Menschen mit Behinderung sehen sich oft mit Unterschätzung, Herabsetzung und Diskriminierung konfrontiert – nicht selten auch unbewusst durch Überfürsorge von Eltern oder der Gesellschaft. Diese Dynamiken können dazu führen, dass betroffene Menschen im Erwachsenenalter in Abhängigkeit und Machtlosigkeit verharren. Das Empowerment-Konzept bietet ein vielversprechendes Werkzeug, um Menschen mit Behinderung zu stärken und ihre Eigenständigkeit zu fördern. Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Empowerments in der stationären Behindertenhilfe. Nach einer Einführung in das Konzept und seine Ziele wird die gesellschaftliche Stellung von Menschen mit Behinderung beleuchtet. Anhand ausgewählter Beispiele werden konkrete Ansätze und Herausforderungen des Empowerments analysiert. Abschließend werden im Fazit Erkenntnisse zusammengeführt, um das Potenzial und die Limitationen dieses Ansatzes in der Praxis der Sozialen Arbeit zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Empowerment
3 Behinderung
4 Möglichkeiten und Grenzen
4.1 Ressourcendiagnostik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Empowerment-Konzept als Werkzeug für Menschen mit Behinderung in der stationären Hilfe, um Möglichkeiten und Grenzen bei der Förderung von Selbstbestimmung und Teilhabe zu identifizieren und die Rolle von professionellem Handeln in diesem Kontext zu beleuchten.
- Theoretische Fundierung des Empowerment-Begriffs in der Sozialen Arbeit
- Soziologische Betrachtung von Behinderung als Minderheitenstatus
- Motivational Interviewing zur Motivationssteigerung bei Klienten
- Ressourcendiagnostik als Instrument der professionellen Hilfeplanung
- Analyse der Chancen und Risiken bei der praktischen Anwendung in stationären Wohnformen
Auszug aus dem Buch
4.1 Ressourcendiagnostik
Ein wichtiger Gegenstand der sozialarbeiterischen Praxis stellt das Feld der „Ressourcen“ dar, welches bereits während der Besprechung der vier Zugänge des Empowerment-Konzeptes seine Relevanz offenbarte. Zwar wurde dort bereits die Wichtigkeit der Abrufung dieses Aspektes beleuchtet, jedoch nicht geklärt, worum es sich genau bei diesem Feld handelt. Ebenso wie es bereits auf Empowerment und Behinderung zutraf, so existiert auch für die „Ressourcen“ keine klare Definition – trotz einer stetig steigenden Popularität des Begriffs. Nestmann schreibt hierzu: „Letztlich alles, was von einer Person bestimmten Person, in einer bestimmten Situation wertgeschätzt und/oder als hilfreich erlebt wird, kann als eine Ressource betrachtet werden“ (Nestmann, 1996, S. 362). Es zeigt sich also, dass Ressourcen äußerst kontextabhängig sind. Herriger schlussfolgert drei Definitionselemente: Zum einen sind Ressourcen aufgabenabhängig, anstatt eine allgemeine Wirksamkeit auszuüben. Dementsprechend wird ihr Nutzwert von der Effektivität ihrer Funktionalität bestimmt. Außerdem können sie erst als „Ressourcen“ gefasst werden, sofern sie als solche innerhalb des Prozesses von der jeweiligen Person wahrgenommen werden (Vgl. Herriger, 2010, S. 92).
