständigen Auslöschung des religiösen Bewusstseins trotz repressiver und taktischer Maßnahmen.

VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Bolschewismus, Islam, Religionspolitik, Oktoberrevolution, Religionskritik, Marxismus-Leninismus, Scharia, Waqf, Sowjetisierung, Basmatschi-Bewegung, relative Duldung, Klassenkonflikt, atheistisch-kommunistische Gesellschaft, Religionsverfolgung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die bolschewistische Religionspolitik gegenüber dem Islam in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1928, wobei der Fokus auf dem Übergang von theoretischer Religionskritik zu praktischer, taktischer Umsetzung liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die ideologischen Wurzeln der bolschewistischen Religionsfeindlichkeit, die legislativen Schritte zur Einschränkung islamischer Institutionen sowie die Gründe für die anfängliche "relative Duldung" des Islams.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, wie die Bolschewisten das ideologische Ziel der Religionsüberwindung mit der realpolitischen Notwendigkeit zur Kooperation mit muslimischen Bevölkerungsteilen in Einklang brachten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von marxistisch-leninistischen Theoriewerken sowie der Untersuchung von Dekreten und historischen Berichten zur sowjetischen Politik in Zentralasien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Religionskritik (Marx, Engels, Lenin) und die praktische Umsetzung, inklusive der Behandlung von Waqf-Besitz und Scharia-Gerichtsbarkeit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Religionspolitik, Bolschewismus, Ideologie, Säkularisierung, Scharia-Gerichte und die Phase der relativen Duldung.

Warum war der Islam für die Bolschewisten zunächst ein taktisches Problem?

Aufgrund der kolonialen Geschichte des Zarenreiches hegten muslimische Völker starke antirussische Ressentiments; eine zu harte Politik hätte den Widerstand (z. B. Basmatschi-Bewegung) verstärkt und die Machtstabilisierung gefährdet.

Welche Rolle spielten vertrauensbildende Maßnahmen wie die Rückgabe des "Heiligen Korans des Osman"?

Diese dienten als strategisches Instrument, um Sympathien in der islamischen Bevölkerung zu gewinnen und den Übergang zur sowjetischen Herrschaft durch den Anschein religiöser Toleranz zu erleichtern.

Wie wurde die Scharia-Gerichtsbarkeit schrittweise geschwächt?

Durch die Integration in das sowjetische Rechtssystem, die Einschränkung auf familienrechtliche Fragen und den sukzessiven Entzug der finanziellen Basis, bis sie schließlich in die Bedeutungslosigkeit sank.

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Details

Title
Bolschewistische Religionspolitk gegenüber dem Islam von 1917 bis 1928: Von der Religionskritik zur politischen Praxis
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Afrika- und Asienwissenschaft)
Grade
sehr gut
Author
Benjamin Beutler (Author)
Publication Year
2003
Pages
22
Catalog Number
V15217
ISBN (eBook)
9783638204040
Language
German
Tags
Bolschewistische Religionspolitk Islam Religionskritik Praxis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin Beutler (Author), 2003, Bolschewistische Religionspolitk gegenüber dem Islam von 1917 bis 1928: Von der Religionskritik zur politischen Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/15217
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