Im Folgenden möchte ich zwei Bereiche der Ressourcendiagnostik beleuchten: Die Erstdiagnostik und Hilfeplanung kommt während des Verlaufs eines Erstgesprächs zum Tragen. Hierbei werden sich zwei Ziele gesteckt. Zum einen sollen dem Klienten zugehörige Bewältigungsressourcen in den Prozess eingegliedert, zum anderen verlorene Ressourcen – wie beispielswese Selbstvertrauen - wieder reaktiviert werden. Die in Folge des Erstgesprächs durchgeführte Hilfeplanung bedarf einer genauen Erfassung und Dokumentierung. Im bereits genannten Beispiel des Integrierten Teilhabeplans nimmt dieser Aspekt unter dem Punkt „Personenbezogene Ressourcen“ einen wichtigen Punkt ein. Fähigkeiten beziehungsweise Ressourcen wie beispielsweise „Antrieb“, „Aufmerksamkeit“ oder „Beziehungskompetenz“ müssen nach zugehöriger Beeinträchtigung bewertet werden, wobei dieser Bewertung ein genau festgeschriebener Maßstab zugehörig ist. Die jeweils neuvorgenommene Festlegung dieser Attribute bei der Erneuerung des Teilhabeplans ermöglicht einen Vergleich zur Ressourcenentwicklung und das Erstellen einer Bilanz. Hieraus können Schlüsse für beispielsweise weitere Zielsetzungen oder Anpassung ebenjener Ziele gezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Fremdbestimmung von Menschen mit Behinderung ein und stellt die Relevanz des Empowerment-Konzepts als Strategie zur Stärkung der Eigenständigkeit dar.
2 Empowerment: Hier werden mittels der vier Zugänge von Norbert Herriger verschiedene Facetten des Empowerment- Begriffs theoretisch aufgearbeitet und für die soziale Arbeit definiert.
3 Behinderung: Dieses Kapitel beleuchtet den Behindertenbegriff aus juristischer und sozialer Perspektive und arbeitet heraus, warum Menschen mit Behinderung als soziale Minorität betrachtet werden können.
4 Möglichkeiten und Grenzen: Der Hauptteil analysiert spezifische Ansätze wie Motivational Interviewing und die Arbeit in stationären Wohnformen, um Empowerment-Prozesse in die Praxis zu übertragen.
4.1 Ressourcendiagnostik: Dieser Unterpunkt vertieft die methodische Arbeit mit individuellen Ressourcen und evaluiert deren Nutzen sowie Grenzen in der Hilfeplanung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Potentiale und Barrieren des Empowerment-Einsatzes für die professionelle Arbeit in der stationären Behindertenhilfe.
Schlüsselwörter
Empowerment, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Selbstbestimmung, Autonomie, Motivation, Ressourcendiagnostik, Inklusion, Fremdbestimmung, Minorität, Motivational Interviewing, Teilhabe, Hilfeplanung, Partizipation, Lebenswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Empowerment-Konzept als zentrales Instrument der Sozialen Arbeit, um Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Förderung von Selbstbestimmung für Menschen in der stationären Behindertenhilfe aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Empowerment, die soziologische Einordnung von Behinderung als Minderheitenstatus sowie methodische Ansätze wie Motivational Interviewing und gezielte Ressourcendiagnostik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Worin bestehen die Möglichkeiten und Grenzen des Empowerments in der stationären Behindertenhilfe?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung auf Basis fachwissenschaftlicher Literatur und wendet diese exemplarisch auf die Praxis der stationären Wohnformen und Instrumente wie den Integrierten Teilhabeplan an.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die konkrete Umsetzung von Empowerment durch gesprächsbasierte Motivationsarbeit und die systematische Erfassung von Ressourcen der Klienten, um individuelle Hilfeplanung zu verbessern.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Empowerment, Selbstbestimmung, Ressourcendiagnostik und Partizipation in der Behindertenhilfe bestimmt.
Inwiefern beeinflussen Sonderräume wie Wohnheime den Empowerment-Prozess?
Sonderräume können durch ihre Struktur zur Isolation beitragen und Fremdbestimmung fördern, weshalb die soziale Arbeit gefordert ist, Brücken in die Gesellschaft zu schlagen und die Autonomie der Bewohner trotz wohnheimischer Strukturen zu stärken.
Warum wird die Ressourcendiagnostik in der Arbeit so explizit hervorgehoben?
Sie gilt als entscheidendes professionelles Werkzeug, da Empowerment den aktiven Abruf persönlicher Ressourcen erfordert, um von gelebter Abhängigkeit zu einer selbstbestimmten Lebensführung zu gelangen.
- Quote paper
- H. Graf (Author), 2023, Empowerment in der stationären Behindertenhilfe. Möglichkeiten und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1518275